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25/06/2015 06:03 CEST | Aktualisiert 25/06/2016 07:12 CEST

Selbstregulatives Training: So fördern Sie Ihre kognitiven Fähigkeiten

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Was sind selbstregulative Trainingskonzepte?

Im Allgemeinen sollten vor Beginn eines selbstregulativen Trainingskonzeptes bestimmte Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Wichtig ist beispielsweise, immer den Kontext des Trainings zu hinterfragen. Durch das Wissen über freiwillige oder vorgeschriebene Teilnahme ist es möglich, das Training an die Bedürfnisse der Teilnehmer zu adaptieren.

Bezüglich des Trainers sind seine fachlichen, methodischen und sozialen Kompetenzen von großer Bedeutung, denn der Trainer gilt als Modell, das sich dem Selbstregulationsansatz entsprechend verhält. Bevor ein Training durchgeführt wird, steht die Trainingsplanung im Vordergrund. Bei der Gliederung der Trainingsinhalte ist ein spiralcurriculares Vorgehen (mehrere Wiederholungen der Inhalte auf jeweils höherem Niveau) sehr sinnvoll.

Wichtig ist weiterhin, dass der Einsatz verschiedener Sozialformen innerhalb des Trainings stets wechselnd eingeplant wird. Das heißt der Einsatz von Einzelarbeit, Partnerarbeit oder Kleingruppen- bzw. Gruppenarbeit sollte variieren und der jeweiligen Lernsituation angepasst sein.

Eine Trainingseinheit wird in drei Abschnitte unterteilt:

1) Die Vorbereitungs- und Aufwärmphase soll den Teilnehmern das Ankommen erleichtern.

2) Die daran anschließende eigentliche Durchführungsphase beinhaltet die Vermittlung der Trainingsinhalte. Wichtig ist an dieser Stelle, dass der Trainer den Lernenden zur Weiterarbeit ermutigt, um so einen Transfer in andere Bereiche zu ermöglichen. Dabei sind motivationale und volitionale Techniken sinnvoll, wie zum Beispiel Übungen zur Vorsatzbildung, Handlungspläne für die Zeit nach dem Training, Verträge oder Reflexionstagebücher.

3) In der Abschlussphase des Trainings werden die wesentlichen Inhalte nochmals reflektiert und zusammengefasst.

Nach dem gesamten Training sollte eine Evaluation durch die Teilnehmer statt­finden (Perels, Landmann und Schmitz, 2007).

Man kann selbstregulative Trainings im Allgemeinen hinsichtlich diverser Komponenten klassifizieren. Beispielsweise gibt es Maßnahmen, die eine ganzheitliche Förderung anstreben oder Maßnahmen, die gezielt kognitive, motivationale oder metakognitive Aspekte fördern sollen.

Des Weiteren kann es sich bei einem Trainingsprogramm um eine direkte oder indirekte Maßnahme handeln. Während eine direkte Förderung beim Lernenden selbst ansetzt, besteht eine indirekte Förderung aus der (Um-)Gestaltung der Lernumgebung, um selbstreguliertes Lernen möglich zu machen.

Schließlich können selbstregulative Methoden nach dem Alter der Teilnehmenden klassifiziert werden. Selbstreguliertes Lernen sollte dabei möglichst früh vermittelt werden, um günstige Lernstrategien zu etablieren. Wichtig ist dabei zu beachten, dass ein sehr früher Einsatz, beispielsweise im Kindergarten, laut Döpfner und Kollegen (2007) aufgrund der noch mangelhaft entwickelten kognitiven Selbststeuerungsfähigkeit nicht möglich ist.

Trainingsmethoden, bei denen die Selbstregulation eingesetzt wird, richten sich in der Regel an Menschen verschiedener Altersstufen, wie zum Beispiel eingeteilt nach Jahrgangsstufen oder aber auch Studium und Beruf (Landmann et al., 2009).

Nachweislich positive Effekte

Die Integration von Selbstregulationsstrategien in ein fachspezifisches Training hat nachweislich positive Effekte. Man kann dabei die ausgewählten Regulationsstrategien den Phasen des Selbstregulationsansatzes von Schmitz und Wiese (2006) zuordnen.

Die präaktionale Phase des Lernprozesses beinhaltet somit die Strategien Zielsetzung (Zielformulierung), Motivation (Selbstmotivation) und Planung. Während volitionale Strategien, die Anwendung von Lernstrategien und Self-Monitoring in der aktionalen Phase präsent sind, spielen die Reflexion, der Umgang mit Fehlern/Misserfolgen und Vorsätze im Sinne der Feedbackschleife des Selbstregulationsansatzes für den nächsten Lernprozess in der postaktionalen Phase eine wichtige Rolle (Perels, Landmann und Schmitz, 2007).

Eine wichtige Methode innerhalb des Selbstregulationsansatzes sind sogenannte Lerntagebücher. In vielfältigen Trainingsstudien konnte die Wirksamkeit dieser Trainingskomponente nachgewiesen werden. Dabei wird der aktuelle Strategieeinsatz von den Teilnehmern über einen bestimmten Zeitraum mehrfach abgefragt (Landmann, et. Al, 2009; Perels, Landmann und Schmitz, 2007).

Wenn-Dann-Pläne

Eine weitere Methode als Selbstregulationsstrategie sind sogenannte Wenn-dann-Pläne. Diese Pläne führen dazu, dass Handlungen zur richtigen Zeit begonnen und beendet sowie von Ablenkungen abgeschirmt werden und folgendes Format haben: „ Wenn Situation X eintritt, dann führe ich die Handlung Y aus." Sie sind dabei eindeutig von einfachen Zielintentionen („Ich möchte Z erreichen") abzugrenzen.

Wenn-dann-Pläne ermöglichen das Erkennen der im Wenn-Teil spezifizierten Situation und eine automatisierte Handlungsinitiierung der im Dann-Teil festgelegten Handlung. Kern dieser Methode ist es, eine Automatisierung der Handlung zu erschaffen, ohne dass dabei zusätzliche kognitive Ressourcen beansprucht werden.

Geplante Handlungen können durch Wenn-dann-Pläne effizient umgesetzt werden. Empirisch lässt sich in 94 unabhängigen, experimentellen Labor- und Feldstudien zeigen, dass es ein mittlerer bis großer Effekt der Wenn-dann-Pläne von d = .65 im Vergleich zu einfachen Zielintentionen ermittelt werden kann (Gawrilow, Schmitt und Rauch, 2011).


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