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08/09/2015 14:22 CEST | Aktualisiert 08/09/2016 07:12 CEST

Urlaubsende? Mit der buddhistischen Formel zu längeren Ferien

thinkstock

Urlaub soll heutzutage für jedermann erschwinglich sein, selbst wenn der Sozialhilfezuschuss kaum ausreicht, um die Ausgaben für das neue Schuljahr zu decken, so eine wohlgenährte Wahnvorstellung des westlichen Denkens. Bevor wir jedoch das Kind mit dem Bade ausschütten, gewährt mir einen Moment des Innehaltens, zumindest bis zum Ende des Textes, und lasst mich euch, mit eurem Einverständnis, für die kurze Zeit des Lesens der Diktatur des Geldes entreißen.

Sea, sex and sun.... und Freiheit!

Denn Urlaub findet vor allem im Kopf statt... Für die meisten von uns öffnet sich die Tür zur Freiheit jedoch genau dann, wenn sich die zum Büro schließt. Der Vorabend des lang erwarteten Urlaubs ist ein magischer Moment! Man würde am liebsten seinen Aktenkoffer in die Luft wirbeln, Laternenpfähle umarmen und durch die Straßen tanzen...

Urlaub: da ist sie, unsere wohlverdiente Freiheit nach wochenlanger aufreibender Arbeit, voller Verpflichtungen und Verantwortung. Denn die Freiheit, von deren Traum schon unzählige Kritzeleien in Schulheften und auf Schülerpulten zeugen, scheint die Frucht des dolce far niente zum Klang der brechenden Brandung zu sein. Die Prämie, der Hauptgewinn, das unglaubliche Wohlgefühl, das unsere Batterien wieder auflädt. Freiheit: das unerhörte Glück, noch lange, lange Stunden bis zur Rückkehr an den Arbeitsplatz vor uns liegen zu haben... Kurzum - ein Treffer ins Schwarze!

Natürlich spielt die Umgebung eine Rolle: unser Freiheitsgefühl stellt sich leichter ein, wenn wir breitbeinig unseren Spritz schlürfen, als wenn wir an einem Streiktag auf einem überfüllten Bahnsteig unseren ungewissen Anschluss herbeisehnen. Stimmt das wirklich? Denken Sie tatsächlich, dass Ihre innere Freiheit von äußeren Umständen abhängt? (Falls ja, riskieren Sie beim Weiterlesen eine Meinungsänderung...)

Freiheit immer und überall - endlose Ferien

I'm free, like a river," so sang Stevie Wonder, bevor er sich von einer Bank sponsern ließ. Ein strömender Fluss entspricht unserem Bild von Freiheit: denn entweder sind wir das bunte, tanzende Laub auf der Oberfläche oder der schwerlastige Stein am Grund mit wenig Aussicht auf ein paar Sonnenstrahlen. Um in den Genuss der Freiheit zu kommen, muss man nämlich mit der Bewegung gehen und sich dem „flow" der verstreichenden Zeit überlassen. Das spüren wir während des Urlaubs - das berühmte Loslassen, geboren aus dem Zusammenfall von Sein und Zeit (danke Heidegger).

Aber noch einmal: das fällt leicht, wenn man sich gerade im Liegestuhl aalt - die Zeit nimmt sich Zeit, die Stunden sind lang, keine Verpflichtung weit und breit außer vielleicht der, die Eiswürfel im Kühlfach nachzufüllen. Was aber wenn man wieder von Koh Samui oder aus dem Allgäu zurück ist?

Da hilft die Formel der buddhistischen Meister, die sogenannte „unfassbare Freiheit": das Mittel, um sich unter allen Umständen frei zu fühlen. Schlicht und einfach heißt das, sein Leben zu akzeptieren. Vergnüglichem und Beschwerlichem gleichermaßen zu begegnen. Eher dafür als dagegen zu sein. Und sich immer mehr bewusst zu werden, dass, wenn sie zusammenfallen, Fluss und Blatt vollständig frei sind, befreit von allem, vor allem von sich selbst!

Der Weg zur Freiheit

Soweit die Theorie. Jetzt zur Praxis. Mit den Dingen zusammenzufallen bedarf am Anfang der bewussten Anstrengung. Ein wenig müssen wir unser Interesse von den Gedanken, die uns durch den Kopf gehen, abziehen. So wird unser Kopf letztendlich frei, und kann in den Zustand endloser Freiheit eintreten.

Um dahin zu kommen, einige Vorschläge von mir, jeder kann seine eigenen hinzufügen:

  • Der geistige Putz: 5 Minuten die Augen schließen und sanft den Inhalt Ihres Gehirns „entstauben". Sobald ein Gedanke auftaucht, ihn zur Seite legen, ganz sanft, für später (vielleicht). Und das wirklich gründlich, mehrmals am Tag. Der Schlüssel dieser Übung liegt in der Sanftheit allen Gedanken gegenüber, die auftauchen.
  • Die Liegestuhlperspektive: Gefangen in unseren Aktivitäten entschwindet uns die äußere Welt... Stopp! Anhalten, atmen, die Augen öffnen und auf den Horizont richten. Egal was Sie vor Augen haben, schauen Sie in die Ferne. Wenn Sie sich so dezentrieren, ändert sich die Energie völlig und Sie schaffen innerlich Raum für die Freiheit. Der Schlüssel dieser Übung liegt im Wechsel der Perspektive.
  • Nur eine Sache tun: Machen Sie nur eine Sache auf einmal - kochen, gehen, sich waschen. Aber tun Sie dies vollständig, im Bewusstsein der Gesten, Gerüche, dem Kontakt der Füße mit dem Boden... Und finden Sie zurück zur Einfachheit des Augenblicks. Der Schlüssel dieser Übung liegt in kindlicher Neugier.

Das sind alles Übungen für den Geist, um ins „Hier und Jetzt" zurückzukehren und den Idealzustand für „innere Ferien" (wieder) zu finden. Gute Reise!

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