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12/08/2014 07:20 CEST | Aktualisiert 12/10/2014 07:12 CEST

Politik als Beruf - ein Leben zwischen Plenarsaal und Volksfest

bartz

Wie ist denn das Politikerleben wirklich? So hinter den Kulissen? Wie sieht der Alltag zwischen Plenarsaal und Volksfest aus?

Die Jobbeschreibung einer Bundestagsabgeordneten liefert das Grundgesetz (Art. 38): „Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen". Diese „Freiheit des Mandates" klingt nach ziemlich freiem Arbeiten. Doch in der Tat wird ein Großteil meiner Termine von anderen festgelegt. Neben Plenar-, Ausschuss- und Arbeitsgruppensitzungen sind auch Volksfesteröffnungen, Jahreshauptversammlungen und Vereinsjubiläen Fixpunkte in meinem Kalender.

Muss ich da überall hin? Nein. Aber als gewissenhafte Vertreterin des ganzen Volkes, oder sagen wir: mit dem Anspruch, diesem Titel gerecht zu werden, will ich es so!

Mein Alltag wird dadurch ein bisschen zum Marathon. Im Laufschritt zwischen Bayern und Berlin. Zwischen Plenarsaal und Volksfest. Sieben Tage die Woche.

In Sitzungswochen des Bundestages klingelt mein Wecker um sechs Uhr am Montagmorgen. Durch den Berufsverkehr zum Münchner Flughafen, rein ins Flugzeug und ab nach Berlin. Dort ins Büro, Begrüßung der neuen Praktikantin, „Lagerfeuer"-Besprechung mit meiner Büroleiterin und den zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern, noch ein zwei Termine und abends zur Sitzung der CSU-Landesgruppe. Die dauert meist weit länger als 22 Uhr.

Der Dienstag beginnt mit den Sitzungen der Arbeitsgruppen, in meinem Fall Verteidigung und Petitionen. Gemeinsam mit den Fraktionskolleginnen und -kollegen wird hier die Arbeit in den Ausschüssen und das Plenum der Woche vorbereitet. Sobald die Aufgaben verteilt sind, beginne ich meist mit der Vorbereitung meiner Rede für das Plenum sowie meinen Berichterstattungen für die Ausschüsse. Schnell noch ein Tweet an meine Follower.

Am Nachmittag tagt die CDU/CSU-Fraktion - meist mit unserer Bundeskanzlerin. Die Beratung dauert oft bis in den Abend hinein. Parallel finden in den Sitzungswochen immer allerhand Gespräche statt: Hintergrundgespräche mit anderen Abgeordneten oder der Presse, sowie parlamentarische Abende. Huch, schon wieder kam ein ganzer Stapel mit neuen Petitionen an!

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Mittwochs geht's dann mit den Ausschüssen los. Um acht tagt der Petitionsausschuss, von neun bis mindestens 13 Uhr der Verteidigungsausschuss. Die meisten Tagesordnungspunkte sind spannend. Dazwischen mal schnell ins Büro? Geht nicht, mein Büro liegt zu Fuß fast 15 Minuten vom Ausschusssaal entfernt. Eiliges lasse ich mir deshalb an den Ausschussdienst faxen. Nach der Sitzung geht es nahtlos weiter mit Regierungsbefragung und Fragestunde im Plenarsaal. Manchmal auch Regierungserklärung oder Aktuelle Stunde. Das regelmäßige Mittagessen habe ich mir inzwischen abgewöhnt. Gut frühstücken und durchhalten! Meine Rede für Donnerstag muss heute fertig werden. Im ersten Sitzungsjahr konnte ich mich schon 13 Mal mit einem Redebeitrag einbringen.

Die Plenarsitzung beginnt um neun. Meist finden um acht Frühstücksgespräche zu unterschiedlichsten Themen statt. Die Plenardebatten laufen ohne Pause, oftmals bis in die späten Abendstunden. Wenn es nicht allzu lang dauert und es keinen superwichtigen Abendtermin gibt, gehe ich gerne eine Runde joggen. bzw. würde ich gerne. Habe es erst einmal geschafft. Auch in den Sommermonaten ist es schon dunkel, bis ich abends in meine kleine Wohnung komme. Putzhilfe habe ich keine. Also heißt es dann Waschmaschine an, aufräumen, sauber machen.

Am Freitagnachmittag endet mit dem Plenum auch die Sitzungswoche. Ist der Newsletter schon fertig? Zum Glück unterstützt mich ein starkes Team! Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlasten mich ungemein. Ihre Verträge laufen übrigens alle über die Bundestagsverwaltung. Auch die Bezahlung erfolgt direkt vom Bundestag an die Angestellten. Die Abgeordneten sehen nichts von dem Geld.

Oh weh - wie so oft am Freitagnachmittag Stau auf dem Weg nach Tegel. So ein Mist, wenn ich den Flieger verpasse, komme ich zu spät zur Abendveranstaltung. Sportlerehrung im Landkreis, Jahreshauptversammlung des CSU-Ortsverbandes oder was eben gerade ansteht.

Die Wintermonate waren z.B. geprägt von Faschingsbällen. Schon nach einer Saison habe ich es auf eine beachtliche Sammlung an Faschingsorden gebracht. Ist jedes Mal ein großer Spaß! Auch am Samstag und Sonntag gibt es immer viele interessante Veranstaltungen, zu denen ich eingeladen werde.

Volksfeste - ein gemeinsames Foto mit Miss und Mister Waldkraiburg, ein Grußwort bei Einweihung der neuen Räume in der Volkshochschule und dann weiter zum Volleyball am Stadtplatz - natürlich spiele ich da auch mit. Wunderbar finde ich die Abschlussfeiern an den Schulen. Hier blicke ich bei jedem Grußwort in die Zukunft - in einen ganzen Saal junger Gesichter.

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Die sitzungsfreie Zeit, das heißt, wenn ich nicht in Berlin bin, nutze ich für Bürgersprechstunden, Betriebsbesichtigungen, Truppenbesuche im In- und Ausland, Fachgespräche, Pressekontakte sowie für Vorträge bei Ortsverbänden. Und auch in der sitzungsfreien Zeit müssen Petitionen, Bürgerbriefe und politische Fragen - ob für den Verteidigungsausschuss oder die örtliche Straßenanbindung - beantwortet werden.

Gleiches gilt auch für die parlamentarische Sommerpause. Die Wochen von Juli bis September sind gut gefüllt mit Terminen. Auslandsreisen, Termine in Berlin, viele Gespräche in Bürgerbüro und Landkreis sowie diverse Volksfeste. Ich liebe Volksfeste. Zum Glück gibt es mittlerweile fast überall auch alkoholfreies Weißbier. Damit kann man vernünftig anstoßen und Auto fahren. Ich fahre alles selbst. Vergangenes Jahr waren es 30.000 Kilometer.

Mitunter ist es anstrengend, so im Laufschritt durch Bayern und Berlin. Ob mir mein Leben als Politikerin Spaß macht? Ja, ich liebe es.

Der Beitrag ist Teil der HuffPost-Reihe Inside Bundestag. Abgeordnete aus allen Bundestagsfraktionen berichten exklusiv in einer Art Tagebuch aus ihrem Leben in Berlin.