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24/02/2016 07:26 CET | Aktualisiert 05/11/2017 09:28 CET

Julia unterwegs - Eisklettern in Norwegen.

25 Meter zurückzulegen ist eigentlich nicht viel. Weder per Rad, beim Joggen oder gar beim Skifahren stellen sie eine Herausforderung dar. Aber wie so vieles, ist auch diese Aussage als relativ anzusehen.

Denn wenn es darum geht, 25 Meter an einem gefrorenen Wasserfall in die Höhe zu klettern, ist die Distanz für einen Neuling wie mich durchaus eine Herausforderung.

Gut also, dass Kletter-Guide Eirik von Mid-Norway-Adventure mich professionell mit Seil und Haken sichert, als ich mich auf meine erste Eiskletter-Partie nahe Trondheim begebe.

An dieser Stelle sei gesagt, dass ich in meinem Leben außer zwei Klettersteigtouren noch nie richtig geklettert bin. Und somit stellt allein das Sichern mit Seil und Gurt einen neuen, jedoch schnell vertrauten Nebenschauplatz dar.

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Als weniger natürlich empfinde ich dagegen Steigeisen und Eispickel. Zwar wiegen die Utensilien deutlich weniger als man nach Betrachtung meinen würde, jedoch muss man sich an ihre Benutzung erst ein wenig gewöhnen: Um sicher bergauf zu klettern, gilt es sich stets an drei Punkten im Eis zu fixieren.

Dafür müssen die Steigeisen mit einer Tret-Bewegung an der Fußspitze ins Eis gekickt werden. Ein zunächst wackeliges Unterfangen - ist man es doch als Zweifüßler eher gewohnt, die Fußsohle und nicht die Kappe des Schuhs als Auflagefläche zu benutzen.

Nach ein paar Schritten jedoch kein Problem - solange man sicherstellt, dass die Schuhe groß genug sind und man nicht bei jedem Schritt mit dem Zeh dagegen stößt. Bei mir hat das zum Glück geklappt.

Den Steigeisen zu vertrauen stellt dagegen eine etwas größere Überwindung dar: Als Anfänger würde ich am liebsten den kompletten bogenförmigen Teil des Werkzeugs im Eis vergraben um ja nicht abzustürzen.

Früh stelle ich jedoch fest, dass das nicht nur unnötig sondern aufgrund der Härte des Eises auch gar nicht möglich ist. „Wenn das Eis fest genug ist, reichen ein paar Millimeter, um sich darin zu verhaken," ruft mir Eirik zu.

Ein weiterer Trick ist, die Arme nicht weit voneinander entfernt in V-Form ins Eis zu bohren sondern relativ gerade über dem eigenen Körper. So kostet die Bergauf-Bewegung deutlich weniger Kraft.

Mit dem rechten Arm gelingt diese Technik auch relativ gut; und auch die Beinarbeit ist bald Routine. So bewege ich mich langsam aber sicher auf den Gipfel des gefrorenen Wasserfalls zu.

Mein schwächerer linker Arm braucht meistens zwei, drei Anläufe mehr, bis der Eispickel richtig sitzt - wahrscheinlich wollte er einfach auch mal richtig trainiert werden. Das Eis splittert mir also entgegen und ich bin dankbar eine Skibrille zu tragen. Das Geräusch hingegen motiviert.

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Oben angekommen bin ich ganz schön aus der Puste. Weniger weil meine Kondition nicht ausreicht, sondern eher, weil der Bewegungsablauf einfach komplett neu ist und ein wenig Übung erfordert.

Zudem kann ich nur jedem empfehlen, wirklich warme Fingerhandschuhe anzuziehen: Zwar kommt man beim Eisklettern ins Schwitzen jedoch fließt das Blut naturgemäß dabei nach unten und kalte Hände machen die erforderlichen Schlagbewegungen deutlich schwieriger.

Von oben sehe ich erst wie steil die zurückgelegte Strecke tatsächlich ist und es erfüllt mich ein wohliges Gipfel-Gefühl, bevor ich mich wieder abseilen lasse um zu meiner Trinkflasche zu gelangen.

Mein Fazit: Wer eine neue Herausforderung oder gar richtige Winter sucht, der ist nicht nur beim Eisklettern sondern auch in Norwegen genau richtig.

Fotos by MM

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