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09/12/2016 06:37 CET | Aktualisiert 10/12/2017 06:12 CET

Scheinheilige Debatte: Ein Hamburger Kapitän hat die ganze Welt bereist - und fällt ein niederschmetterndes Urteil über Deutschland

ankerherz

Ich lese in der Zeitung, dass es für uns an der Zeit sein soll, die „Politische Korrektheit" hinter uns zu lassen. Politiker aller Parteien fordern dies, auch Sigmar Gabriel von der SPD, der gar meint, dass wir „daran ersticken".

Manche Publizisten haben ein „Diktat" dieser „Political Correctness" ausgemacht. These: Weil man nicht alles sagen darf, werden manche Themen von Rechtspopulisten aufgegriffen und genutzt. Der Sieg Donald Trumps, zum Beispiel, habe damit zu tun, dass er sich über das „Politisch Korrekte" des „Establishments" hinweg gesetzt habe.

Mir geht es anders, ganz anders. Ich frage mich: Was bedeutet denn eigentlich „Politisch korrekt?" Es ist eine große Blase, eine Phrase, die niemand so Recht erklären oder mit einem Beispiel hinterlegen kann. Was darf denn heute nicht gesagt werden?

Die ganze Debatte ist Blödsinn

Im Gegenteil: Es werden längst wieder Dinge gesagt, über die man besser schwiege. Die AfD hat den kalkulierten Tabu-Bruch - von Petrys „Schießbefehl" bis Gaulands „Nachbarn Boateng "seit Monaten als Marketing-Masche genutzt.

Nicht nur, dass die ganze Debatte über „politische Korrektheit" Blödsinn ist - sie geht in eine ganz falsche Richtung. Richtiger wäre, ein Ende des fiesen, dummen, ekelerregenden Geschwätzes über Flüchtlinge zu fordern.

Mehr zum Thema: Manchmal ist es einfach OK, politisch unkorrekt zu sein

Wenn Henryk M. Broder mit Hinweis auf (angebliche) Hauterkrankungen in Asylunterkünften schreibt: „Sie haben uns die Krätze geschenkt", dann ärgert mich dies. Wurde er unterdrückt? Darf er das nicht sagen?

Politische Korrektheit? Der Ton wird rauer

Wichtig wäre eine andere Debatte: Ein Ende der Hetze gegen Muslime und Ausländer. Was eine Partei wie die AfD als Gift in unsere Gesellschaft einträufelt, entfaltet längst seine Wirkung. Der Ton wird rauer, auf den Straßen, in den Sozialen Netzwerken.

Das Absurde: Wir diskutieren nicht, wie abstoßend das ist - sondern, ob wir uns selbst zensieren.

Auf meinen Reisen als Seemann bin ich auf der ganzen Welt herumgekommen. Mehrere Jahre lang leitete ich eine Seemannsschule in der Südsee, auf Tuvalu. Der Umgang untereinander, das Miteinander, die kleinen Dinge im Alltag lief fast überall freundlicher als bei uns in Deutschland. Ein kleines Lächeln, eine Geste, ein freundliches Wort - oft vermisse ich das.

Mehr zum Thema: Carlo Strenger: "Mit der politischen Korrektheit hat der Westen ein phänomenales Eigentor geschossen"

Von wegen „politische Korrektheit" - es sollte Normalität sein, sich menschlich anständig zu verhalten. Donald Trump ist gewählt worden, obwohl er Witze über Behinderte riss, sich auf die vulgärste denkbare Weise gegenüber Frauen äußerte und Minderheiten verunglimpfte.

Ich fände es furchtbar, wenn jemand, der ähnlich agitiert - wie zum Beispiel AfD-Höcke, diese Karrikatur eines Lehrers - bei uns ein führendes politisches Amt übernähme.

Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.

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Dieser Beitrag erschien zuerst auf Ankerherz.

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