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15/01/2016 07:07 CET | Aktualisiert 15/01/2017 06:12 CET

McDonald's bekommt weltweit Gegenwind. Es ist Zeit zu handeln.

ullstein bild via Getty Images

Man erzählt sich, dass McDonald's 'goldenes M' einen höheren Bekanntheitsgrad als das Kruzifix hat. Genau dieses Logo steht aber auch für unternehmerisches Fehlverhalten, dass der Gesellschaft ernsthaft schadet. Wie lange kann das noch weitergehen?

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Das McJobs Phänomen ist schon lange bekannt: unterbezahlt, geringe Aussichten auf Weiterbildung, oft unter prekären Arbeitsbedingungen. Welche Auswirkungen das für Arbeitnehmer hat, ist eindeutig und wurde schon weltweit öffentlich thematisiert.

Die „Fight For $15" Bewegung in den USA kann bereits Erfolge in der Anhebung des Mindestlohns auf Bundesstaatsebene verzeichnen; das Thema ist aus dem Nichts auf die politische Tagesordnung gesetzt worden.

In Europa wurde McDonald's auf breiter Front für die Verwendung sogenannter Null-Stunden-Verträge ohne feste Arbeitszeitgarantie kritisiert.

In Brasilien wurde extra eine Anhörung angesetzt um die sozialen Auswirkungen dieser Unternehmenspraktiken zu diskutieren: vom Missbrauch von Arbeitsrechten bis hin zum systematischen Verstoß gegen Gesundheits- und Sicherheitsauflagen. In Europa wurde McDonald's auf breiter Front für die Verwendung sogenannter Null-Stunden-Verträge ohne feste Arbeitszeitgarantie kritisiert.

Zu all dem kommt die Steuerhinterziehung: Dank des viel gelesenen "Unhappy Meal" Berichts, der von einer internationalen Koalition von Gewerkschaften und NGOs veröffentlicht wurde, ist der Deal zwischen McDonald's und Luxemburg jetzt Gegenstand von offiziellen Ermittlungen der Europäischen Kommission.

Die EU vermutet, dass der luxemburgische Franchiseableger von McDonald's das glanzvolle Kunststück der doppelten Nicht-Besteuerung orchestriert hat, dank dessen das Unternehmen seit 2009 so gut wie keine Unternehmenssteuer in Luxembourg oder den USA gezahlt hat.

Der "Unhappy Meal" Bericht hat aufgedeckt, dass die Überweisung von Lizenzgebühren von europäischen Filialen an den luxemburgischen Ableger zwischen 2009 und 2013 zu einem Verlust von über einer Milliarde Euro in den europäischen Mitgliedsstaaten geführt haben könnte.

Eine atemberaubende Summe für viele europäische Staatshaushalte besonders zu ökonomisch schwierigen Zeiten. Auch für Deutschland, McDonald's wichtigster Markt in Europa nach Anzahl der Filialen, sind das alarmierende Zahlen.

Die neusten Anschuldigungen kommen nun von einem Bündnis von Verbraucherschutzorganisationen, das McDonald's Umgang mit seinen Franchisenehmern anprangert.

Eine Beschwerde, die am 11. Januar bei der Europäischen Kommission eingereicht wurde und unter anderem auch Deutschland betrifft, beschuldigt McDonald's gegen Wettbewerbsrecht zu verstoßen indem es seine Marktmacht nutzt um gegenüber den Franchisenehmern drakonische Vertragsklauseln durchzusetzen, sodass die Gewinnspannen für Franchisenehmer immer kleiner werden.

All diese Kritikpunkte führen zu einer Schlussfolgerung: McDonald's Geschäftsmodell ist nicht nachhaltig.

McDonald's könnte eine positive Rolle in der europäischen Wirtschaft übernehmen. Doch stattdessen hat es sich dafür entschieden seine Unternehmensverantwortung zu missachten und eine steuerliche Regelung eingeführt, die eigene Gewinne durch Steuerhinterziehung schützt.

Zudem belastet der hemmungsloser Einsatz von Teilzeitverträgen die angespannte öffentliche Finanzlage vieler EU-Länder, da auch Berufe ohne existenzsichernden Lohn Sozialdienstleistungen erfordern. Diese unheilige Allianz aus sehr niedrigen Löhnen und sehr niedrigen Steuerzahlungen muss ein Ende finden.

McDonald's ist für diese Situation selbst verantwortlich und wird nun mit weltweiter Kritik und Gegenwehr konfrontiert, die es ernst nehmen sollte, wenn es seine Erfolgsgeschichte noch weiterführen will. PR Kampagnen und das Versprechen sich zu verbessern reichen nicht: Wir brauchen einen echten und dauerhaft nachhaltigen Wandel in der Unternehmenskultur.

Doch es liegt auch in der Verantwortung nationaler Regierungen ein hohes Maß an Arbeitnehmerschutz zu gewährleisten. Dank kürzlich verhandelten Tarifverträgen im Zuge der Verabschiedung des Mindestlohns im vergangenen Jahr, geht es den deutschen Mitarbeitern vergleichsweise gut.

Gleichzeitig ist es wichtig den Vergleich zwischen Deutschland und anderen Länder wie Großbritannien zu ziehen, um zu verdeutlichen, dass es nur mit hohen sozial- und arbeitsrechtlichen Standards möglich ist McDonald's dazu zu bringen auf die Rechte seiner Mitarbeiter und Partnern Rücksicht zu nehmen. Erst dann sind Unternehmen wie McDonald's dazu gezwungen, ihre Vorgehensweisen zu ändern.

Faire, existenzsichernde Löhne, Mitbestimmung und die Einbindung von Sozialpartnern sind unverzichtbare Zutaten für ein modernes und erfolgreiches Unternehmen, und kein Geheimrezept. Es ist Zeit, dass McDonald's dies zur Kenntnis nimmt.

Jutta Steinruck (SPD) ist seit 2009 Mitglied des Europaparlaments. Sie engagiert sich im Ausschuss für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten.

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