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03/03/2016 11:05 CET | Aktualisiert 05/11/2017 09:28 CET

Julia unterwegs - Skitouring in Norwegen.

Wenn Alpinksi, Skatingski und Snowboard abgehakt sind, dann bleibt einem als echter Wintersportler ja nur eins: den Tourenski testen. Und genau das war auch meine Mission diesen Winter. Aber nicht einfach mal nach Feierabend auf einen Hügel gehen - nein, wenn dann schon das ganze Programm.

Und so finde ich mich im verschneiten Norwegen wieder, genauer gesagt nahe Trondheim. Gemeinsam mit Eirik von Mid Norway Adventure und Nina vom Norwegischen Wanderverein NTT werde ich mein jüngstes Ziel erreichen: Den so genannten Heiligen Berg Hermannssnasa nördlich des gefrorenen Feren Sees.

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Als Einstieg dient der abendliche Weg zu unserem Quartier: 6 km folgen wir dem Schein unserer Stirnlampen durch den glitzernden Schnee, bis wir unsere Herberge, die Steinsdalhytta, erreichen. Wir brauchen knappe zwei Stunden und die ebene Fläche ist bestens geeignet um das Material kennen zu lernen: Die Laufflächen ( oder auch Felle genannt ) unter den Ski machen ein seitliches wegrutschen quasi unmöglich. Die Bindung sitzt fest am Vorderfuß und die Ziehbewegung ist schnell verstanden. Da man, anders als beim Langlauf, keine vorgegebenen Spuren hat, fühlt sich der Sport deutlich freier an. Genau wie beim Skating kommt man aber schnell ins Schwitzen und eine mitteldicke Daunenjacke ist auch in den kalten Abendstunden völlig ausreichend.

Soweit, so gut also: Das Skitourengehen erlernt, schlagen wir ein Loch in den gefrorenen See um Wasser zu holen und heizen die Kamine in unseren Holzhütten ein. Zeit, um Energie zu tanken. Denn am nächsten Morgen heißt es: Alle Kraft voraus und auf den Berg. Nicht jedoch, bevor Eirik einen Einführungskurs in Sachen Sicherheit gegeben hat: So bekomme ich nicht nur einen GPS Sender und Empfänger an die Hand und erklärt, sondern auch einen Einführungskurs in Sachen Schneeschichten und Lawinengefahr. Wir haben Glück: Trotz sonnigem Wetter ist es nicht zu warm und der Schnee ist fest. So kann es los gehen.

Die ersten Kilometer über den See bremst mich Eirik: Energie sparen ist nun wichtig. Und damit soll er Recht behalten. Denn unsere insgesamt 18 km ziehen sich über fast sechs Stunden. Im Zickzack geht es ganze 1.000 Höhenmeter langsam bergauf und ich lerne, den Skiern auch am Hang zu vertrauen. Ein komisches Gefühl, nicht rückwärts wieder runter zu rutschen wie mit Alpinski. Nach einer Weile haben wir die Baumgrenze hinter uns gelassen und der Schnee wird harsch. Zeit, an einem windstillen Ort ein Päuschen zu machen: Der Sport macht hungrig und wir essen zwei, drei Brote; freuen uns über heißen Tee in der Thermoskanne.

Ein paar Vögel und zwei sogenannte Allesfresser, die aussehen wie kleine Bären, sind die einzigen Lebewesen, denen wir hier oben begegnen. Die stetige Bewegung und die weite Natur entschleunigen.

Der Wind pfeift immer ordentlicher, je höher wir kommen, und wir schnallen irgendwann ab: Der letzte Abschnitt ist der steilste und somit nur zu Fuß erklimmbar. Ehrlich gesagt tut es gut, die doch ein wenig kalten Beine nun auch mal wieder herkömmlich zu bewegen. So treten wir in die jeweiligen Fußstapfen des Vordermannes, um eine kleine Treppe für den Abstieg in den Schnee zu bohren. Und dann... haben wir's geschafft. Müde aber glücklich liegen wir uns in den Armen bevor jeder für sich inne hält und in die Landschaft blickt - ein Moment, den wohl nur Alpinisten nachvollziehen können.

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Für viele Skitourengeher ist ja die Belohnung für die Anstrengung das Bergabfuhren ohne Felle. Für mich war es aber ehrlich gesagt diese kurze Zeit auf dem Gipfel, für die sich der ganze Weg gelohnt hat. Und mit diesem Moment im Herzen trete ich den Rückweg an: Gemeinsam mit meinem Team die Hang herab, zurück über den See und am nächsten Morgen wieder die 6km zurück zum Auto. Dieses Mal in übrigens nur 75 Minuten. Übung macht den Meister.

Fotos: MM und Nina Pettersen

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