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13/04/2016 06:52 CEST | Aktualisiert 14/04/2017 07:12 CEST

Was heute ist, kann morgen schon wieder ein Lied von gestern sein

Gettystock

Würde es nach meinen Eltern gehen, säße ich schon mit zwei Kindern und einem angetrauten Mann in einem eigenen Haus. Ziemlich spießig, oder? Aber genau so stellen sich unsere Eltern oft eine glückliche Zukunft der eigenen Kinder vor.

Werte wie ein fester Job, stabile Liebesverhältnisse und eine ordentliche Wohnung scheinen Dinge zu sein, die sie sich für uns wünschen. Es ist vor allem Sicherheit, die allererste Priorität hat. Sie sollen sich keine Sorgen machen müssen! Ein sicheres Kind, ist ein glückliches Kind. Ist das nicht ein Trugschluss?

Die Welt steht uns offen

Sind die Wünsche unserer Eltern auch das, was wir brauchen, um glücklich zu werden? Im Grundsatz streben, glaube ich, viele junge Menschen nach Sicherheit. Es ist die benötigte Sicherheit, um Freiheit zu entwickeln.

Ohne ein gewisses Einkommen, lässt es sich schließlich schlecht Wohnen, Essen und Überleben. An dieser Stelle tritt aber ein gewisser Generationenkonflikt zutage.

Als unsere Eltern aufwuchsen, war an die Freiheit, wie wir sie heute leben, kaum zu denken. Oftmals bewegte man sich nur in engen geografischen Grenzen. Sie hatten nicht das grenzenlose Internet, sondern ein Lexikon, welches ihnen zwar alles Mögliche definieren konnte, aber niemals die Qualität des Wissens erreichte, welches wir heute zur Verfügung haben.

Dementsprechend entwickelte sich auch der Erfahrungshorizont nicht so rasant, wie es der Unsrige heute tut. Mal spontan nach Paris fliegen? Damals undenkbar! Für uns nur 20 Euro mit dem Billigflieger entfernt.

Wir sind unter dem Motto „Die Welt steht dir offen" aufgewachsen. Und danach leben wir auch. Wir wechseln unsere Lebensmittelpunkte, unsere Jobs und oft auch unsere Partner, schneller als Apple neue Smartphones rausbringt.

Die Geschwindigkeit unserer Gesellschaft steigt rasant und hängt unsere Elterngeneration langsam ab. Das was sie sehen, sind sich nicht festlegende, unzuverlässige und „kommste heut nich, kommste morgen"-Kinder, welche in ihren Augen gar nicht glücklich sein können. Denn für sie zählen Werte, die uns auf den ersten Blick altbacken und langweilig scheinen.

Weisheit entsteht mit dem Alter

Wäre es für unsere Generation nicht sinnvoll, sich auf diese alten Werte zurückzubesinnen? Wir verlieren zu oft aus den Augen, dass wir die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen haben. Weisheit ist etwas, was man weder kaufen noch essen kann. Weisheit entsteht mit dem Alter.

Es benötigt viele Erfahrungen, um mit der Zeit zu erkennen, wie das Leben funktioniert. Wieso nehmen wir uns das Privileg heraus, alles besser wissen zu wollen? Wir, mit unseren 20, 30, oder vielleicht sogar 40 Jahren, maßen uns an, schlauer zu sein.

Haben wir uns überhaupt schon einmal Gedanken gemacht, ob da nicht etwas dran ist, an den „alten" Werten? Ich merke immer mehr, dass eine Rückbesinnung auf Beständigkeit und in gewisser Weise auch Tradition, absolut nicht schaden kann. Das steckt doch alles in uns drin.

Unsere Eltern haben es uns schließlich in der Erziehung mitgegeben. Schaue ich mir zum Beispiel die Liebe an, haben wir heutzutage jegliche Verbindlichkeit, jegliche Beständigkeit verloren. Was heute ist, kann morgen schon wieder ein Lied von gestern sein.

Wir schlagen uns mit Verlustängsten herum, weil wir wissen, jeder kann jederzeit gehen. Das konnten unsere Eltern damals auch, aber sie taten es nicht. Sie trugen Verantwortung und gaben selten auf, wofür sie gekämpft hatten.

Warum wir nicht aus Fehlern lernen

Meine Generation ist zu einer Wegwerfgesellschaft geworden. Nimmt etwas Schaden, wird es eben neu gekauft, Reparatur unnötig. Ist man sich der angerichteten Schäden nicht bewusst, wiederholt man Fehler, ohne es zu merken.

Ich möchte behaupten, dass unsere Elterngeneration mehr aus ihren Fehlern gelernt hat. Normalerweise sollte sich so ein Wissen auf die nachfolgenden Generationen übertragen, doch dagegen wehren wir uns. Die Welt dreht sich schließlich, warum sollten da bestimmte Dinge bleiben, wie sie waren?

Wir stehen heutzutage ganz anderen Herausforderungen gegenüber. Dass diese Herausforderungen leichter sind als damals, kann ich nicht behaupten. Aber wir machen manchmal auch einfach ne Show draus, oder?

Wir sind Egomanen, die tief im Inneren glauben, die Welt würde sich nur um sie drehen. Wir scharen einen riesigen Freundeskreis um uns herum, aber sind doch allein, wenn wir wirklich jemanden brauchen. Die Generation unserer Eltern hielt zusammen, das war selbstverständlich.

Meine Mutter wird regelmäßig wütend, wenn sie hört, dass ich niemanden finde, der mal nach meiner Mitzekatze schaut, wenn ich dienstlich unterwegs bin. „Das ist doch selbstverständlich! Freunde können doch mal eine Party auslassen, um dich zu unterstützen."

Nein, können sie nicht! Warum sollten sie auch? Es bringt ihnen ja nichts! Die Menschen meiner Generation denken oft nur an sich selbst.

Auch unsere Kinder werden ihre eigenen Erfahrungen machen

Ich weiß nicht, wie sich das noch entwickeln soll. Wie wird es meinen zukünftigen Kindern ergehen? Werden sie mich ebenfalls belächeln, wenn ich von meinen erlernten Werten spreche?

Vermutlich werde ich mit allen Mitteln versuchen, meine Weisheit an sie zu übertragen, aber es wird nicht funktionieren. Auch sie werden nicht das Leben führen, das ich mir für sie wünsche. Denn ich wünsche mir, dass sie nicht die gleichen Fehler begehen, wie ich es getan habe.

Das ist vermutlich genau der Punkt, um den es auch unseren Eltern geht: Fehler sollen nicht wiederholt werden! „Hab ich mal gemacht, war doof!", wollen sie uns beibringen. Aber jeder Mensch muss seine eigenen Fehler begehen und feststellen, welche Schlüsse er daraus ziehen kann.

Die Weisheit unserer Eltern sollten wir allerdings nicht unterschätzen, denn es ist nicht selten, dass wir doch die gleichen Fehler begehen und die gleichen Schlüsse ziehen, denn schließlich sind wir keine Fremden, sondern 50 Prozent Mama und 50 Prozent Papa.

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