BLOG
03/09/2015 12:51 CEST | Aktualisiert 03/09/2016 07:12 CEST

Ein neues Behandlungsprogramm für Kinder mit ADHS

damircudic via Getty Images

Kinder mit ADHS durch das Behandlungsprogramm THOP von Döpfner fördern - wie geht das?

Döpfner (2007) entwickelten im Rahmen einer Kölner Adaptiven Multimodalen Therapiestudie (CAMT) bei Kindern mit hyperkinetischen Störungen ein multimodales Behandlungsprogramm, welches je nach individueller Problemkonstellation verhaltenstherapeutische Interventionen in Familie, Kindergarten oder Schule kombiniert.

Das THOP (Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten) kann zur Behandlung von Kindern von drei bis etwa zwölf Jahren eingesetzt werden. Zielgruppe sind Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten in den Bereichen Hyperkinetische Störungen/ADHS, oppositionelle Verhaltensstörungen und die Kombination aus hyperkinetischen und oppositionellen Verhaltensstörungen, welche nach dem ICD-10 bzw DSM-IV diagnostiziert werden.

Das Programm ist als Einzeltherapieprogramm entwickelt worden und beinhaltet zwei Teilprogramme:

Das Eltern-Kind-Programm: Im Fokus steht die Verminderung von hyperkinetischem und oppositionellem Störverhalten in der Familie. Eltern und Kind bekommen Anleitungen, um Problemsituationen zu bewältigen (kindzentrierte und familienzentrierte Intervention wird in 21 Behandlungsbausteinen kombiniert).

Die Intervention in der Schule (bzw. Kindergarten): Es wird die Verminderung von hyperkinetischem und oppositionellem Verhalten in der Schule (Kindergarten) erzielt (Wolff Metternich & Döpfner, 2010). Das THOP ist als Einzeltherapie konzipiert, dessen Bausteine sich in sechs Themenkomplexe zusammenfassen lassen

Bausteine des THOP:

1) Problemdefinition, Entwicklung eines Störungskonzeptes und Behandlungs­pla­nung

Definition der Verhaltensprobleme des Kindes

Erarbeitung der Elemente eines gemeinsamen Störungskonzeptes

Entwicklung eines gemeinsamen Störungskonzeptes-Behandlungsziele und Behandlungsplanung

2) Förderung positiver Eltern-Kind-Interaktionen und Eltern-Kind-Bezieh­un­gen

Fokussierung der Aufmerksamkeit auf positive Erlebnisse mit dem Kind

Aufbau positiver Spielinteraktionen

3) Pädagogisch-therapeutische Intervention zur Verminderung von impulsivem und oppositionellem Verhalten

Entwicklung effektiver Aufforderungen

Soziale Verstärkung bei Beachtung von Aufforderungen

Soziale Verstärkung bei nicht störendem Verhaltens-Aufbau wirkungsvoller Kontrolle

Natürliche negative Konsequenzen

4) Tokensysteme, Response-Cost und Auszeit

Aufbau von Token-Systemen

Anpassung von Token-Systemencolored-pencils-656158_640

Verstärker-Entzugs-Systeme (Wettkampf um lachende Gesichter)

Auszeit

5) Intervention bei spezifischen Verhaltensproblemen

Spieltraining

Selbstinstruktionstraining

Selbstmanagement

Bewältigung von Verhaltensproblemen bei den Hausaufgaben

Bewältigung von Verhaltensproblemen in der Öffentlichkeit

6) Stabilisierung der Effekte

Selbstständige Bewältigung von zukünftigen Verhaltensproblemen

(Quelle: Wolff, Metternich & Döpfner (2010), S. 339)

Laut Döpfner und Kollegen (2007) ist das Selbstinstruktionstraining dann indiziert, wenn ausgeprägte Aufmerksamkeitsstörungen und Impulsivität auch unter optimalen Arbeitsbedingungen in der Untersuchungssituation zu beobachten sind. An dieser Stelle verfügen die betroffenen Kinder nicht über Selbststeuerungsfähigkeiten, die daher gefördert werden müssen.

Maßnahmen für die Generalisierung

Dabei ist es wichtig, Maßnahmen für die Generalisierung aus der Trainingssituation in Schule und Familie einzuplanen (Döpfner et al., 2007). Das THOP ist für die ambulante Behandlung konzipiert, kann aber auch in (teil-)stationären Einrichtungen Anwendung finden. Grundbedingung für eine erfolgreiche Behandlung ist dabei immer die Behandlungsmotivation bei den Eltern.

