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04/05/2015 11:51 CEST | Aktualisiert 04/05/2016 07:12 CEST

Kai Noon - Die Bundesliga-Kolumne: Die 17er Liga

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Titel, Tränen und Tumulte: Der 1. FC Köln ist ein Traditionsverein. Jetzt wird alles besser!

In der Bild am Sonntag habe ich gelesen: Die Bundesliga könnte demnächst mit 20 Mannschaften spielen und alles würde noch besser werden. Von mir aus, nix dagegen. Ich finde zurzeit die Liga mit 17 Mannschaften auch gut. 17? Stimmt, Köln habe ich vergessen. Ausgerechnet die. Ich bin begeistert!

Eigentlich muss ich den 1. FC Köln gar nicht vorstellen. Zweimal Deutscher Meister seit Einführung der Bundesliga. Viermal Pokalsieger. Finalist im Uefa-Pokal. Lange Jahre Stammgast in der höchsten Spielklasse. Zuletzt eher „Fahrstuhlmannschaft" zwischen erster und zweiter Liga. Von der Wahrnehmung immer ein Bundesligist, ein so genannter „Traditionsverein". Wie gesagt, nur zur Sicherheit für die paar, die in den vergangenen Jahrzehnten irgendwo im Orbit unterwegs waren. Alle anderen wissen das natürlich.

Das sind Fakten. Uneigentlich ist der FC kein Verein, sondern eine Lebenseinstellung, eine Emotion. Eine Herzensangelegenheit, die mit dem Kopf, also rational nicht zu begründen - und auch nicht zu ergründen ist. DEN „Eff Zee" gab es nur in einer Ausführung: Extrem!!! Entweder total euphorisiert, himmelhoch jauchzend, oder total deprimiert, am Boden zerstört. Zwei Spiele reichten, um von der einen Laune direkt in die andere zu verfallen - und wieder zurück. Meistertraum und Abstiegskampf an einem Wochenende. Dazwischen nichts, jedenfalls nicht Köln.

Jetzt spielen die „Geißböcke" (Sie waren zuletzt im Orbit? So werden die Kölner wegen ihres Maskottchens genannt) nicht mehr mit. In der zweiten Liga sind sich alle sicher, dass der FC nicht in ihrer Liga ist. Und in der Bundesliga auch. Selbst die Augsburger behaupten das. Dabei müssen die es besser wissen, schließlich haben sie gerade gegen Köln gespielt. Steht jedenfalls in den Ergebnislisten.

Null Null ist es ausgegangen. Nicht vorne zu Null ODER hinten zu Null. Beides Null. Keine Tore. Zum neunten Mal für das Team aus dem Stadtteil Müngersdorf in dieser Saison. Das ist laufender Bundesligarekord. Der FC ist in einem Aggregatzustand, den ich mal als gasförmig beschreiben würde. Man sieht und riecht ihn nicht. Man schmeckt ihn nicht, aber er ist da. Die Ergebnisse sind nur ein ganz kleiner Teil der Erklärung. In erster Linie machen die Verantwortlichen im Gegensatz zur Vergangenheit eine Sache komplett anders: Sie kümmern sich um Fußball. Ungewöhnlich.

Ein Österreicher und ein ehemaliger Torwart. Nehmen Sie alle Klischees zusammen, dann kann das über Monate keine dauerhaft demütige, bodenständig realistische Arbeitsgrundlage sein. Ist es aber! Trainer Peter Stöger und Manager Jörg Schmadtke sind in Telefonaten und Gesprächen rund um ein Spiel zwei kompetente, schlagfertige und unterhaltsame Vertreter der Branche. Zwischen An- und Abpfiff sind der FC und sie das Humorloseste, was ich seit meiner Musterung zum Grundwehrdienst jemals erlebt habe.

Die Stimmung im Stadion gehört zum Besten, was die Liga zu bieten hat. Da ist in einem normalen Spiel fast mehr drin als bei anderen auf der Meisterfeier. Natürlich können sie im Misserfolg auch viel besser leiden als der Rest. Für eine Fußballmannschaft ist es extrem schwierig, sich in dieser Welt zu bewegen.

Das ist eine große Nummer, „Köln" einzufangen, zu ordnen und den Laden im Griff zu haben. Die Emotionen (meistens) in für alle Seiten erträglichen Ausmaßen zu halten. Respekt und Anerkennung! Vom Präsidenten bis zur Putzhilfe scheinen alle mitzumachen. Besonders, weil der FC über eine Mannschaft verfügt, die nahtlos an die „heimatlose" Zeit der jüngeren Vergangenheit anknüpfen könnte, als es zwar Köln, aber für Köln zwischen oben und unten keine passende Liga gegeben hat.

Profis wie Matthias Lehmann, Marcel Risse oder Miso Brecko waren zumindest selten über einen längeren Zeitraum tragende Säulen in ihren vorherigen Stationen. Jetzt sind sie Stammspieler und sogar Mentoren für die unverschämt talentierten Timo Horn, Jonas Hector oder Yannick Gerhardt.

Schlagzeilen gab es auch. Bundesweite. Die Nummer mit Anthony Ujah, der nach einen Torerfolg Geißbock Hennes VIII. (siehe oben) allzu heftig an den Hörnern gepackt hat, kann ich mit leichten Magenschmerzen gerade noch durchwinken. Den gewalttätigen Auftritt vermummter Personen aus dem Kölner Block in Gladbach selbstverständlich nicht.

Der Rest ist Null Null und Ruhe bis hin zur Unkenntlichkeit. Letzteres kann man in Köln mal ein Jahr machen. Vielleicht sogar zwei. Länger glaube ich nicht. Sonst verliert sich der FC selbst. Dann gehen die Fans in die „böse" Stadt mit D... (Orbit? Düs - sel - dorf) Die Anhänger müssen die Kölner Performance nicht so gut finden wie ich. Aber sie können davon ausgehen, dass der FC auch so locker die Klasse hält.


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