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19/04/2016 06:17 CEST | Aktualisiert 20/04/2017 07:12 CEST

Der Job gleicht einem Hamsterrad. Einfach mal rausspringen, doch bricht man sich dann nicht schnell ein Bein?

Tim Robberts via Getty Images

Es gibt Tage, an denen man am liebsten alles hinschmeißen würde. Tage, an denen ich zum Beispiel gerne schon um zwölf Uhr aus dem Büro verschwinden würde, um etwas wirklich Sinnvolles zu tun.

Etwas mit Sinn! Das ist das Stichwort. Arbeitgeber denken sich immer neue Strategien aus, um an gute Mitarbeiter zu kommen. Club Mate umsonst, einen „Pizza-Day", oder Rabatte auf Fitnessstudios.

Aber ist Arbeit heutzutage wirklich eine Spaßveranstaltung oder doch ein Spaßverderber à la nine-to-five Beschäftigung? Wer schafft denn heutzutage noch wirklich etwas in seinem Job?

Nicht die Mailflut abzuarbeiten, sondern wirklich etwas "schaffen" im Sinne von kreieren und der Gesellschaft einen Mehrwert bieten. Wäre ich nicht an meinem Büroplatz, würde vielleicht einiges etwas langsamer gehen, aber die Gesellschaft würde das einen Scheiß interessieren, vermute ich mal.

Es würden weiterhin Kinder verhungern, die Flüchtlingskrise wäre nicht gelöst und der Stadtpark kein Stückchen sauberer. Nicht dass das das Ziel wäre, aber es verdeutlicht, wie unwichtig die meisten Arbeiten heutzutage sind. Die braucht einfach keiner! Und am wenigsten brauche ich sie selbst.

Wenn ich merke, dass mein Job eigentlich „überflüssig" ist, trägt das nicht gerade zu einer gesteigerten Motivation bei.

Ein Schreiner weiß am Ende des Tages, dass er einen Stuhl gebaut hat. Auf dem wird irgendwann jemand sitzen, der diesen Stuhl wirklich benötigt. Vielleicht sogar ich, während ich mir wieder mit sinnlosen Arbeiten die Zeit bis zum Feierabend vertreibe?

Die meisten von uns arbeiten heute doch, um wiederum andere Menschen zu beschäftigten. Es gibt Leute, die Prozesse entwickeln, dazu dann passend andere Leute, die diese Prozesse verbessern und wiederum andere Leute, die damit beschäftigt sind, diese Prozesse dann wieder wegzurationalisieren, also abzuschaffen.

Danach geht dieser Kreislauf wieder von vorne los. Immer und immer wieder. Soviel zur Sinnhaftigkeit! Es gibt so viele unnütze Tätigkeiten, um andere Jobs zu rechtfertigen. Das kann nicht gut sein! Das befriedigt auch in keinster Weise.

Wenn ich merke, dass mein Job eigentlich „überflüssig" ist, trägt das nicht gerade zu einer gesteigerten Motivation bei. Wenn ich Glück habe, bringen mir diese unnützen Arbeiten wenigstens Spaß. Leider, ist das in den wenigsten Fällen Tatsache.

Lebensstandard sichern, statt Leidenschaft ausleben

Immer mehr Menschen arbeiten an ihren Talenten vorbei. Liegt das an unserer Erziehung? Mir wurde von Geburt an beigebracht, ich solle gefälligst viel arbeiten und mir dadurch meinen Lebensstandard sichern. Typisches DDR-Kind, irgendwie.

Dass in meinem Job auch ein Stück weit Leidenschaft stecken sollte, stand nicht zur Debatte. Schließlich heißt es ja „Arbeit" und nicht Freizeit oder Spaßveranstaltung. Wer Spaß sucht, solle ihn gefälligst in der Freizeit suchen.

Nun habe ich den Salat! Oberflächlich betrachtet habe ich alles erreicht, was mir eingetrichtert wurde. Job, gutes Auskommen, feste Arbeitszeiten. Nur glücklich, bin ich damit nicht.

Aus meiner Erfahrung heraus, kann man nur besonders gut in etwas sein, wenn man es mit Passion betreibt. Ansonsten bleibt man beim Durchschnitt, beim "austauschbar".

Das will ich nicht sein! Ich will etwas tun, weil ich es kann und nicht weil irgendjemand möchte, dass ich es kann, oder weil die Gesellschaft meint, dass ich das können müsste.

Man muss eigentlich schon in der Grundschule wissen, welche Tätigkeit einen im Erwachsenenleben mit Freude erfüllen wird

In unserer Leistungsgesellschaft herrscht leider ein aufreibender Kampf, wenn es um Jobs geht. Bestenfalls weiß man schon in der Grundschule, welche Tätigkeit einen im Erwachsenenleben mit Freude erfüllen wird.

So kann man seine Schulfächer, Jobs und Hobbys schon vorab auf die eigene Zukunftsplanung abstimmen. Aber wer weiß schon, wo es ihn mal hin verschlagen wird? Wer merkt schon in der Jugend, wo seine Talente und Passionen liegen?

Ich wusste es nicht! Und das wurde mir zum Verhängnis. Fängt man nicht direkt nach dem Abschluss an in die richtige Richtung zu arbeiten, fehlen einem später die Erfahrungen, Zertifikate und Nachweise.

Ohne die gibt es wiederum keine Chancen auf den Job, der den eigenen Talenten entspricht, irgendwer hat immer früher angefangen als man selbst. So steckt man weiterhin im eigenen Hamsterrad, welches schon beim Anblick müde macht.

Man schielt nach draußen, setzt mal einen Fuß auf unbekannten Boden, aber kommt schnell ins straucheln. "Es tut uns leid, aber ihre Leidenschaft interessiert uns nicht. Aber wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg in ihrem Hamsterrad!", lese ich aus den Bewerbungsablehnungen heraus.

Es gab mal wieder jemanden, der besser war. Hätte ich mal früher gemerkt, wo meine Talente liegen. Hätte ich mal früher gemerkt, dass ich komplett an ihnen vorbei arbeite. Hätte, hätte, Fahrradkette! Fahrradkettensalat habe ich nun, sozusagen.

Raus aus dem Hamsterrad!

Es ist schwer, an den Punkt zu kommen, an dem man weiß was man will. Es ist aber tausend Mal schwerer, den Absprung wirklich zu schaffen, ohne sich beim Aufprall ein Bein zu brechen.

Ich sehe mit zunehmendem Alter immer weniger Menschen, die ihren beruflichen Traum verwirklichen. Ich sehe leider immer mehr Resignation, manch einer nennt es auch "Beamtenmentalität".

Nine-to-five, 90 Prozent des Kopfes bei Familie, Hobby oder anderen schönen Dingen. 10 Prozent des Kopfes bei der Abarbeitung von nicht abwendbaren Aufgaben.

Irgendwie muss man ja vor sich selbst und dem Arbeitgeber rechtfertigen, dass jeden Monat ein + auf dem Kontoauszug steht. Ist es das, womit wir unser Leben verbringen sollten?

Natürlich nicht! Jeder, der merkt, dass er an seinen Talenten vorbei arbeitet, sollte einen Blick aus seinem Hamsterrad werfen. Allein der Versuch, herauszuspringen, tut gut.

„Sag niemals nie!", finde ich an dieser Stelle ganz passend. Denn wer wirklich gut ist, in dem was er mit Leidenschaft tut, wird das Hamsterrad hinter sich lassen. Früher oder später. Naja, lieber früher, als später!

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