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24/01/2017 06:39 CET | Aktualisiert 25/01/2018 06:12 CET

Trump wäre selbst als Hausmeister im Weißen Haus eine Zumutung

Kevin Lamarque / Reuters

Donald Trump, der neue Präsident der USA, hat in den vergangenen Monaten einiges gesagt, dass mich fassungslos macht. Nachdem Anschlag auf einen Schwulen-Klub im Juni 2016 in Orlando, missbrauchte der damalige Präsidentschaftskandidat die Opfer des Anschlags schon für seine Zwecke.

Er twitterte Anschuldigungen gegen Muslime, die sich wenig später als falsch herausstellten. Kurz darauf sagte er diesen Satz: „Belgien ist eine wundervolle Stadt." Dummheit? Kalkül.

Vielleicht erklärt ihm bei Gelegenheit jemand, dass Heidi Klum nicht die Kanzlerin von Deutschland ist und Hamburg kein belegtes Brötchen. Trump wäre selbst als Hausmeister im Weißen Haus eine Zumutung.

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Seine Methode: Hass verbreiten, hinterher relativieren und auf diese Weise immer im Mittelpunkt stehen, weil sich seine Gegner (zurecht) furchtbar aufregen und ihn seine Anhänger verteidigen. Das Ergebnis: Schwachsinn. Doch die Stimmung ist aufgeheizt.

Nach einer ähnlichen Methode verfahren die modernen Demagogen überall, bei uns zuletzt in der Debatte um den „Nachbarn Boateng". Alles nicht so gesagt, alles nicht so gemeint. Lügenpresse! Das Gift aber träufelt in unsere Gesellschaft ein und es wirkt.

Dinge, die vor kurzem noch unsagbar waren, weil sie schäbig sind und grundfalsch, werden nun ganz selbstverständlich ausgesprochen. Ein Nährboden entsteht: Für Ausgrenzung, für Vorurteile, auch für Gewalt.

Nährboden für Vorurteile und Gewalt

Ich meine nicht ein Übermaß an „politischer Korrektheit", wahrhaftig nicht. Als Raucher musste ich mir einiges anhören, wegen meiner Puff-Geschichten, als ich auf den Färöer-Inseln zu Besuch war („Wal-Mörder!") oder weil ich das schlimme Verbrechen beging, versehentlich bei McDonald´s einen Kaffee zu trinken.

Die Debatten, besonders jene in den „Sozialen Medien", werden immer schriller. Vielen fehlt die Kinderstube, manchen der Anstand - einige sind einfach nur dumm. Früher hätten sie die Schnauze gehalten, weil ihnen niemand zuhörte.

Heute posten sie auf Facebook, und weil es immer mehr solcher „Experten" werden, entgleiten Debatten und es schaukelt sich ein gewalttätiges Klima auf. Jeder, der differenziert, ist ein „Klugscheißer".

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Demokratie lebt von Dialog - doch den gibt es immer weniger. Früher war ein charakterschwacher Depp ein Außenseiter. Heute, im Facebook-Zeitalter, kandidiert so einer für das wichtigste Amt der Welt.

Als ich meine Meinung zu Trump auf meiner Facebook-Seite postete, beschimpfte jemand pauschal alle „Ammis". Er schrieb es wirklich mit zwei „M" und baute in zwanzig Worte neun Rechtschreibfehler ein.

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Ich wies auf die orthographischen Defizite hin, worauf er blaffte, dies sei seine „künstlerische Freiheit" und ich sei ein „alter Scheiß Spießer." Ich habe ihn kommentarlos blockiert und seinen Blödsinn gelöscht. Wenn es nur immer so einfach wäre.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei "Ankerherz". Jürgen Schwandt, Jahrgang 1936, wuchs in Sankt Georg auf. Er fuhr Jahrzehntelang zur See und lebt heute in Hamburg. Gerade erschien seine Biographie „Sturmwarnung", hier bestellen.

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