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10/09/2015 09:02 CEST | Aktualisiert 10/09/2016 07:12 CEST

Einzelhandel drückt Milchpreis - Verbraucher wollen tiergerechte Haltung

ullstein bild via Getty Images

Medial haben es die Milchkühe mittlerweile in die breite Öffentlichkeit geschafft. Grund dafür ist der anhaltende niedrige Milchpreis. Durch den Wegfall der Milchquote, das russische Importverbot westlicher Lebensmittel und die sinkende Nachfrage aus China ist zu viel Milch auf dem Markt - und der Einzelhandel drückt nun die Preise.

Niedriger Milchpreis und fehlende Transparenz beim Einkauf

Der aktuelle Milchpreis ist so niedrig, dass Landwirte nicht einmal mehr ihre Produktionskosten decken können: 27 Cent erhalten sie derzeit durchschnittlich für einen Liter Milch. Den enormen Preisdruck der Molkereien und des Einzelhandels bezahlen die Milchkühe mit ihrer Gesundheit und ihrem Leben.

Gleichzeitig (und schon lange zuvor) wird Kritik an mangelhaften Haltungssystemen gebetsmühlenartig damit zu rechtfertigen versucht, dass der Verbraucher ja auch nicht bereit sei, höhere Tierwohlmaßnahmen finanziell zu honorieren. Doch stimmt das wirklich?

Ein Idylle pur

Letztlich sorgt doch die Milchwerbung dafür, dass die Verbraucher ein verzerrtes Bild über die Haltungsbedingungen von Milchkühen in Deutschland erhalten. Weite, grüne Wiesen auf Milchverpackungen suggerieren ja Idylle pur.

Dass sich dahinter meistens Hochleistungskühe verbergen, die in ihrem Leben kein einziges Mal auf einer Weide standen und in ihrem kurzen Leben von gerade einmal fünf Jahren mit Soja, Mais und Getreide statt frischem Gras und Heu gefüttert wurden, damit sie möglichst viel Milch geben, ist vielen schlichtweg nicht bekannt. - Und wer falsch informiert ist, kann eben auch nicht die richtige Entscheidung für sich treffen.

Wissen und Transparenz führen zu einem anderen Einkaufsverhalten

So hat eine Umfrage unter den Lesern unseres Milchratgebers ergeben, dass Aspekte wie ganzjährige Anbindehaltung, die Enthornung von Kälbern, die zunehmende Stallhaltung sowie die Trennung des Kalbes von der Mutter am Tag der Geburt vielen Menschen nicht bekannt sind. Dementsprechend haben auch 90 % von 615 Befragten angeben, nach der Lektüre des Ratgebers ihren Milchkonsum überdacht und auch geändert zu haben.

Jeder Dritte gab an, nur noch Bio-Milch zu kaufen; bei jedem weiteren Dritten kommt nur noch Milch mit einem zusätzlichen privaten Bio-Siegel wie Demeter, Bioland oder Naturland in den Einkaufswagen. Jeder Dritte hat zudem seinen Milchkonsum eingeschränkt, und zehn Prozent der Befragten sind sogar komplett auf pflanzliche Alternativen zur Kuhmilch umgestiegen.

1,50 € pro Liter

Klar ist, dass bessere Haltungsbedingungen und bessere Tierwohlmaßnahmen auch mit höheren Preisen einhergehen müssen - die Verbraucher würden das auch honorieren: Mehr als jeder dritte von 600 Befragten (35 %) würde 50 Cent zusätzlich pro Liter Milch bezahlen, und sogar weit mehr als die Hälfte der Befragten (63 %) wäre bereit, einen Aufpreis von 1,50 € pro Liter Milch auf den Tisch zu legen, wenn dahinter eine besonders artgerechte Tierhaltung steckt (bei einem Ausgangspreis von 55 Cent pro Liter Milch).

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Wichtig sind folglich erstens) das Wissen um die jeweilige Tierhaltung und die damit verbundenen Folgen für die Tiere und zweitens) Transparenz vorm Einkaufsregal - also eine seriöse Kennzeichnung und Benennung der Indikatoren, die bei einer bestimmten Marke erfüllt werden.

Katharina Tölle

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