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17/08/2015 10:43 CEST | Aktualisiert 17/08/2016 07:12 CEST

Kai Noon - Die Bundesliga-Kolumne: Endlich wieder Bundesliga

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Ein Sieger mit Sorgen, ein Verlierer im Glück und ein Neuzugang ohne Einsatz.

Drei Monate sind eine lange Zeit. Erstrecht wenn es sich dabei um die Sommerpause der Bundesliga handelt. Mit dem ersten Anstoß allerdings sind die 83 Tage ohne Fußball schlagartig vergessen. Was hat sich in der Zwischenzeit geändert? Frage ich mich. Und einige Vereine fragen sich das auch.

Die Bayern marschieren. 5:0 gegen den HSV. Späte, spektakuläre Tore und danach ein paar Gedanken, die mich überrascht haben. Pep Guardiola sorgt sich um die Bodenhaftung des bärenstarken Neuzugangs Douglas Costa. Der Trainer ist natürlich näher dran. Allerdings hat der Brasilianer bisher nicht den Eindruck vermittelt, besonders leicht abzuheben.

Schwierigkeiten habe ich auch, einen Gefahrenherd zu erkennen, nur weil die Münchner mit Costa, neben Robbben und Ribery, jetzt über drei weltklasse Flügelspieler verfügen - für zwei Positionen auf den Außenbahnen. Selbst wenn alle gleichzeitig über einen längeren Zeitraum unverletzt sind: Die Bayern haben so viele Spiele, da ist ausreichend Platz.

Borussia Dortmund und Schalke 04 haben zum Auftakt das Gefühl vermittelt, als seien sie wieder zurück im Kreis der Top-Klubs. Viel bemerkenswerter als die deutlichen Siege - der BVB 4:0 gegen Gladbach und Schalkes 3:0 in Bremen - fand ich den Umgang mit dem starken Auftritt: Beide geben sich zufrieden selbstbewusst, aber nicht überdreht.

Klingt wie eine Selbstverständlichkeit. Nach der enttäuschenden vergangenen Saison gibt es immer noch so viel Druck im Kessel, da hätte es mich nicht gewundert, wenn gleich wieder markige Sprüche oder Kampfansagen gekommen wären. Die eher demütige Zufriedenheit steht den Klubs allerdings ganz gut - nach einem ersten Spieltag.

Während die Bremer einsehen müssen, dass sie zwar besser sind als im vergangenen Jahr, die Spitze aber doch noch etwas weiter weg ist, hat Mönchengladbach meiner Meinung nach sogar noch Glück. Der Ligaauftakt liefert so viele positive Schlagzeilen, dass deren eigene schwache Leistung weit nach hinten wandert.

Es war „nur" das erste Spiel, das ist mir schon klar. Ein 0:4 mit großen Defiziten ist allerdings sehr ungewöhnlich für den Champions-League-Teilnehmer von Trainer Lucien Favre, der bisher durch enorme Disziplin bestochen hat. Zumal die Spieler selbst hinterher die eigene Einstellung bemängelt haben.

Das hat die wahrscheinliche Konkurrenz aus Wolfsburg und Leverkusen deutlich besser gelöst. Gegen die ambitionierten Mittelfeld-Klubs aus Frankfurt und Hoffenheim gab es die eingeplanten Siege. Ohne den großen Glanz, aber auch ohne Anhaltspunkt für kritische Nachfragen, ob es denn so wohl für ganz oben reichen würde. Pflichtsieg. Punkt.

Die beiden Aufsteiger, Ingolstadt und Darmstadt, haben zum Start Werbung in eigener Sache betrieben. Sie sind kein Kanonenfutter, aber sie wissen um ihr (Leicht) Gewicht. Der FC arbeitet hartnäckig daran, das Image eines Werksklubs zu verhindern - sie genießen schließlich immerhin das Wohlwollen des ortsansässigen Automobilgiganten. Und Darmstadt fühlt sich pudelwohl in der Rolle des finanziell unterbemittelten Desperados.

Nur die Gegner der beiden, Hannover (2:2 in Darmstadt) und Mainz (0:1 Heimniederlage gegen Ingolstadt) quält der Gedanke, ob es nach diesem Einstieg in die Liga wirklich schnell so viel besser wird als in der vergangenen Saison. Die Berliner sind da nach dem 1:0 beim Europa-League-Teilnehmer Augsburg einen kleinen Schritt weiter. Genau wie die Kölner, die nach dem frisch aufgestellten 0:0 Rekord (neun Mal!) in Stuttgart mit Toren gewonnen haben.

Bleiben noch (eben) Stuttgart und der HSV. Beide können so wenig mit ihren Ergebnissen anfangen. Stuttgart war beim 1:3 daheim gegen Köln überlegen und hatte viel mehr Abschlüsse. Am Ende steht viel Lob für das Team von Alexander Zorniger, aber kein Punkt. Das erinnert stark an die vergangene Saison. Der HSV erlebte beim 0:5 in München kein Debakel, holte aber auch kein achtbares Resultat. Am kommenden Wochenende spielten beide im Volksparkstadion gegeneinander.

Den prominentesten Neuzugang der Saison habe ich übrigens nicht gesehen und nicht vermisst: Die so genannte Torlinien-Technologie. Gut, dass sie da ist. Besser aber, dass sie dem Fußball helfen kann, ihn aber nicht verändert!

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