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21/12/2015 05:57 CET | Aktualisiert 21/12/2016 06:12 CET

Kai Noon - Die Bundesliga-Kolumne: Am Ende des Weltalls

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Pep Guardiola verlässt die Bayern. Die Antwort auf das „Warum" nimmt er mit.

Am Sonntag wurde die wichtigste Personalentscheidung der gesamten Bundesligasaison verkündet. Pep Guardiola wird den FC Bayern zum Saisonende verlassen. Persönlich hat er dazu nichts gesagt und dennoch scheinen alle Fragen beantwortet.

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Ich persönlich bin ein großer Freund davon, wenn es auf Fragen auch Antworten gibt. Richtige Antworten selbstverständlich. Oder wenigstens überzeugend klingende Antworten. Sehr wahrscheinlich geht das sehr vielen Menschen so. Da ich aber nicht für alle sprechen kann und darf, muss ich das erstmal mit mir selbst ausmachen.

Wenn ich keine richtige Antwort zur Verfügung habe, weil mich etwa eine meiner Töchter fragt, wie es denn am Ende des Weltalls so aussieht, dann fühle ich mich unwohl. Oder ich weiß die Lösung, kann sie aber nicht verständlich formulieren. Erst recht natürlich bei Themen unterhalb des 8.000-Euro-Niveaus auf dem Ratestuhl bei Günther Jauch. Fragen beantworten zu können, gibt einem ein gutes Gefühl.

Genau wie andersherum, wenn meine Fragen beantwortet werden. Und die sind sehr oft viel irdischer und einfacher zu klären. Gerade außerhalb meiner Familie. Warum zum Beispiel ein Trainer diesen und nicht einen anderen Spielertausch oder eine abweichende Taktik gewählt hat? Ohne schlüssige Antwort bleibt Unsicherheit, Verwirrung, manchmal Verärgerung. Und viel Raum für Spekulationen.

Seitdem Pep Guardiola Trainer beim FC Bayern ist, habe ich in meinem Berufsleben immerhin eine Ausnahme zugelassen: Pep Guardiola. Wer so einen kaum zu entschlüsselnden, variantenreichen Fußball spielen lässt, der wird seine Gedanken nicht leichtfertig verraten. Ein Mensch, der so oft um die Ecke und weit im Voraus denkt, beantwortet Fragen auf die gleiche Weise.

Er hat sich immer gestellt. Situationen für längere, intensive Interviews allerdings galt es von ihm aus zu vermeiden. Näher gekommen ist ihm niemand. Er hat gesprochen, nicht selten waren danach die Antworten das viel größere Rätsel. Guardiola hat die Reihenfolge einfach umgedreht: Man musste hinterher einfach nur die passende Frage finden.

Er wollte sich nicht in die Karten gucken lassen. Nicht bei der Aufstellung, bei der Taktik und schon gar nicht bei der Bewertung einzelner Spieler. Es sei denn, er hatte eine Botschaft zu verkünden. Seine Sprache ist Fußball. Seine Antwort ist das Ergebnis. Und die Frage ergibt sich daraus: Wie komme ich da hin?

Das hat schnell funktioniert. Wer etwas auf sich hält, der versteht Guardiola. Die Inhalte zu übernehmen, hatte viel von einem Qualitätssiegel. Und ein wenig von Furcht vor Enttarnung, mit der Entwicklung im Fußball nicht mithalten zu können. Pep Guardiola durfte sich diese freundlich eiskalte Unnahbarkeit leisten. Er hat Erfolge zu bieten und das Spiel und die Spieler weiterentwickelt.

Frustriert? Ich? Nein, überhaupt nicht. Ich habe das sogar bewundert. Das Spiel, die taktische Flexibilität der Spieler, die Akribie, die Konstanz, alles. Vor allem die Fähigkeit des Spaniers, viele Menschen mit auf eine Reise zu nehmen, deren Ziel nur er kannte. Ich erwarte von niemandem, dass er solange etwas erklärt, bis auch ich es verstanden habe. Im speziellen Fall - siehe oben - schon gar nicht von Pep Guardiola. Mit einer Ausnahme.

Die Entscheidung über seine Zukunft hat er übermitteln lassen. Er ist nicht selbst an die Öffentlichkeit getreten. Es war ein „Guardiola". Hier ist der Fakt. Überlegen Sie sich die passende Frage, dann wird sich die Begründung daraus ergeben. Oder verstehen Sie mich etwa nicht? Die Antwort hat er mit in den Urlaub genommen. Vielleicht bringt er sie gar nicht mehr mit zurück.

Trainer gehen, selbst oder gerade nach einer intensiven Zeit - so ist das Geschäft. Der Zeitpunkt der Bekanntgabe, in der Winterpause nach dem letzten Spiel und vor der Rückrunde - alles okay. Keine persönliche Aussage, keine Nachfragen, weil Guardiola in Spanien ist - das kann sich ohne Konsequenzen bei den Fans wohl nur er erlauben. Kritik ausdrücklich unerwünscht, es ist schließlich Pep Guardiola.

Begründungen gibt es reichlich. Er verdient bei seinem neuen Arbeitgeber mehr. Manchester City, ist ja eh klar. Er kann alle Spieler kaufen, die er will. Er ist erschöpft und braucht eine Pause. Er sucht nach drei intensiven Jahren eine neue Herausforderung.

Falls Sie davon eine oder mehrere Thesen vertreten: herzlichen Glückwunsch! Sie verstehen Pep Guardiola, ohne dass er etwas gesagt hat. Da sind Sie mir gegenüber deutlich im Vorteil. Ich frage mich weiterhin, warum geht er wirklich und warum wählt er diesen Weg der Bekanntgabe? Vielleicht gibt es später Antworten. In dieser Reihenfolge. Bis zur Auflösung kümmere ich mich um weniger komplizierte Dinge. Ich erkläre meiner Ältesten, wie es am Ende des Weltalls aussieht.

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