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12/02/2016 06:56 CET | Aktualisiert 05/11/2017 09:29 CET

Julia unterwegs - wilde Sause in Abu Dhabi.

Adrenalin durchströmt meinen Körper. Mein Herz rast, ich kriege kaum Luft. Und muss mich erstmal setzen. Symptome, die man von den ersten Minuten nach extremer sportlicher Betätigung kennt. Ist meine heutige Test-Aktion also Extremsport? Oder doch eher ein Freizeit-Trend? Ich bin nicht sicher.

Eine Superlative ist die Forluma Rossa aber auf jeden Fall: Die schnellste Achterbahn der Welt steht in Abu Dhabi und katapultiert einen in 2,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h und in nur 4,9 Sekunden auf 240 km/h. Möglich macht das ganze ein 32.600 PS starkes hydraulisches Beschleunigungssystem, von dem sich die Formel-1-Flitzer, die sonst so in der Ferrari-Welt vor Ort stehen, eine Scheibe abschneiden können. Aber wie fühlt sich sowas an?

Ehrlich gesagt - der rasante Ritt durch die Wüste ist kaum zu beschreiben. Mit meiner „Was-soll-in-so-einer-Achterbahn-schon-anders-sein-als-auf-dem-Oktoberfest"-Einstellung habe ich das Gerät auf jeden Fall unterschätzt. Und so lache ich noch, als ich meine Schutzbrille gegen Sand und Wind auf- und mich selbst in die erste Reihe des roten Renners setze. Die Sicherheitsgurte werden überprüft, die Bahn in Position gebracht, ein Countdown läuft. Ich überlege gerade, welche Attraktion der Ferrari-Welt ich als nächstes anschauen möchte, als ich abrupt ins hier und jetzt zurück geholt werde.

Bei der einsetzenden Beschleunigung bleibt mir der Atem stehen und obwohl ich in Freizeitparks bisher nie ein Kreischer war, gebe ich die schrillsten Töne von mir, die ich wohl jemals produziert habe. Um ehrlich zu sein, ist es unmöglich bei einer ersten Fahrt bei diesem Tempo keine Angst zu bekommen - und ich glaube keinem, der etwas anderes behauptet. Der einzige klare Gedanke, den ich noch fassen kann, ist: „Wäre ich doch lieber weiter hinten gesessen. Da hätte ich gesehen, dass den Leuten vor mir nichts passiert ist und ich das auch unbeschadet überstehen werde." Und so muss ich mir eingestehen, dass ich zum ersten Mal bei so einer Aktion froh bin, die Hand meines neben mir sitzenden Begleiters festhalten zu können.

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Erst im Anschluss an die Fahrt sehe ich auf dem vor Ort erstandenen Foto, dass der Wind mir mein für diesen Bericht geplantes Outfit gehörig durchquert hat: Die Haare stehen zu Berge, die lange Seidenhose wurde zu einer einseitigen Kurzversion und was meine Strickjacke auf dem Foto vorhat, weiß ich selber nicht. Währenddessen war mir das alles gar nicht aufgefallen.

Wenn die erste Beschleunigung aber erstmal überwunden ist, bremst der rote Wurm ein wenig ab. Zwar schießen wir immer noch mit unbeschreiblicher Geschwindigkeit durch die Wüste, doch der Rest der 2070 m langen Strecke ist durchaus leichter zurückzulegen als der Beginn. Den Plan, von oben mal einen Blick auf die benachbarte Formel-1-Strecke zu werfen, kann ich mir allerdings abschminken: Wer eine Möglichkeit sucht, um sich komplett auf das hier und jetzt zu konzentrieren, ist bei der Formula Rossa genau richtig...

Und so geht es noch um ein paar Kurven und über ein paar Wellen, bis wir wieder in die Station einfahren und vom dortigen Personal bejubelt und beklatscht werden. Wackelig steige ich aus dem Wagen, nehme meine Handtasche entgegen und atme tief durch. Irgendwie hat die extreme Erfahrung auch Spaß gemacht. Und so stelle ich mich ein zweites Mal an, um hinterher komplett zerzaust und erschöpft die Rückfahrt zum Hotel anzutreten. Mit 120 km/h über die Autobahn. Wie angenehm.

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