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23/02/2016 05:56 CET | Aktualisiert 23/02/2017 06:12 CET

Erste Hilfe für besorgte Bürger

Pacific Press via Getty Images

Viele besorgte Bürger fragen sich: Was kann ich tun, damit ich nicht als Nazi beschimpft werde? Und: Was kann ich tun, damit meine total berechtigte Sorge über die Zukunft meines achso schönen Heimatlandes vielleicht auf Gehör trifft und ich nicht aus dieser meiner Heimatgesellschaft ausgestoßen werde, die ich irgendwie verachte, aber auch toll finde, also so halb und halb?

Und vielleicht fragen sich sogar so manch besorgte Bürger: Wie kann ich denn einen besorgten Bürger, der ja wirklich nur besorgt ist - und maximal verwirrt wahrscheinlich -, von jemandem unterscheiden, dessen Kopf mit völkisch-rassistischer Folklore zugeschissen wurde - von sich selbst und von anderen wohlgemerkt, denn das Vollscheißen von anderen, also denjenigen, die im Gegensatz zum linksversifften Mainstream sich trauen, die Wahrheit auszusprechen, geht nahtlos ins Selbstvollgescheiße über, dann zu Hause im Bett, wenn man den ganzen Dünpfiff zu verdauen sucht, immer und immer wieder, bis man plötzlich als Frauke Petry aufwacht und sich selbst für die Rettung Deutschlands hält?

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AfD-Konferenz, ...igida-Haufen-Zusammenrottung oder am Stammtisch

Da der letzte Satz doch relativ lang war, hoffe ich, dass der besorgte Bürger diesen Text noch nicht weggeklickt hat, denn ja, falls der besorgte Bürger ein tatsächlich besorgter Bürger ist und kein rechtes (+rassistisches) Arschloch, dann kann er in den nächsten Zeilen - endlich erste - Hilfe finden, um sich auf der nächsten AfD-Konferenz oder ...igida-Haufen-Zusammenrottung oder ganz einfach am Stammtisch vom - das wird man doch sagen dürfen - rechten Gesocks abgrenzen zu können.

Und das ist gar nicht so schwierig, man mag es kaum glauben. Es genügt eine einfache Frage, um diesen schlimmen Wust an Rassismen und Nationalismen und völkischer Volksgeilheit auf solchen Veranstaltungen für sich selbst einigermaßen entwirren zu können und ein Grenzchen zu finden, zur simplen und gerechtfertigten bürgerlichen Besorgnis.

Das Bratwurst-, Sauerkraut- und Freibierfressen

Und zwar: Ist Ali, der in der Türkei geboren wurde und nun deutscher Staatsbürger ist, ein gleichwertiger Deutscher, eben wie Uwe, Industriemechaniker aus Döbeln mit dem kurzen Haarschnitt? Kann also jemand, der nicht in Deutschland - beispielsweise im Moloch des Erzgebirges - geboren wurde, ein gleichwertiger, gleichberechtigter Deutscher sein? Oder ist er minderwertig, da ja etwas dunkler im Gesicht und sowieso kulturell total missgebildet, weil man ja weiß, dass die Bratwurst-, Sauerkraut- und Freibierfressen dieser Nation, die Hochkultur des Abendlandes verkörpern?

Wenn der Antwortende behauptet, Ali sei eben kein gleichwertiger Deutscher oder er zu einem längeren Monolog über die Diversität von Rassen und ihre notwendige Abgrenzung und vermeintliche Bewahrung ausholt oder er diese Frage geschickt umgeht, indem er sagt, dass er sich über jeden Ali freue, der das deutsche Volk unterstützt (wie es Björn Höcke tut), dann hat man es höchstwahrscheinlich mit einem waschechten Rassisten zu tun, der sein Volk reinhalten möchte, von fremdem Blut, das natürlich minderwertig ist, weil [...beliebige idiotische Erklärung einsetzen]. Die Grenze zum verabscheuungswürdigen Rassistengesocks wird also im Blut gezogen, in der Angst, vor fremdem Blut in reinen deutschen Venen und fremdem Sperma in reinen deutschen Vaginas.

Genpool sauber halten

Denn, was der Rassist möchte: Seinen Genpool sauber halten. Der jedoch, wenn man mal genau hinsieht, schon reichlich verschmutzt sein muss, denn man wird ja wohl auch noch sagen dürfen: Viele dieser Leute, die in sozialen Medien oder in Fernsehberichten ihr rassistisches Gelalle absondern, sehen - ganz einfach gesagt - unheimlich degeneriert aus, so gar nicht wie die Gewinner der von Rechten hochgelobten, vielbeschworenen natürlichen Auslese.

Da ist weder ein sonderlich attraktiver, noch sonderlich ansehnlicher, noch sonderlich sprachbegabter, noch sonderlich differenziert denkender, noch sonderlich überlegener Mensch zu sehen. Wenn man so will, zeigen sich gerade dort die Schwächen, die einen gesund zu haltenden „Volkskörper" auf Dauer belasten. Nur gut, dass diese Schwächen in unserer Gesellschaft einigermaßen kompensiert werden können.

Nun hoffe ich, dass der besorgte Bürger sich durch diese langen Sätze kämpfen konnte und er künftig in der Lage ist - so er denn will -, sich besser von seinen verabscheuungswürdigen Kameraden abzugrenzen. Es wäre auf jeden Fall zu wünschen. Und dann hört vielleicht auch dieses blöde Geheule auf, wenn jemand als Rassist/Nazi bezeichnet wird, der nun mal rassistischen Dünpfiff aus seiner Futterluke quellen lässt.

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