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14/12/2015 05:51 CET | Aktualisiert 05/11/2017 09:32 CET

Julia unterwegs - asiatischer Advent am Hallwiler See.

Ich schließe die Augen und flüstere meinen Wunsch für das kommende Jahr. Dann setze ich mein Blumen-Schiffchen ins Wasser und beobachte wie es mit seiner im Wind flackernden Kerze im Dunkeln von dannen zieht. Ich atme tief ein und genieße den Geruch von Räucherstäbchen.

In mich gekehrt mache ich mich auf den Weg in mein Zimmer. So endet mein erstes Advent-Wochenende dieses Jahr auf eine ganz ungewöhnliche Art und Weise. Nämlich mit dem krönenden Abschluss des thailändischen Lichterfestes Loi Krathong. Aber nicht etwa in Bangkok oder Phuket - sondern in der Schweiz. Aber beginnen wir an dieser Stelle vielleicht von vorne.

Eine Google-Suche nach dem Begriff „Wellness" ergibt in etwa 421.000.000 Ergebnisse. Fast alle vorgeschlagenen Links führen zu Wochenend-Reisen oder Spa-Angeboten im deutschsprachigen Raum. Somit lässt sich die Theorie bestätigen: Wellness ist in.

Und zwar so in, dass es ein echtes Überangebot an so genannten Hideaways - also Verwöhn-Verstecken - gibt. Wer hier als Anbieter langfristig überzeugen will, ist gezwungen sich von der Masse abzuheben. Ein Versuch, der im Schweizer Hotel Seerose am Hallwiler See tatsächlich gelungen ist. Und zwar mit dem Zelebrieren des thailändischen Lichterfestes Loi Krathong. Ein Freizeit-Trend mal anders umgesetzt.

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Das Konzept des Hauses beruht ganzjährig auf der Integration der thailändischen Kultur in Wellnessbereich und Küche. Ausschließlich Thais arbeiten in den genanten Bereichen und sorgen mit authentischen Rezepten und traditionellen Spa-Anwendungen für ein Urlaubsgefühl, das Alltagsstress und Fernweh gleichermaßen entgegenwirkt.

So entsteht ein Ambiente, in dem kulturelle Grenzen verwischen - gerade Ende des Jahres. Wenn für uns die Vorweihnachtszeit beginnt, findet nämlich in Thailand das ebenso besinnliche Lichterfest statt: Loi Krathong wird bei Vollmond im zwölften Monat des thailändischen Lunisolarkalenders gefeiert.

Um der Wasser- und der Reisgöttin zu danken, basteln die Thais kleine Floße, die sie zusammen mit ihren innigsten Wünschen auf die lange Reise durch die Flüsse des Landes schicken. Ein Brauch, der perfekt in zu einem entschleunigenden Wellness-Wochenende passt.

Und so mache ich mich auf die Reise in die Schweiz und stelle fest: Selbst mit meinen zwei linken Händen lassen sich die niedlichen Floße problemlos basteln - und zwar in weniger als einer Stunde. Unter Anleitung des thailändischen Personals falte ich Bananenblätter und befestige sie mit kleinen Zahnstochern an einem runden Stück Bananenbaum.

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Anders als die Steckmasse, die wir aus Blumenläden kennen, eignet sich der Baum als solider Schwimmkörper. Gelbe Blüten und ein paar Orchideen werden in die Mitte des Flosses mit dem Namen Krathong gelegt.

Abschließend drücke ich eine Kerze und drei Räucherstäbchen mittig in den Boden - fertig. Ich bin in solchen Momenten immer wieder überrascht, mit wie wenig Aufwand solch kleine Kunstwerke entstehen können.

Nach diesem Erfolgserlebnis ziehe ich mich ins Thai-Spa zurück und überlege mir bei einer Fussmassage und ein paar Saunagängen einen möglichst romantischen Wunsch für das Aussetzen des Floßes nach dem Abendessen. Ein kleines Detail, das meine Entspannung noch perfekter macht.

Schließlich geht es bei einer Auszeit ja auch darum, den Kopf mit positiven Gedanken zu füllen. Ähnlich ergeht es offensichtlich auch den anderen Gästen, die allesamt sehr viel relaxter beim Abendessen auftauchen, als noch einen Tag zuvor.

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Und so entsteht beim letztendlichen Aussetzen der kleinen Floße am See ein fast schon warmherziges Gemeinschaftsgefühl, obwohl sich die Hotelgäste untereinander kaum kennen.

Wildfremde Menschen helfen sich, Kerzen anzuzünden, sie vor dem Wind zu schützen und hoffen, dass auch die Wünsche der anderen in Erfüllung gehen. Ein tiefes Gefühl in einer Zeit, wo wir oftmals nur Trends hinterjagen, um zum Beispiel auf Surf-Selfies einen guten Eindruck auf Facebook zu machen.

Unterm Strich also eine Variante eines Freizeit-Trends, der ein gewöhnliches Wellness-Wochenende mit ein wenig Menschlichkeit zu einem völlig einmaligen Erlebnis macht. Unabhängig davon, ob mein Wunsch bald Wirklichkeit wird...

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