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02/07/2014 12:34 CEST | Aktualisiert 01/09/2014 07:12 CEST

"Gekommen, um zu bleiben": 5 Gründe für Digitalunternehmen, sich in den Standort Hamburg zu verlieben

Thinkstock

Alle sprechen immer vom Startup-Hype in Berlin. Oft genug wurde die deutsche Hauptstadt als das deutsche Silicon Valley hoch gelobt und auch genauso oft wieder heruntergeschrieben. Doch was ist eigentlich mit Deutschlands zweitgrößter Metropole Hamburg?

Fakt ist: Hamburg ist längst Gründerstadt, aber die Stadt und seine Startups benötigen mehr Aufmerksamkeit, um als solche wahrgenommen zu werden. Aber ist Hamburg wirklich „the place to be" für Startups oder fehlt es den Hanseaten an mehr Silicon-Valley-Spirit? Was macht die Anzahl der innovativen Unternehmen in Hamburg aus? Und sind Hamburgs Startups dafür vielleicht nachhaltig erfolgreicher?

1. „Made and established in Hamburg"

Zugegeben: Mit Berlin kann Hamburg in puncto Anzahl der Startup-Gründungen nicht mithalten. Aber auch in der Hansestadt ist die Startup-Szene lebendig, bringt innovative digitale Geschäftsideen und sympathische Teams hervor, die oft von Erfolg gekrönt sind. Sei es der Webbaukasten Jimdo mit weltweit über zehn Millionen Webseiten, die Goodgames Studios mit gut 800 Mitarbeitern oder Protonet, das jüngste Beispiel für einen erfolgreichen Start „Made in Hamburg".

Das Team stellte einen Weltrekord im Crowfunding auf: In nur 89 Minuten sammelte Protonet eine Million Dollar auf Seedmatch, nach 10 Stunden knackten die Hamburger dann die 1,5 Millionen Euro Marke und insgesamt wurden es 3 Millionen Euro für die Produktion ihres Server Nachwuchses „Maya". Sie treten den Beweis an: Ob alter Hase oder junges Küken im Startup-Geschäft, Hamburg hat das Zeug erfolgreiche Unternehmen an den Start zu bringen.

2. „Simply the Best"

Hamburg als Ökosystem für Startups ist eigentlich eines der besten in Europa: Die Stadt hat den optimalen Mix aus IT-Unternehmen, Internetfirmen, Medienhäusern und Werbeagenturen. Gerade auch etablierte Internet-Unternehmen aus dem Ausland, wie Google, Facebook oder Airbnb, lassen sich gern an Elbe und Alster nieder. Auch für junge Gründer, oder die, die es noch werden wollen, bietet Hamburg facettenreiche Möglichkeiten. Zum einen beginnen die Universitäten in Hamburg und Umgebung verstärkt das Thema Entrepreneurship anzugehen.

Die TU Hamburg-Harburg hilft Studenten, Wissenschaftlern und Alumni mit dem eigens gegründeten Startup Dock bei der Realisierung ihrer Projekte. Die Fresenius Hochschule in Hamburg sowie die Leuphana Universität Lüneburg bieten den Studiengang Entrepreneurship an und bereiten so junge Gründer vor, nach ihrem Studium die Hamburger Startup-Szene zu erobern. Auch zahlreiche Events, wie das Reeperbahn Festival oder Netzwerke, wie Hamburgs Startups, machen sich stark für Hamburgs Szene, bieten Inspiration und Starthilfe für junge Gründer, helfen sich besser zu vernetzen und so Hamburgs Startup-Szene über die Grenzen Hamburgs bekannter zu machen.

3. „More money, more business"

Die schönste Idee nützt nichts, wenn niemand daran glaubt. Gut, dass es genug Visionäre gibt, die Potential in den Neugründungen sehen. In Hamburg gibt es bezüglich Finanzierung allerdings noch ganz viel Luft nach oben. 2012 investierten beispielsweise deutsche und ausländische Wagniskapitalgeber in Berlin 133 Millionen Euro in Startups, wohingegen nach Hamburg „nur" 14 Millionen Euro flossen. Auch vom wichtigen Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, der u.a. mittelständische Unternehmen unterstützen soll, haben die Hamburger nicht viel, richtet sich der EU-Fonds doch an Regionen mit einem niedrigen Bruttoinlandsprodukt.

