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23/01/2017 13:03 CET | Aktualisiert 24/01/2018 06:12 CET

Langsam muss jeder AfD-Sympathisant verstehen, wem er da seine Stimme gibt

dpa

Ich möchte mich mit diesem Beitrag an Alle wenden, die mit der AfD sympathisieren. Weil Ihnen die Flüchtlingspolitik der Regierung Merkel missfällt. Weil Sie denken, dass Sie „denen da oben" mal richtig eins auswischen müssen. Weil Sie sich für „konservativ" halten.

Björn Höcke von der AfD hat in Dresden eine Rede gehalten, die eine Zäsur ist. Im Jahr 2017 hat ein führender Politiker einer Partei, die sich anschickt, in den Bundestag einzuziehen, Dinge gesagt, die deutlich den Geist von 1933 ausdrücken.

Er ist dafür gefeiert worden in einem Saal, in dem die „Patrioten" und „Volksgenossen" gegen die „Volksverräter" schreien. Wer dieses Video sieht, spürt den Geist der Reichskristallnacht.

Mir ist es kalt den Rücken heruntergelaufen.

Bitte: Sehen Sie sich diese Rede an. Sie können nicht mehr sagen, dass Sie nicht wussten, wofür die AfD steht - in Teilen oder im Ganzen. Eine rechtsextreme, eine radikale Partei, die in Teilen (es wird herauszufinden sein) unsere Demokratie ablehnt.

Hetzer Höcke: Die Sprache von Göbbels

Höcke sagt, dass wir als „einziges Volk ein Denkmal der Schande in unsere Hauptstadt gebaut" haben. Er bezeichnet die Entnazifierung und Demokratisierung als „Rodung der deutschen Wurzeln".

Ziel der Bombardierung Deutschlands sei es gewesen, „unsere kollektive Identität zu rauben", was nichts anderes bedeutet, als dass die „deutsche Identität" für ihn gleichbedeutend mit dem Nationalsozialismus ist.

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Der Geschichtslehrer Höcke erwähnt den Holocaust nicht, mit keiner Silbe. Er steht auf Seiten derer, die aus der Shoa nichts gelernt haben. „Wir werden uns unser Deutschland Stück für Stück zurückholen", ruft Höcke in den Saal.

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Er äußert sich verächtlich über Bundespräsidenten und Vertreter anderer Parteien, aber auch über die eigenen Reihen, denen er vorwirft, „halbe zu sein", also nicht radikal genug. Er spricht vom „vollständigen Sieg", der erst erreicht sei, wenn die AfD 51 Prozent erreicht habe.

Er spricht wie jemand, der Joseph Goebbels zum Vorbild hat, in seiner Rhetorik, den Bildern, die er entwirft, vom „gutmütigen Volk", das „systematisch umerzogen wurde". Inzwischen hat er erklärt, es handele sich um ein großes Missverständnis.

Hetzer Höcke: Es gibt keine Tabus mehr

Nein, es ist keines. Nun muss der Letzte verstanden haben, um was es geht.

Was ist nun zu tun? Ich fordere die AfD-Spitze auf, Höcke sofort aus der Partei auszuschließen. Geschieht dies nicht, muss der komplette AfD-Parteivorstand zurücktreten.

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Ich fordere, dass der Verfassungsschutz ab sofort Höcke und den rechten Flügel der AfD beobachtet. Ich wünsche mir, dass sich Juristen einiger Aussagen Höckes annehmen.

Und ich hoffe, dass sich Allen, die mit der AfD sympathisieren, nun die Augen öffnen.

Der Beitrag erschien zuerst bei "Ankerherz". KAPITÄN STEFAN SCHMIDT, Jahrgang 1942, fuhr viele Jahre zur See und war Leiter der Seefahrtsschule auf Tuvalu. 2004 rettete er Flüchtlinge aus dem Mittelmeer, wurde deshalb angeklagt und ging dafür fast in den Knast.

Seit fünf Jahren ist er Zuwanderungsbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein. Er lebt in Lübeck. Im Ankerherz Blog und auf seiner Facebook-Seite berichtet er von seinem Leben und seiner Arbeit.

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