Bei Kindern ab 13 Jahren rücken die Selbstmanagementverfahren mehr in den Mittelpunkt und die Kölner Arbeitsgruppe arbeitet intensiv an der Entwicklung eines Programmes, welches für diese Altersgruppe geeignet ist (Döpfner et al., 2007).

Das THOP wurde bereits in verschiedenen Studien evaluiert. Thomas Dreisörner (2006) untersuchte beispielsweise das THOP und verglich die Wirksamkeit mit der Effektivität des Therapieprogramms für aufmerksamkeitsgestörte Kinder von Lauth und Schlottke.

Gesteigerte Aufmerksamkeitsleistungen

Das Ergebnis zeigt, dass die mit dem THOP behandelten Kinder gesteigerte Aufmerksamkeitsleistungen zeigten und sich die Eltern-Kind-Interaktion verbesserte. Die besten Erfolge gab es bei Kindern, die gleichzeitig mit Methylphenidat behandelt wurden (Dreisörner, 2006).

In einem Artikel von Lauth und Schlottke (2007) wird die Studie von Dreisörner (2006) allerdings kritisiert. Der Versuch, die genannten Programme zu evaluieren, schlug ihren Ausführungen zufolge fehl, da das Untersuchungsdesign fehlerbehaftet war.

So wurde das Training nicht den Vorgaben des Programms entsprechend durchgeführt und es fand keine Zufallszuweisung zu den beiden Programmen statt. Darüber hinaus waren die Behandlungserfolge des THOP durch die Pharmakotherapie verfälscht. Somit entsprach die Studie von Dreisörner (2006) nicht den wissenschaftlichen Gütekriterien und ergab keine validen Ergebnisse (Lauth & Schlottke, 2007).

Therapieevaluation

In einer Therapieevaluation von Berk, Plück und Döpfner (2008) konnte ebenfalls über positive Ergebnisse hinsichtlich des Elterntrainings im THOP berichtet werden. Ziel der Studie war es, das Elterngruppentraining im Rahmen der klinischen Routineversorgung zu untersuchen.

In einem Prä-post-Test mit dem FBB-HKS (Fremdbeurteilungsbogen für hyperkinetische Störungen) wurden die Veränderungen der Symptomatik erhoben. Mittels eines Zufriedenheitsfragebogens wurde sowohl die Zufriedenheit der Eltern mit den Therapiebausteinen als auch die allgemeine Zufriedenheit erfasst.

Verminderte ADHS-Symptome

Ergebnis war, dass in einer reduzierten Stichprobe in beiden Bereichen eine hohe Zufriedenheit gemessen wurde. In einer weiteren Teilstichprobe konnten auch signifikant verminderte ADHS-Symptome im Urteil der Mütter festgestellt werden, wobei die Effektstärke auf mittlere Effekte hinweist (Berk, Plück und Döpfner, 2008). Leider gibt es auch in dieser Studie keine Kontrollgruppe, was zu fraglichen Ergebnissen hinsichtlich wissenschaftlicher Gütekriterien führt.

Eine Studie mit Kontrollgruppe wurde von Salbach et al. (2005, nach Döpfner, 2007) durchgeführt. Auch in dieser Studie mit 16 hyperkinetischen Kindern und ihren Eltern konnten signifikante Symptomverringerungen hinsichtlich der Hyperaktivität nachgewiesen werden (Döpfner et al., 2007).

Elternzufriedenheit

Hinsichtlich der Kurzzeiteffekte konnten in der Kölner Adaptiven Multimoda­len Therapiestudie bezüglich des THOP auch durchaus positive Ergebnisse im Bereich Elternzufriedenheit und Verminderung der ADHS-Symptomatik formuliert werden (Döpfner et al., 2007).

Als Ergänzung zum THOP wurde das Elternprogramm „Wackelpeter und Trotzkopf" von Döpfner, Schürmann und Frölich (2007) entwickelt, welches effektive Hilfe für die Eltern im Alltag darstellen soll. Ebenfalls auf Grundlage des THOP wurde das PEP (Präventionsprogramm für Expansives Problemverhalten) konzipiert, das als Gruppenangebot arbeitet (Döpfner, Schürmann und Frölich, 2007).

Lesenswert:

Sie messen es an der Netzhaut: Wissenschaftler können ADHS an den Augen ablesen

Eine Studie enthüllt : Überraschende Ursache für die Entstehung von ADHS bei Kindern

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite