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24/08/2015 11:37 CEST | Aktualisiert 24/08/2016 07:12 CEST

Kai Noon - Die Bundesliga-Kolumne: Schön riskant

JOHN MACDOUGALL via Getty Images

Der VfB Stuttgart erfindet sich neu. Davon profitieren bisher ausschließlich die Gegner.

Viel Lob, keine Punkte - das kennen sie in Stuttgart aus den vergangenen Jahren. Eigentlich sollte sich in dieser Saison die Anerkennung auch sofort in Zahlen widerspiegeln. Mit einer radikalen Neuausrichtung. Der Plan ist goldrichtig. Die Umsetzung ist mindestens schwierig. Wahrscheinlich sogar ein viel zu hohes Risiko.

Zweimal in Folge ist der VfB dem Abstieg in die zweite Liga gerade so noch entkommen. Es musste etwas passieren, das haben die Macher am Neckar verstanden. Eine verunsicherte Mannschaft komplett auszutauschen, ist praktisch unmöglich. Stuttgart setzt auf einen neuen Trainer. Einen, der unvorbelastet ist - und unerfahren.

Der Neue

Alexander Zorniger ist 47 Jahre alt und seit dem Sommer Chefcoach. Zorniger ist Schwabe, sehr selbstbewusst, mit einem klaren Plan. Stark verkürzt, ist Zornigers Philosophie das genaue Gegenteil von denen seiner Vorgänger.

Der Neue will attackieren statt abwarten, durch die Mitte, nicht über die Flügel spielen und schnell zum Torabschluss kommen, statt lange zu kombinieren. Alles im Höchsttempo.

Saisonstart

Bis zum Saisonstart war Zorniger der Gewinner, ohne ein einziges Pflichtspiel bestritten zu haben. Seine Mannschaft musste sich dermaßen intensiv mit der neuen Ausrichtung beschäftigen, dass in den Köpfen gar kein Platz war für lähmende Erinnerungen an die Gespenster der nervenaufreibenden Fastabstiege.

Nach den ersten beiden Spieltagen in der Bundesliga sieht die Welt anders aus. Eine Niederlage gegen Köln, auch wegen einer mangelhaften Chancenverwertung.

Eine Niederlage in Hamburg, auch weil Stuttgart über eine halbe Stunde lang in Unterzahl spielen musste. Im Zwischenzeugnis steht: sehr schöne Idee. Sehr schön anzuschauen. Sehr gefährlich - für den VfB.

Offensives Verteidigen

In jedem Spiel waren die Stuttgarter in Führung. Beide Partien haben sie noch verloren. Fünf der bisher sechs Gegentore kassierte das Team in der Schlussviertelstunde. Fakt ist: Die Schwaben sind durch das offensive Verteidigen hochgradig anfällig für Konter. Vor allem aber aktuell gar nicht in der Lage, das laufintensive Spiel bis zum Schluss durchzuhalten.

Zorniger hat seine Art, Fußball zu spielen, als „alternativlos" bezeichnet. Er ist ein Mann mit klaren, harten Prinzipien und Aussagen, die leicht auch als arrogant ausgelegt werden können.

Ich hatte anfangs das Gefühl, da kommt ein Neuling in die Bundesliga, der sofort einen Abdruck hinterlassen und mindestens den VfB neu erfinden will. Daran hat sich nichts geändert. Dennoch glaube ich: Zorniger hat recht.

Mehr Zeit

Es braucht mehr Zeit als erwartet. Bei allem Respekt vor den Gegnern - aber nach dem Starprogramm mit Köln, Hamburg und am Samstag Frankfurt haben ja selbst die größten Pessimisten mit mindestens fünf Punkten gerechnet. Aktuell sind es null.

Schon Ende August droht wieder Unruhe, Diskussion und Pessimismus. Das ist eine Gefahr.

Die Verantwortlichen haben sich bewusst für eine radikale Veränderung entschieden. Ohne Spielraum zwischen Vollgas und Notbremsung.

Mit Alexander Zorniger gibt es keine Alternative zu dessen Spielausrichtung. Alles andere raubt den Schwaben die Wucht und schlimmstenfalls auch den Glauben an die eigene Stärke. Stuttgart wird weiter Risiko gehen müssen.


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