BLOG
18/01/2017 06:35 CET | Aktualisiert 19/01/2018 06:12 CET

Beste Reste: Wir bekochen Frankfurt mit dem, was andere wegwerfen

Ich habe früher auch nicht darüber nachgedacht, denn ich bin in einer Generation groß geworden, die nur schöne Lebensmittel kennt. Uns ist es ausgetrieben worden, Lebensmittel zu kaufen, die nicht "perfekt" sind. Irgendwann habe ich dieses Verhalten hinterfragt und geändert.

Als ich das erste Mal sah, was alles weggeworfen wird, war ich geschockt. 313 Kilogramm Lebensmittel werden pro Sekunde in Deutschland aussortiert. Der Großteil ist genießbar, wird aber trotzdem weggeworfen. Weil eine Banane eine braune Stelle hat oder nicht die Form, die uns Verbraucher anspricht. Oder weil das Mindesthaltbarkeitsdatum bald abläuft.

Wenn das andere Leute sehen würden, sie könnten es nicht glauben. Supermärkte, Restaurants, Bäckereien - sie alle haben zu viel. Meistens werden die Lebensmittel heimlich entsorgt.

In Deutschland sind Lebensmittel extrem günstig

Das geht ja unter anderem nur, weil viel produziert wird. Zu viel. Große Discounter regieren den Markt und der Tante-Emma-Laden um die Ecken stirbt aus.

Erst habe ich mich Foodsharing, dann ShoutOutLoud angeschlossen. Wir haben uns viele Gedanken gemacht und schlussendlich entstand die Idee des weltweit ersten Foodtrucks, der hauptsächlich mit geretteten Bio-Lebensmitteln kocht. Keine "unförmige" Möhre, sondern eine gute Suppe. Keine "zu krumme" Zucchini, sondern ein gutes Sandwich. Keine Verschwendung, sondern gutes Essen.

Mehr zum Thema: 87 Prozent der Deutschen wollen, dass Supermärkte Lebensmittel spenden statt sie wegzuwerfen

'Resteküche - Beste Küche' ist eine Kombination aus Streetfood, Achtsamkeit und kulturellem Austausch. Gerade läuft noch die Crowdfunding-Aktion. Sobald wir ausreichend Geld zusammen haben, werden wir uns einen Truck kaufen und rund um Frankfurt damit unterwegs sein. Vor allem auf Veranstaltungen und Märkten.

Wir wollen auf die enorme Lebensmittelverschwendung aufmerksam machen

Unsere Lebensmittel erhalten wir größtenteils von dem Bio Großhandel Phönix. Alles was dort zu viel ist und andere Unternehmen wegschmeißen würden, wird weiterverteilt: Erst an die Tafel, dann an die Mitarbeiter und was dann noch übrig ist, geht an uns.

Wir kochen nur vegetarische und vegane Gerichte. Ein Mittagsgericht wird so um die fünf Euro kosten, ein Lunchpaket für ein Catering ungefähr 12 Euro. Wir hoffen, dass wir im März oder April starten können. Uns ist klar, dass das nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist und wir nur einen kleinen Teil der weggeworfenen Lebensmittel retten können. Aber wir hoffen, dass wir auf die enorme Verschwendung aufmerksam machen.

Mehr zum Thema: Fast keine Essensreste: Wie ein Unternehmen an Schulen schafft, woran andere scheitern

Immerhin ist Lebensmittelverschwendung für 3,3 Gigatonnen CO2 Emissionen verantwortlich und somit der drittgrößte Klimasünder nach den USA und China. Das muss man sich mal vorstellen. Und gleichzeitig ist Hunger eines der schlimmsten Probleme der Welt, aber eines das man am leichtesten lösen könnte.

Hier könnt ihr das Projekt unterstützen.

Aufgezeichnet von Katharina Pichler.

Lerne mehr über Nachhaltigkeit auf Electrify the World - a Nissan Mobility Initiative.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png