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15/12/2015 13:09 CET | Aktualisiert 15/12/2016 06:12 CET

Werden wir alle Dank Google Now und Siri zu Sith Lords?

Albert L. Ortega via Getty Images

Hätte man Star Wars, Episode IV - Eine neue Hoffnung heute gedreht, hätte Darth Vader einen Knopf auf seinem „Wearable" - wahrscheinlich seinem Handschuh - in Knight Rider Style gedrückt und „OK Google, wo haben sich die Rebellen versteckt" gefragt.

Dank seiner im Helm integrierten Google Glasses, wäre dem Assistenten Google Now nach Abgleich der Profile auch sofort aufgefallen, dass Darth Vader und der noch anonyme X-Wing Pilot miteinander verwandt sind.

Nach Abgleich des Terminkalenders, der Flugdaten und der allgemeinen Verkehrssituation im Weltraum, hätte der Assistent Zeit und Ort für ein Meeting zwischen Luke Skywalker und dem Sith Lord vorgeschlagen und auf die besondere Wetterlage sowie individuelle Angebote in der Nähe hingewiesen: "Chai Latte zum halben Preis auf Coruscant".

Gottseidank, wurde Star Wars - eine neue Hoffnung in den 70ern gedreht, lange bevor es lernende, intuitive Such-Assistenten gab und zu einer Zeit als Steve Jobs gerade erst in den ersten sauren Apfel biss.

Und so blieb uns eine der gewaltigsten Plot-Twists der Filmgeschichte erhalten, der Moment als Darth Vader in „Das Imperium schlägt zurück" zu Luke Skywalker sagt „Luke, ich bin dein Vater."

Der Satz hat den gleichen durchschlagenden Effekt wie Gottes Erwiderung an Moses in der Bibel: "Ich bin, der ich bin"; mit dem unausgesprochenen und doch gleichsam mittönenden Zusatz: Und sonst keiner! Auch Darth Vader ist in diesem Moment einfach nur Luke's Vater, nicht der Jedi-turned-Sith-Lord, nicht Mensch oder Maschine. Unabhängig von jeder anderen Attribution ist er in diesem einen Moment nur Luke's Daddy ... und sonst niemand.

Hinter all dem schnaufenden, röchelnden Metall steckt also noch immer ein Geschöpf.

Betrachtet man Star Wars aus einem rein technologischen Aspekt, war die Entwicklung vom Menschen Aniken Skywalker hin zur „diabolischen Maschine" (Zitat Obi Wan) bereits beschlossene Sache, nicht etwa mit der Liebe zum Kaiserin Sissi-Surrogat Padmé Amidala oder dem Tod seiner Mutter Maria - ähm - Shmi, sondern mit dem Zurücklassen seines Assitenten: Während Anakin mit Qui-Gon Jinn nach Coruscant aufbricht, um zum Jedi ausgebildet zu werden, bleibt der Protokolldroide C-3PO auf Tatooine zurück.

Dessen Aufgabenbereich kommt laut Beschreibung erstaunlich nahe dem von Assistenten wie Siri & Co.

Der Kampf zwischen Jedi und Sith ist also in Wahrheit kein Kampf zwischen Gut und Böse, sondern ein Kampf um die Harmonie zwischen Mensch und Maschine, zwischen Schöpfung und Schöpfer. Was wird aus dem Menschen, wenn Maschinen ausgeschlossen werden? Eine Frage, die im Film ganz klar beantwortet wird: Ohne Maschinen überleben wir nicht, egal ob wir gut oder böse sind.

Als in Star Wars III - Die Rache der Sith, die angekokelten Überreste von Anakin Skywalker in das Darth Vader Metall gesteckt werden, wird klar: Der menschliche Verstand ist alles was überleben muss, den Rest können die Maschinen ersetzen: Arme, Beine, Lungenfunktion, usw. Darth Vader wurde nicht böse, weil er zur Maschine wurde, sondern weil er auf Maschinen verzichtet hat.

Die Maschinen retten sein Leben und seine eigene Schöpfung, C-3PO mit Hilfe von R2-D2 trägt später maßgeblich dazu bei.

Anakin war der Auserwählte einer uralten Jedi-Prophezeiung, der das Gleichgewicht der Macht wiederherstellen sollte. Und genau das tut er, in dem er menschlichen Geist und Maschine in einer ungekannten, angsteinflößenden Harmonie vereint und bei aller Veränderung doch immer nur „Luke's Daddy" bleiben wird.

Wenn Google und Apple ihre Assistenten mit lernenden, intuitiven künstlichen Intelligenzen ausstatten (siehe RankBrain), wenn das Internet der Dinge weiter in diesem Tempo in unser Leben Einzug hält, werden wir dann auch alle zu Sith-Lords?

Episode VII: Hier ist der epische Trailer zu Star Wars 7 - Das Erwachen der Macht

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