BLOG
11/12/2016 05:37 CET | Aktualisiert 12/12/2017 06:12 CET

Sich selbst ein guter Freund sein

Flashpop via Getty Images

Meistens behandeln wir uns selbst wie den letzten Dreck. Würde man unsere inneren Dialoge auf „laut" stellen und anderen Menschen erzählen, das Gesagte gelte einer anderen Person, dann wären die Zuhörer mit großer Wahrscheinlichkeit schockiert.

Sätze wie „Kein Wunder, dass der Typ nicht mit dir ausgehen will. Du bist ja auch total fett und hässlich" oder „War doch klar, dass du das nicht schaffst, du bist ja auch selten beschränkt!" sind eher die Regel und nicht die Ausnahme in unserem Umgang mit uns selbst.

In den fernöstlichen philosophischen Denktraditionen gibt es seit Jahrhunderten das positive Konzept Selbst-Mitgefühl (‚self compassion'). Die Forschungsbemühungen der westlichen Psychologie haben Selbst-Mitgefühl und seine positive Wirkung auf Gesundheit und Lebensqualität gerade erst entdeckt. Selbst-Mitgefühl meint eine emotional positive und empathische Haltung sich selbst gegenüber und beinhaltet laut Neff (2003) drei Bestandteile:

(a) Liebenswürdigkeit / Güte gegenüber dem eigenen Selbst (‚self-kindness') in schmerzvollen Lebenssituationen oder bei Misserfolg, im Gegensatz zu Härte und Selbstkritik. Dies beinhaltet, dass Unvollkommenheit, Fehler und Schwierigkeiten als Teil der menschlichen Existenz anerkannt werden.

(b) Geteilte Menschlichkeit (‚common humanity') als das Erleben, Teil einer größeren und von allen Menschen geteilten menschlichen Erfahrungswelt zu sein. Im Gegensatz zur Erfahrung des Getrenntseins und der Isolation von anderen Menschen.

(c) Achtsamkeit (‚mindfulness') in dem Sinne, dass negative Gefühle und Gedanken wahrgenommen, aber in einer Balance gehalten werden, anstatt sich allzu sehr mit ihnen zu identifizieren.

Selbst-Mitgefühl hat viele Vorteile gegenüber dem bekannteren hohen Selbstwert (‚self-esteem'). Beide - Selbst-Mitgefühl und ein hoher Selbstwert - führen dazu, dass wir uns selbst akzeptieren und uns gut fühlen. Selbst-Mitgefühl braucht aber, im Gegensatz zu einem hohen Selbstwert, keine Bewertung der eigenen Leistung oder den Vergleich mit anderen. Andere Menschen müssen innerlich nicht herabgesetzt werden, damit wir uns gut fühlen. Und wir müssen nicht erst Höchstleistungen erbringen, damit wir uns mögen.

Im Grunde geht es bei Selbst-Mitgefühl darum, sich selbst wie einen guten Freund / eine gute Freundin zu behandeln. Einer guten Freundin würden wir beispielsweise sagen: „Der Typ ist ein Idiot, wenn er nicht mit dir ausgehen will. Du bist eine Klasse-Frau!" und „Das ist doch nicht so schlimm, dass du es nicht gleich geschafft hast. Das nächste Mal klappt es bestimmt!"

Selbst-Mitgefühl lässt sich entwickeln. Wenn wir uns unsere negativen inneren Dialoge bewusstmachen, können wir sie in einem nächsten Schritt auch liebevoller und mitfühlender gestalten. Ein wirksamer und wohltuender Weg ist das expressive Schreiben.

Wenn Sie Fragen haben oder mehr erfahren möchten über Wege zu mehr Selbst-Mitgefühl, kontaktieren Sie mich.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.