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14/12/2015 14:00 CET | Aktualisiert 14/12/2016 06:12 CET

Kai Noon - Die Bundesliga-Kolumne: Zu klein für die Großen

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Nur drei Tage nach dem ärgerlichen und unnötigen Champions-League-Aus gewinnt Bayer Leverkusen gegen Borussia Mönchengladbach mit 5:0. Dieses Ergebnis zeigt, was für die „Werkself" auch in der Königsklasse möglich gewesen wäre. So lange die Verantwortlichen jedoch regelmäßig ihr Scheitern schönreden, wird der Klub sein Potenzial nicht ausschöpfen können.

Wenn Bayer Leverkusen wie zuletzt gegen Gladbach aufspielt, ist es eine wahre Freude, der Mannschaft zuzuschauen. An guten Tagen können Spieler wie Hakan Calhanoglu, Karim Bellarabi, Admir Mehmedi, Kevin Kampl und Chicharito fast jeden Gegner schwindlig spielen.

Wenn dann auch noch die robuste Zweikampfhärte und Durchsetzungskraft eines Stefan Kießling dazu kommt, kommt dabei ein Ergebnis wie das 5:0 gegen die so formstarke Borussia heraus.

Dieses Spiel und dieses Resultat dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Bayer Leverkusen viel zu wenige von diesen guten Tagen hat und daher seinen Ansprüchen deutlich hinterherhinkt.

Beispielhaft dafür steht das Aus in der Champions League drei Tage zuvor. Leider spiegelt dieses 1:1 gegen Barcelona den Charakter des Klubs und des Teams aktuell viel besser wider als das 5:0 gegen Gladbach.

Die Chance war riesengroß, sich für das Achtelfinale der Champions League zu qualifizieren. Der AS Rom tat Bayer den Gefallen, nicht gegen Borisov zu gewinnen. Und der FC Barcelona war so freundlich, in der BayArena mit einer B-Elf plus Messi und Ivan Rakitic anzutreten. Denn natürlich war das nicht das wahre Barcelona. Aber das haben sie bei Bayer gar nicht gerne gehört.

Ich werde den Eindruck nicht los, dass in Leverkusen Anspruch und Wirklichkeit extrem weit auseinanderliegen. Der Verein fühlt sich zu Höherem berufen, aber sportlich können sie das nicht untermauern. Irgendetwas fehlt immer.

Gegen Barcelona nur ein Tor aus den zahlreichen Chancen, die sich gegen die jungen Katalanen boten. Trotz des 5:0 gegen Gladbach und eines qualitativ hochwertigen Kaders fürchte ich, wird es für die ersten drei in der Bundesliga nicht reichen. Dafür fehlt dem Team einfach die Konstanz.

Dem sportlichen Erfolg im Weg steht außerdem die Leverkusener Mentalität, die Schuld immer zuerst bei den anderen zu suchen. Rudi Völler ist bei jeder vermeintlichen Fehlentscheidung sofort unten am Spielfeld und zweifelt an der Gerechtigkeit der Welt.

Roger Schmidt reagiert auf sachliche Analysen immer dünnhäutiger. Dabei muss es gestattet sein, auch sein System und die Ausrichtung mal zu hinterfragen. Wenn der Sportdirektor und der Trainer, also die beiden Hauptvertreter des Vereins, nach Misserfolgen vor allem nach Ausflüchten suchen, ist das ein denkbar schlechtes Signal an die Mannschaft.

Und so werden wohl auch in Zukunft Anspruch und Wirklichkeit in Leverkusen nicht zueinander passen. Sie würden so gerne bei den Großen mitspielen, aber müssen einsehen, dass sie dafür etwas zu klein sind.

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