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17/08/2015 11:26 CEST | Aktualisiert 17/08/2016 07:12 CEST

Baumarkt als letzte männliche Bastion

ullstein bild via Getty Images

Schon mal im Baumarkt gewesen? Als Frau? Und ich meine jetzt nicht die Gartenabteilung, sondern wirklich im Bau-Markt, da wo die ganzen Bohrmaschinen, Schwingschleifer und Sägen hängen?

Ja genau da, in der letzten Männerdomäne, wo Frauen nach wie vor als schmückendes Beiwerk angesehen werden und Männer noch echte Kerle sein dürfen. Als Hobby-Restauratorin ist der Gang zum Baumarkt immer eine Überwindung.

Das fängt bei der Farb- und Lackberatung an, wenn die „Fachmänner" einem sagen wollen, dass die 50 Euro pro Liter teure, ökologisch-nachhaltige Kreidefarbe nicht deckt und man doch lieber einen billig Lack der Hausmarke nehmen soll, der nach spätestens einem Tag schon das Blättern anfängt.

Zielgruppe männlich, Mitte 40

Es geht weiter in der Handwerkerabteilung, wo man einfach mal grob in irgendeine Richtung zeigt „Des finde Sie in Regal xdfsdviersdjskdj" und sich dann wegdreht um mit der angeblich „richtigen" Zielgruppe (männlich, Mitte 40) über den neuesten Laubbläser-Schnickschnack zu fachsimpeln.

Im Baumarkt da bekommt man als Frau immer „diesen Blick", den „wo ist der Mann" gepaart mit „Weibchen was suchst du hier?".

Wer glaubt die deutsche Buch-Branche sei von gestern, angesichts des beharrlichen Festhaltens an der Buchpreisbindung, der muss mal einen Blick auf die Handwerkerbranche werfen und dem beharrlichen Festhalten von Hersteller und Händler an der männlichen Zielgruppe 40+.

Mag schon sein dass Männer Bohrmaschinen kaufen. Ich habe mir auch eine von meinem Freund schenken lassen, nach Recherche und Preisvergleich im Web. Für Frauen wurde meine sicherlich nicht gemacht, so hässlich wie die ist. Dabei gibt es immer mehr Entwürfe für Produktdesigns, die eine eher weibliche Zielgruppe adressieren.

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Dieser Entwurf eines Akkuschraubers in zartrosa spricht mich als Frau schon eher an ald die gängigen Schwarz-grün gehaltenen, die es aktuell zu kaufen gibt.

Der Mann im besten Alter

Leider adressieren große Baumärkte und Hersteller mit ihren Marketingmaßnahmen meist nur eine Zielgruppe: Den Mann im besten Alter. Dabei waren laut Statista im Jahr 2014 rund 45,3 Prozent der Personen, die in den letzten 6 Monaten bei OBI eingekauft hatten weiblich.

In der Bevölkerung waren es rund 50,9 Prozent. Diese Frauen haben mit Sicherheit nicht nur Lavendel und Rosen im Gartencenter gekauft. Ein gutes Beispiel für die Geschlechterverteilung sind auch die diversen Werbefilme großer Baumärkte im TV, die zwar lustig verpackt sind, aber doch vor Klischees nur so triefen.

Weg vom Zielgruppen-Wunschbild

Wenn man aber den Blick weg vom Zielgruppen-Wunschbild der Branche hin in die heimischen vier Wände richtet, sieht man wer der eigentliche Heimwerkerkönig ist: Die Frau 30+. Dekorieren und Gestalten hören nicht mit dem Mausklick im Shopping-Portal für Gardinenstoffe auf.

Frauen haben den Heimwerkermarkt quasi subversiv von hinten aufgerollt und die angebliche letzte Bastion des Mannes umzingelt. Es ist nur eine Frage der Zeit bis es rosafarbene Bohrmaschinen mit weißen Bordüren im Shabby Chic Stil geben wird.

Frauen auf dem Vormarsch

Frauen sind seit Jahren auf dem Vormarsch und erobern den DIY Markt offline wie online. Schon mal einen Blick auf die ganzen Print Magazine geworfen? Heim und Garten, Landhaus, Lisa Wohnen etc.

Da geht es nicht nur um Einrichtung kaufen sondern auch Ideen zum Nachbauen. Blogs wie der von Leonie zeigen wie man Kratzbäume und Fotowände selber macht und Kleinmöbel im angesagten Shabby Chic Stil gestaltet. Und was lasieren, lackieren und beizen angeht kann mir im Freundeskreis auch keiner mehr das Wasser reichen.

Frauen als Zielgruppe

Irgendwann werden Frauen als Zielgruppe auch in den Fokus der Hersteller und Händler rücken. Und Produktdesigns wie der von oben werden mehr Beachtung finden. Nichts ist endgültig, schon gar nicht im Design.

Das kann man übrigens auch in der aktuellen Ausstellung „Dauernde, nicht endgültige Form" des Red Dot Design Museums und des Ruhr Museums sehen.


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