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02/06/2015 05:50 CEST | Aktualisiert 02/06/2016 07:12 CEST

Von einer grünen Zukunft profitieren wir alle

Thinkstock

Hin und wieder macht sich ohne viel Aufhebens ein wirtschaftlicher Trend bemerkbar, der das Potenzial hat, Überzeugungen grundlegend zu ändern. Im Synthesebericht Die Umwelt in Europa: Zustand und Ausblick 2015 (European Environment State and Outlook 2015 - SOER) wurde solch ein Trend erkannt.

Laut dem Bericht sind Europas grüne Wirtschaftszweige zwischen 2000 und 2010 um 50 Prozent gewachsen. Dies mag lobenswert sein, ist aber nichts Neues. Erst im Zusammenhang offenbart sich die Bedeutung dieses Trends. Man sollte bedenken: dieses Wachstum wurde während der turbulentesten Auf- und Abschwungphase der letzten hundert Jahre verzeichnet. Und während der Abschwung praktisch jeden anderen Wirtschaftssektor traf, haben die grünen Wirtschaftszweige

  • weiterhin floriert.
  • Unternehmen, die sich als weltweit führend gezeigt haben und auf Umweltfragen reagieren, konnten im Sturm der Rezession bestehen.

    Diese Unternehmen sollten uns ein Vorbild sein. Europa ist ein Kontinent voller Fähigkeiten, aber mit wenig Ressourcen. Dabei hat sich die Sorge, in den Strudel der Rezession zu geraten, regelrecht als Innovationsquelle erwiesen. Und wir als Gesellschaft sollten lernen, dass man auch „mit wenig viel bewirken kann".

    Die Industrie vergrünen

    Von einem gesunden Kreislauf sind wir allerdings noch weit entfernt. Häufig werden Ressourcen, die durch clevere Techniken eingespart werden, stattdessen an anderer Stelle verwendet. Dieses Phänomen wird als „Rebound-Effekt" bezeichnet. Oft haben Versuche, die Industrie zu "grünen", unbeabsichtigte Folgen.

    Dieses Problem ist bekannt. Im Transportsektor hat sich die höhere Kraftstoffeffizienz leider kaum auf den gesamten Kraftstoffverbrauch ausgewirkt, da die Europäer letztlich mehr Auto gefahren sind.

    Statt nur hier und da Verbesserungen vorzunehmen, müssen wir diese Probleme

  • ganzheitlich
  • angehen und umfassende Lösungen anstreben. Ansatzpunkte hierfür gibt es zuhauf.

    Insbesondere müssen wir uns überlegen, wie wir unsere Ressourcen nachhaltig nutzen können, statt sie nach einmaligem Gebrauch zu entsorgen. Wir brauchen einen effizienten Kreislauf, in dem Abfälle weitestgehend reduziert werden. Haben Produkte das Ende ihres ersten „Lebens" erreicht, sollten sie sofort in einen Kreislauf eingebunden werden.

    Aus diesem Kreislauf entstehen dann Materialien, mit denen das zweite „Leben" des Produkts beginnt. Erst wenn aus diesen Materialien neue Produkte hervorgehen, können wir tatsächlich von einem Produktlebens

  • zyklus
  • sprechen. So sollte eine Kreislaufwirtschaft aussehen.

    Grüne Wirtschaft lohnt sich

    An wirtschaftlichen Argumenten mangelt es nicht. Industriestudien zufolge kann durch ökonomisch und ökologisch nachhaltige Methoden ein Großteil der Materialkosten eingespart werden. Insgesamt ließe sich damit ein Wachstum von 3 % des EU-BIP erreichen. Die Frage ist nicht, ob wir Maßnahmen ergreifen sollten, sondern wie wir diese Maßnahmen ausweiten und es schaffen, dass die gesamte Wirtschaft sich an den wenigen guten Beispielen orientiert.

    Der Erfolg von Europas grüner Industrie sollte ein Vorbild für alle anderen Wirtschaftszweige sein. Noch vor Jahresende wird die Kommission ein neues, ambitioniertes Paket für eine Kreislaufwirtschaft vorlegen, das den gesamten Zyklus umfassen soll. Dieses Paket wird sich mit Recyclingzielen, einer cleveren Rohstoffnutzung, intelligentem Produktdesign, Wiederverwendung und Reparatur von Produkten sowie Recycling befassen. Alle diese Komponenten können zu einem echten Produktlebenszyklus beitragen.

    Ich möchte den Verfassern des SOER danken, veröffentlicht von der Europäischen Umweltagentur (European Environment Agency - EEA). Der Bericht ist eine großartige Informationsquelle. Neben den überzeugenden Argumenten für eine Kreislaufwirtschaft liefert er Fakten, welche die EU-Politik der kommenden fünf Jahre prägen werden.

    Erfreuliche Entwicklungen

    Dazu gehört auch der Nachweis darüber, dass die EU-Naturschutzgebiete (das Netzwerk Natura 2000) der EU Gewinne in Höhe von 200 Mrd. EUR pro Jahr einbringen. Es gibt noch mehr erfreuliche Neuigkeiten, denn die EU-Politik hat sehr gute Ergebnisse gezeigt: Wasser und Luft sind sauberer, die Europäer recyceln mehr als noch vor fünf Jahren und es landet weniger Abfall auf der Deponie. Es gibt jedoch auch negative Anzeichen, die wir ernst nehmen müssen, wenn wir eine Verschlechterung der Umwelt vermeiden wollen.

    Der Bericht zeigt, dass die Europäische Union und insbesondere die Kommission eine wichtige Rolle bei der Suche nach Lösungen für umweltbezogene Probleme spielen. Wir möchten auch weiterhin erfreuliche Neuigkeiten verbreiten können. Wir müssen legislative Maßnahmen mit marktbasierten Instrumenten, Forschung und Innovation kombinieren.

    Wir müssen Anreize schaffen, Möglichkeiten zum Informationsaustausch nutzen und jede Bereitschaft zur Veränderung unterstützen, um diesen Wandel zu fördern. Mit dem politischen Willen, der rechtlichen Sicherheit und der öffentlichen Unterstützung wird es auch Investitionen geben.

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