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07/12/2015 15:28 CET | Aktualisiert 07/12/2016 06:12 CET

Kai Noon - Die Bundesliga-Kolumne: Hitz Köpfe

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Warum ein kleines Loch im Rasen irgendwie ins große Ganze des Fußballs passt

Augsburgs Torwart Marwin Hitz gräbt ein Loch am Elfmeterpunkt. Kölns Anthony Modeste rutscht Sekunden später genau in diesem Loch aus und verschießt den Strafstoß. Das war mit Sicherheit die handwerklich sauberste und wohl auch kreativste Unsportlichkeit der Hinrunde. Das ist für mich aber auch ein Punkt, mir Sorgen zu machen. Hoffentlich zu Unrecht.

Marvin Hitz ist selbstredend nicht der einzige Grund für meine düsteren Gedanken in diesen Wochen. Aber er und sein Verhalten spielen dabei schon eine große Rolle. Zum einen habe ich mich erschrocken, dass es in Sachen „Unfairness" (falls es dieses Wort überhaupt gibt) leider tatsächlich noch unentdeckte Nischen gibt. Zum anderen ist es jetzt einfach zu viel, um alle Vorkommnisse der letzten Wochen schlicht als Einzelfälle zu verbuchen.

Bis auf das Loch im Strafraum hat es alles vor dieser Hinrunde auch schon gegeben. Geschundene Elfmeter, versteckte Fouls, selbst irreguläre Tore mit der Hand wie aktuell bei Köln gegen Hannover. Genau wie Exzesse im Stadion, brennende Fahnen in Frankfurt oder gewalttätige Übergriffe auf Unbeteiligte vor dem Spiel der Bayern in Gelsenkirchen. Eine passende Zeit für so etwas gibt es natürlich nie. Aber wenn die Zeit unpassender ist denn je, dann jetzt.

Die klitzekleinen und die großen Verfehlungen passieren halt jetzt, in diesen Wochen. In einer Zeit, in der das Thema „Miteinander" ohnehin eine große Bedeutung hat. Speziell aber in einer Zeit, in der Korruptionsskandale den gesamten Fußball im Griff haben. In der sich Einzelne eine Welt schaffen, wie sie sie haben wollen. In elitären Seilschaften, mutmaßlich außerhalb der Legalität.

Natürlich ist der überragende Teil von Zuschauern, Verantwortlichen und Spielern fair und friedlich. Die Qualität von Fair Play, Respekt und Sicherheit definiert sich allerdings immer über die Zahl derjenigen, die diese Punkte verletzen und missachten. Noch ist diese Qualität hoch. Noch kann man alle Situationen als zufällige Abfolge einzelner Ereignisse werten, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Aber man muss sich dabei schon anstrengen.

Ich frage mich selbstverständlich, ob am Ende meine persönliche Wahrnehmung getrübt oder sogar falsch ist. Vielleicht haben die Unsportlichkeiten, Betrügereien und gewalttätigen Übergriffe gar nicht zugenommen im Vergleich zu früher. Das macht sie nicht besser, aber die Gesamtlage aktuell auch nicht dramatischer, als sie ist.

Keine Ahnung, ob es schlimmstenfalls sogar zwangsläufig so kommen muss, dass sich eine ähnliche Einstellung im Kleinen bis nach unten durchfrisst, wenn an der Spitze offensichtlich nur die eigenen Gesetze gelten. Wird schon nicht so schlimm sein. Wie soll man an der Basis bei einem kleinen Loch im Rasen über Moral und Fair Play diskutieren, wenn an der Spitze des Weltverbandes FIFA absichtlich gegen Gesetze verstoßen wird?

Ganz klar: Die Beispiele dürfen nicht einfach so in einen Topf geworfen werden und müssen unbedingt auch unterschiedlich bewertet und sanktioniert werden.

Noch kann jeder mit dem Finger auf einen anderen zeigen, dessen Verfehlungen viel schlimmer sind als die eigenen. Noch ist es vielleicht Zufall, dass es so viel zu diskutieren gibt. Aber über allem steht der Begriff „Fußball". Grenzenlos strapazierbar ist selbst die so genannte „schönste Nebensache der Welt" nicht.

Jeder kann seinen Teil dazu beitragen, sie nicht weiter zu beschädigen. Und wenn es nur ist, ein paar Sachen NICHT zu tun. Immerhin das Loch im Rasen von Köln ist leicht zu reparieren.

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