Aber die Hamburger Politik arbeitet bereits daran, neue Strategien zu finden, die Digitalwirtschaft in Hamburg zu fördern. So startete die Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation nicht nur den Innovationstarter Fond Hamburg, der ein Volumen von 12 Millionen umfasst, sondern auch das Programm InnoRampUp, das aussichtreichen Innovationen einen nicht rückzahlbaren Zuschuss bis zu 150.000 Euro je Vorhaben zur Verfügung stellt.

Daneben ist Hamburg als Medienstadt, der ideale Standort für Produkte, die einen Exit an Verlage planen. Auch in Hamburg liegt das Geld nicht auf der Straße, aber wer hinter die Türen der Verlagshäuser, Senatverwaltungen oder alteingesessenen Hanseaten schaut, findet immer einen Weg, die nötige Finanzierung zu erhalten.

4. „Hamburg got talent"

Startups schaffen inzwischen eine Vielzahl an relevanten Arbeitsplätzen. Man geht davon aus, dass es derzeit 5.000 Startups in Deutschland gibt. Im Schnitt beschäftigt jedes Startup zwölf Mitarbeiter, das schafft also ca. 60.000 Arbeitsplätze allein in jungen Unternehmen. Dabei sind Fachkräfte in der Digitalwirtschaft in allen Städten heiß begehrt, wie ein Junggeselle im Königshaus.

Im Gegensatz zu Berlin werden die Entwickler & Co. in Hamburg sogar königlich für ihre Arbeit entlohnt. Im Schnitt verdienen Fachkräfte in der Digitalwirtschaft in Hamburg 10-15 Prozent mehr als in der deutschen Hauptstadt. Doch das ist nicht der einzige Grund, wieso viele Gründer gern in Hamburg leben und arbeiten und sich Mitarbeiter relativ einfach nach Hamburg locken lassen. Neben dem finanziellen Anreiz, der gehobenen Lebensqualität und der frischen Seeluft, ist es auch die Beständigkeit der Hamburger Unternehmen, welche Fachkräfte an Hamburg schätzen.

5. „Gekommen, um zu bleiben"

Zu Hamburg gehört genauso das szenige Schanzenviertel wie die schicke Hafencity. Je nachdem, wo man sich als Startup niederlässt, sind natürlich auch die Ausgaben für die Büroräume ganz unterschiedlich. Für Personal, wie Entwickler oder Online-Marketing-Profis sind die Kosten zwar höher als zum Beispiel in einer Stadt wie Berlin.

Dafür können die Mitarbeiter hier nachhaltiger eingesetzt werden, denn nirgendwo in Deutschland arbeiten Unternehmen der Kreativwirtschaft so profitabel und konstant wie in Hamburg. Die Kreativbranche verdient in der Hansestadt deutlich mehr Geld als im Rest der Republik. In Berlin werden vielleicht mehr Startups gegründet, das ist allerdings nicht immer gleichbedeutend mit Nachhaltigkeit. Wer hingegen in Hamburg gegründet, setzt das Signal, auch bleiben zu wollen.

Fazit: Was fehlt Hamburg noch?

Hamburg ist ein toller Standort für Gründer. Eine Vielzahl gründet hier, weil sie gern in der Hansestadt leben und arbeiten. Das Hamburger Potential ist aber dennoch noch ausbaufähig. Was der Stadt fehlt, sind beispielsweise eine große Messe für Gründer, mehr internationale Entrepreneurs, potentielle Mitarbeiter und Investoren, ein namhafter Treffpunkt für Hamburgs Startup-Szene, vergleichbar mit dem Berliner SOHO Haus, aber vor allem der Mut der alteingesessenen Hamburger Oberschicht mehr „altes" Geld in neue Ideen zu stecken.

Zudem braucht es auch von Seiten der Hamburger Gründer mehr Selbstvertrauen über ihre Erfolge zu reden, um so Hamburgs Startup-Szene eine deutliche Sichtbarkeit nach außen zu verleihen. Es braucht in Hamburg garantiert keinen Startup Hype wie in Berlin, aber der digitale Aufbruch der Stadt muss auch im Rest der Republik noch deutlicher spürbar sein, wenn die Stadt langfristig mit Berlin und den anderen Startup Metropolen in einem Boot sitzen oder Ihnen sogar einen Ruderschlag voran sein soll.