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18/04/2016 08:34 CEST | Aktualisiert 19/04/2017 07:12 CEST

Kai Noon - Die Bundesliga-Kolumne: Wie immer

Getty Images

Der Gegner aus der zweiten Liga wird ein anderer sein. Was den Teilnehmer aus der Bundesliga angeht, läuft für die Relegation alles wie gehabt. Der HSV ist wieder dran.

Lange haben sich die Hamburger im Mittelfeld der Tabelle versteckt. Jetzt, da es ernst wird, geht den Hanseaten so ziemlich alles verloren, was man so braucht für den direkten Klassenerhalt.

In den vergangenen beiden Jahren musste der einst große HSV in die Relegation. Beide Male setzte sich das Team von der Elbe knapp durch. 2014 durch die so genannte Auswärtstorregel. 2015 auch durch ein Freistoßtor nach einer heftig umstrittenen Schiedsrichterentscheidung.

Im Netz machten sehr kreative Vorschläge die Runde. Etwa, dem HSV anstelle der Meistersterne auf dem Trikot, Sterne für die erfolgreiche Relegation zu verleihen. Die Hanseaten sind nicht nur Rekordteilnehmer, sondern wären mit drei Teilnahmen in Folge auch der Inbegriff dieses Wettbewerbs.

Der Meister der Relegation

Trotz der makellosen Bilanz will kein HSV-Fan ernsthaft das alles noch mal durchleben. Die Relegation will keiner, den direkten Abstieg schon gar nicht. Mehr ist aber offensichtlich nicht drin.

Bei der Mannschaft werde ich das Gefühl nicht los, als ergebe sie sich in ihr vermeintliches Schicksal. Im Vertrauen darauf, sich in den existenziellen Spielen auf der Rasierklinge zusammenreißen zu können.

Es ist bemerkenswert, wie sich der HSV beharrlich dagegen wehrt, aus den Negativerlebnissen der Vorjahre die richtigen Schlüsse für eine bessere Zukunft zu ziehen. Die erste Teilnahme wurde als Betriebsunfall verbucht.

Die Gemütslage bei Spielern, Mitarbeiten und Fans haben die Verantwortlichen einfach ignoriert. Dabei herrschte rund um den Volkspark die totale Verunsicherung.

Im zweiten Jahr hat Trainer Bruno Labbadia immerhin versucht, das Selbstvertrauen zu stärken, ohne die Gefahren der Realität außer Acht zu lassen. Ein Fortschritt war das auch nicht.

Im jetzt dritten Jahr muss man einfach auch mal feststellen dürfen: Die Mannschaft ist nicht so zusammengestellt, als dass es um irgendetwas anderes geht, als mit Ach und Krach die Klasse zu halten. Maximal.

Als Team fehlt die Klasse, die Form und - in diesen Tagen eine häufig erwähnte Qualität - es fehlt die Mentalität. Der HSV war nach der Hinrunde zwar nicht sorgenfrei, aber mit sieben Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz in recht ruhigen Gewässern.

Nach drei sieglosen Spielen zu Beginn der Rückrunde gab es einen Zwischenspurt. Die Konkurrenten schwächelten. Alles schien glatt zu laufen.

Eine trügerische Sicherheit.

Nach den Heimniederlagen gegen Hoffenheim und Darmstadt wurde in Hamburg automatisch Relegations-Alarm ausgelöst. Zuletzt in Dortmund hatte sich der HSV klammheimlich etwas ausgerechnet.

Dummerweise war es dann das eigene Unvermögen, das die Dortmunder aus ihrem Europa-League-Frust heraus und den HSV in die Krise hinein führte: stümperhafte Chancenverwertung und eklatante Abwehrfehler. Dazu kommt eine neue, mindestens genauso wichtige Komponente:

Dem HSV gehen die Spieler aus.

Torwart Rene Adler wird nach seiner roten Karte fehlen. Stürmer Pierre-Michel Lasogga und Mittelfeld-Fels Albin Ekdal sind wieder verletzt. Torjäger Nicolai Müller ist angeschlagen.

Wie weit Kapitän und Abwehrchef Johann Djourou nach seiner wochenlangen Pause aufgrund einer Virusinfektion ist, wissen nur die Verantwortlichen. Zuletzt saß er zweimal in Folge komplett auf der Bank.

Hinter dem Gesundheitszustand von Mittelfeldregisseur Aaron Hunt steht wie zuletzt auch vor der Rückkehr gegen seinen Ex-Klub Bremen ein großes Fragezeichen.

Bruno Labbadia lebt Ruhe und Optimismus

Trainer Bruno Labbadia wollte das Team eigentlich weiterentwickeln. Irgendwann wieder Richtung Europapokal. Er lebt Ruhe und Optimismus vor. Unter so einem Trainer möchte man gerne Spieler sein.

Trotz fehlender Gegenleistung hält er häufig zwei Wochen länger an einem fest, als man eigentlich verdient hat. Das könnte auch kritisiert werden. Aber wenn selbst dieses Fünkchen Hoffnung noch verschwindet, dann bleibt ja gar nichts mehr beim HSV.

Auf Schützenhilfe der Konkurrenz kann niemand mehr setzen in Hamburg. Köln gewinnt, Darmstadt gewinnt, Hoffenheim gewinnt und Augsburg auch. Immerhin haben die mit dem Sieg den VfB Stuttgart wieder in den Kampf gegen den Abstieg zurückgeholt.

Bleibt - außerhalb von den hoffnungslosen Fällen Hannover und Frankfurt - noch Werder Bremen. Die Wundertüte. Der nächste Gegner des HSV. Wenn die Hamburger das Nord-Derby am Freitag gewinnen, da lege ich mich fest, dann sind sie alle Sorgen los. Ob sie dann daraus etwas machen, ist Zukunftsmusik.

Sonst läuft es so wie immer. Relegation. Immerhin wird der Gegner wieder ein anderer sein. Der Rest ist wie gehabt. Zwei Spiele, in denen der HSV das zeigen muss, was er in einer kompletten Saison zu selten zeigt: Form, Mentalität und Glück - gleichzeitig.

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