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14/09/2015 13:44 CEST | Aktualisiert 14/09/2016 07:12 CEST

Kai Noon - Die Bundesliga-Kolumne: Alles Elfmeter

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Zwei unberechtigte Strafstöße. Zahlreiche Diskussionen um die Bewertung von Foulspielen im Strafraum und die Frage: Darf ein Spieler aus Gründen des Fair Play freiwillig einen Elfmeter verschießen?

Vielleicht ist es sogar ein kleiner Glücksfall, dass zwei, ich nenne sie mal „Fehlentscheidungen" in so kurzer Zeit passiert sind. Der Elfmeter gegen Augsburg in München vom vergangenen Samstag. Und der Elfmeter für Köln gegen Hamburg am dritten Spieltag. Solche Situationen gibt es über eine Saison verteilt immer wieder. Das versendet sich, wenn nicht gerade Abstieg oder Meisterschaft dadurch entschieden werden. Aber jetzt gibt es zwei hintereinander. Daraus kann man lernen. Muss man sogar!

Aufregung und Ärger nach einem Elfmeterpfiff gibt es immer. Darüber rege ich mich gar nicht mehr auf. Und ärgern muss ich mich sowieso nicht. Wenn sich aber alle Beteiligten einig sind, ist es bemerkenswert. Wenn es alle sogar als Fehlentscheidung werten, dann wird es brenzlig.

„Pep, sag du doch mal"

Gut, Bayern Trainer Pep Guardiola wollte das nicht so krass sagen in der Pressekonferenz, obwohl ihn sein Augsburger Kollege Markus Weinzierl fast angefleht hatte. Klar ist aber, dass auch der Münchner Coach weiß, sein Team hat am Ende durch einen unberechtigten Strafstoß dieses Spiel noch gewonnen. Wesentlich deutlicher war da schon Kölns Peter Stöger, der beim siegbringenden Elfer gegen den HSV zugegeben hat, dass es aus seiner Sicht gar keiner war.

In München ist der Angreifer auf den Verteidiger aufgelaufen. In Köln war es umgekehrt. „Kontakt" wie es im regeldeutsch heißt ja. Aber doch kein Foul. Ungleich strittiger waren zwei Situationen in Hannover. Dortmund hat einen Strafstoß bekommen. Hannover nach einer fast identischen Aktion keinen. Nicht die einzigen Fälle dieser Art bisher.

In jedem der Fälle kam wohl der entscheidende Hinweis von einem der Assistenten an der Linie. Das aber nur als Ergänzung. Die Verantwortung liegt am Ende beim Schiedsrichter, so wie es Knut Kircher nach dem Bayern Spiel auch klarstellt. Natürlich grenzt es schon an Reizüberflutung, was die Unparteiischen da verarbeiten müssen. Mit Funk- und Torlinientechnik, mit optischen und akustischen Signalen. Für mich ist das aber gar nicht das Problem.

Was ist denn überhaupt ein Foul?

Die Schiedsrichter können das leisten. Schlechter geworden sind sie auch nicht. Beides behaupte ich. Es gab auch keine Regeländerung. Lediglich die Anweisung, im Strafraum verstärkt auf Fouls fernab vom Ball zu achten - und diese dann auch zu ahnden. Aber das macht weder die erwähnten Beispiele „richtiger", noch kann es sie erklären.

Lassen Sie uns mal die „Gunst der Stunde" nutzen und generell fragen: Wie viel Kontakt ist eigentlich am Ende ein Strafstoß? Kann man nicht messen und nur sehr schwierig überhaupt beschreiben. Das ist eher ein Bauchgefühl - schließlich hilft der ein oder andere Angreifer beim Hinfallen noch ein wenig nach. Es läuft letztlich auf einen ungeschriebenen Kompromiss heraus. Und auf Toleranz.

Einfach mal verschießen

Ich habe mich sogar bei der Überlegung erwischt, ob ich nicht mal fordern soll, dass ein unberechtigter Elfer nicht freiwillig verschossen werden soll. Aber was ist die genaue Definition von „unberechtigt"? Steht da nicht zu viel auf dem Spiel? Ist die Zeit dafür schon reif? Ich glaube, wenn das Elfmeterthema so bleibt, wird das einer demnächst sogar machen, mit dem Verschießen.

Vorher - und generell - müssen wir uns um die „Sache" mit dem Kontakt kümmern. Wir, das sind Teams, Schiedsrichter, Journalisten und Fans, wir müssen wieder ein gemeinsames Gefühl für ein Foul bekommen. „Ein Kontakt war da", ist mir persönlich zu wenig. Aber ich spiele ja auch nicht mit und muss es schon gar nicht entscheiden. Wenn´s denn sein muss, würde ich schon gerne ein Foul sehen, um es auch so zu bewerten.

Das bedeutet unter dem Strich: Auch mal eine diskutable Schiedsrichterentscheidung zu schlucken, obwohl sie doch am vergangenen Wochenende ganz anders getroffen worden ist. Oder wir machen es knüppelhart in die andere Richtung: Jeder Kontakt eines Verteidigers im Strafraum ist ein Foul und ein Strafstoß. Wenn jemand eine perfekte Formulierung für das „Foul" bringt, bin ich der Erste der sie auswendig lernt!

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