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06/12/2016 16:05 CET | Aktualisiert 07/12/2017 06:12 CET

An alle, die die "Tagesschau" als Lügenpresse beschimpfen

Die "Tagesschau" musste viel Dresche einstecken, weil sie nicht über den Mord an der Freiburger Studentin Maria L. berichtet hat. Lügenpresse schallte es im Netz.

Auch zahlreiche Medien ließen kein ein gutes Haar am deutschen Nachrichten-Flaggschiff.

Der Vorwurf der Journalisten: Weil die Tagesschau nicht über den Mord berichtete, bei dem ein Flüchtling aus Afghanistan tatverdächtig ist, spült sie Wasser auf die Mühlen der Lügenpresse-Hetzer.

Sorry, liebe Kollegen und User: Eure Kritik an der "Tagesschau" ist völlig überzogen.

Sicher, es gibt viele Gründe die Tagesschau zu verurteilen: Sie ist verstaubt, zu wenig aktuell, sie macht Nachrichten für ältere Menschen.

Die Programmmacher haben richtig gehandelt

Aber was übersehen wird: Im Fall von Maria L. haben die Programmmacher richtig gehandelt. Denn die Tagesschau hat sich Regeln gegeben - und nach diesen Regeln gehandelt. Im häufig willkürlichen Nachrichtengeschäft haben sie Haltung bewiesen.

Lasst es mich erklären: "Die 'Tagesschau' berichtet über gesellschaftlich, national und international relevante Ereignisse. Da zählt ein Mordfall nicht dazu." So argumentierte der Tagesschau-Chef im Fall Maria L.

Und er hat Recht. Denn was würde es bedeuten, wenn die Tagesschau über jeden Mord berichten würde?

Tagesschau würde zur Crime-Show verkommen

Im vergangenen Jahr zählte die Statistik 296 Morde in Deutschland. Hinzu kommen 2.457 Tötungsdelikte - also versuchte oder vollendete Straftaten. Das macht im Schnitt 6,7 Delikte am Tag. Ein Beitrag in der "Tagesschau" dauert in der Regel 90 Sekunden. Bei 15 Minuten Sendezeit würde die 20-Uhr-Sendung also fast nur aus Crime-Nachrichten bestehen.

Natürlich, das ist überspitzt. Aber die Rechnung zeigt, dass sich die Macher der Sendung bei ihren Vorgaben durchaus etwas gedacht haben.

Das heißt nicht, dass jeder Mord automatisch aus dem Programm fällt. Hat er eine besondere Relevanz, darf er bleiben. Nun kann man streiten, ob der Mord an Maria L. eine solche besondere Relevanz hat.

Das Gros der Internet-User sowie das der deutschen Medien sieht es so.

Warum ist ein Fall relevanter als ein anderer?

Aber wieso ist der Fall relevanter als eine Frau, die brutal hingerichtet an einen Baum gebunden wurde? Wieso ist der Fall relevanter als eine heimtückisch getötete Pferdewirtin, bei der die Täter drei Versuche brauchten, um ihr Verbrechen zu vollenden?

Der Unterschied besteht einzig und allein im mutmaßlichen Täter. Das Verbrechen, so grausam es ist, unterscheidet sich von so vielen anderen nur dadurch, dass es ein im letzten Jahr nach Deutschland gekommener Afghane verübt haben soll.

Die "Tagesschau" will das nur als besonders relevant einordnen, wenn es sich um ein Politikum handelt. Aber: Ist denn jetzt jedes schwere Verbrechen, das ein Flüchtling begeht, ein Politikum?

Es sei kurz an die im Mai in Dessau ermordete chinesische Studentin erinnert. Die beiden Angeklagten sind deutsch, das Opfer laut Staatsanwaltschaft ein Zufallsopfer. Ein rassistischer Hintergrund ist nicht zu erkennen.

Die Tagesschau hat diesen grausamen Mordfall nicht in die 20-Uhr-Sendung aufgenommen.

Wieso also andersherum?

Das Verhalten der Nachrichtensendung ist konsequent

Was zählt, ist nicht, welche Nationalität welche ermordet, sondern aus welchen Gründen. Werden nun Verbrechen im Zeichen von Ausländerhass begangen, werden sie politisch. Und damit auch relevant für die "Tagesschau".

Ein solches Motiv lässt sich im Freiburger Fall nicht erkennen. Das Verhalten der Nachrichtensendung ist daher journalistisch konsequent, nachvollziehbar und Presse-ethisch nicht zu beanstanden. Jedes andere Verhalten wäre es gewesen.

Zwar hätte die "Tagesschau" berichten müssen, wenn es eine Häufung von Fällen von Gewalt und Verbrechen durch Flüchtlinge geben würde - aber das war und ist nicht der Fall.