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23/10/2015 08:09 CEST | Aktualisiert 23/10/2016 07:12 CEST

An die Eltern des Mädchens, mit dem mein Sohn zusammen ist

Gettystock

Diese Woche war eine Geschichte in den Nachrichten über einen Vater, der es gut meinte. Er machte von sich und dem Abschlussball-Date seiner Tochter Fotos, auf denen er seine Arme um den Jungen legte und so mit ihm die Pose nachmachte, die der Junge zuvor mit seiner Tochter eingenommen hatte.

Später wurde ein Kommentar zugefügt und die Bilder in sozialen Netzwerken verbreitet. "Was immer du mit meiner Tochter machst, mache ich mit dir." Der Original-Artikel erschien auf Fox News affiliate in Orlando und wurde "super witzig" synchronisiert.

So. Die ganze Geschichte ist, dass beide Familien dabei waren, als die Fotos geschossen wurden. Das ganze war als Scherz gemeint, den alle Beteiligten in Ordnung fanden. Es sei gesagt: Ich möchte mir kein Urteil über diese Geschichte erlauben, sondern sie nur als ein Beispiel anführen. Als Beispiel über die veralteten Normen, an denen wir noch immer festhalten, ohne sie zu hinterfragen.

Die Rolle des überfürsorglichen Vaters ist mit Sicherheit nicht neu, aber sie ist ein überholtes Konzept, das endlich verschwinden sollte.

Abgesehen von der Annahme, dass meine Tochter (ja, ich habe auch Töchter) nicht fähig ist, kluge Entscheidungen zu treffen und auf sich selbst und ihre Werte aufzupassen, impliziert dieses lächerliche Konzept auch, dass meine Söhne ebenfalls nicht fähig sind, kluge Entscheidungen zu treffen und Werte zu haben.

"Aber ich kenne/war selbst ein Teenager Junge," sagt ihr jetzt. "Ich weiß, wie die ticken."

Das ist totaler Unfug. Es ist nämlich so: Gedanken sind nicht dasselbe wie Taten. Einfach davon auszugehen, dass junge Männer von übermächtigen Trieben gelenkt werden, die ihr Urteilsvermögen vernebeln und sie dazu zwingen, falsche Entscheidungen im Bezug auf junge Mädchen zu treffen, ist nichts weiter als eine Entschuldigung für schlechtes Benehmen.

"So sind Jungs eben" muss endlich aufhören!

Mein ältester Sohn ist 16 Jahre alt und es ist nicht nötig, sein Leben zu bedrohen, wenn er ein Mädchen zum Essen ausführt. Mein Sohn ist 16 und trotzdem klug genug, seiner Großmutter, Mutter, seinen Schwestern und (großartigerweise) seiner Freundin gegenüber respektvoll zu sein.

Ich als seine Mutter nehme es als persönliche Beleidigung, dass er als Hormon-trunkene, schmuddelige Ständer-Maschine (oh, er wird mich hassen, dass ich diesen Ausdruck in einem öffentlichen Forum schreibe) gesehen wird, die vollkommen resistent gegen gesunden Menschenverstand und Moral ist.

Ich habe meinen Sohn zu einem respektvollen und verantwortungsvollen jungen Mann erzogen und diese Eigenschaften demonstriert er auch in Situationen außerhalb seines Elternhauses.

Es ist nicht "witzig", meinem Sohn zu drohen. Es ist nicht "niedlich", eurer Tochter zu drohen, als hätte sie überhaupt keinen Menschenverstand.

Wenn ihr eure Töchter beschützen möchtet, erzieht sie so, dass sie sich selbst beschützen können. Gebt ihnen die Werkzeuge an die Hand, um eine gefährliche Situation selbst zu erkennen.

Bringt ihnen bei, sich klar auszudrücken und wie sie sich aus einer Situation befreien, die ihnen unangenehm ist. Helft ihnen, ihre Entscheidungen selbstbewusst zu treffen und zeigt ihnen, wie sie richtige Entscheidungen über die Menschen, mit denen sie Zeit verbringen, treffen können.

Nehmt euch die Zeit und nehmt an ihrem Leben teil. Beschützt euren Sohn auf dieselbe Weise. Und um Himmels Willen, wenn ihr einen Grund habt, ihnen und ihrem Urteilsvermögen zu misstrauen, dann sorgt dafür, dass ihr wisst, was sie treiben.

Vor allem aber, merkt endlich, dass Teenager-Sexualität keine "Jungssache" ist. Teenager-Sexualität ist eine Teenager-Sache.

Junge Männer und Frauen sind neugierig, interessiert und wollen mehr über Sex erfahren. Eure Töchter sind genauso neugierig wie mein Sohn. Das kann ich euch versprechen. Trotzdem seht ihr mich nicht eine Shotgun polieren, wenn ein Mädchen vorbeikommt, um Hausaufgaben zu machen.

Ich poste auch keine Bilder auf Facebook und drohe körperliche Konsequenzen an, falls ein Mädchen mit meinem Sohn auf Tuchfühlung geht.

Die Idee, junge Frauen zu bedrohen, damit sie ihre Finger von jungen Männern lassen, ist grotesk. Dreht man die Rollen um, ist es aber plötzlich ganz normal und wird sogar unterstützt. Warum?

Wenn wir eine Generation liebe- und respektvoller Männer großziehen wollen, müssen wir aufhören, ihnen einzureden, dass sie von Haus aus böse sind ( aber es ist ja nicht ihre Schuld, sondern die der bösen Hormone).

Wenn wir eine Kultur mit starken und kompetenten Frauen, die auf sich selbst aufpassen können, schaffen wollen, müssen wir zuerst aufhören, ihnen einzureden, dass sie Hilfe brauchen.

Warum versuchen wir als Eltern nicht gemeinsam, stattdessen verantwortungsbewusste und fähige Kinder großzuziehen? Warum führen wir unsere Kinder nicht auf einen Weg, bessere Entscheidungen zu treffen, damit sie lernen, wie sie es wieder gut machen können, wenn (nicht falls) sie Mist bauen?

Warum erinnern wir uns nicht daran, dass das alles Teil eines Prozesses ist und konzentrieren uns auf die Beispiele, die wir ihnen geben und was sie zu Hause vorgelebt bekommen? Dann könnten wir vielleicht alle kollektiv tief durchatmen und mehr Vertrauen in die Kinder haben, die wir selbst erziehen.

Kasey Ferris ist freie Autorin und Mutter von fünf Kindern. Sie isst zu viele Oreos und glaubt, dass das Leben viel besser ist, wenn man lacht. Findet sie auf Facebook.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.

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