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01/06/2015 10:20 CEST | Aktualisiert 01/06/2016 07:12 CEST

Warum ich aufgehört habe, nach Glück zu suchen

Thinkstock

Wer würde sich nicht im Laufe seines Lebens mindestens einmal diese Frage stellen? Und würde am Ende immer wieder dahin kommen, dass er sie nicht beantworten kann. Auch in der Philosophiegeschichte ist dies ein immer wiederkehrendes Thema, ohne dass man bislang zu einem endgültigen Resultat gekommen ist.

Unzählige Denker und Literaten haben immer wieder versucht, in wenigen Worten zusammenzufassen, was unter „Glück" zu verstehen sei, so wie diese:

„Die Fähigkeit, glücklich zu leben, kommt aus der Kraft, die der Seele innewohnt.",

sagt Marc Aurel (121 - 180 n.Chr.). Dieser Satz scheint eine eher aktive Annäherung an das, was der einzelne Mensch als Glück auffassen will, anzudeuten, in dem Sinne, dass es nur eine Frage der Kontrolle über die eigenen Gefühle sei, ob man einen Glückszustand erreicht. Worin dieser Zustand aber besteht, bleibt offen.

Eine eher inhaltliche Beschreibung des Glücks gibt Carl Spitteler (1845 - 1924):

„Menschen zu finden, die mit uns fühlen und empfinden, ist wohl das schönste Glück auf Erden."

Hiermit weist er auf das Erlebnis gegenseitigen Verständnisses hin, das zwischen zwei Menschen eintreten kann, das aber - so mag man fragen - wohl von einem eher zufälligen Zusammentreffen dieser zwei Menschen abhängig ist.

Denn aktiv nach einem solchen Menschen zu suchen, ist wohl kaum möglich. Hat man ihn aber zufällig gefunden, so muss man wohl dem Schicksal danken.

Bei Paul Richard Luck (1880 - 1940) finden wir eine Haltung, in welcher wir den Grad der Passivität noch gesteigert finden:

„Das Glück ist nichts Himmelstürmendes. Es schleicht sich still in unser Herz hinein."

Hier wird das Glück einfach entgegengenommen, doch wann und wo und unter welchen Umständen?

Ganz einfach macht es sich unsere Zeitgenossin Claire Flowers, wenn sie sagt:

„Glück ist manchmal ein Moment der Stille."

Aber da hat sie sicher Recht, gerade in dieser Zeit, in der die meisten von uns durch einen stressigen Alltag hetzen.

Und Theodor Fontane (1819 - 1898) nagelt das Glück auf genau diesen Inhalt fest:

„Bei Lichte besehen sind Ruhe und Glück überhaupt dasselbe."

Fühlte sich gar dieser Schriftsteller schon zu seiner Zeit gehetzt, dass er solches sagen musste?

Man sieht, es gibt viele Definitionen des Glücks, und man wird es wohl dem Einzelnen überlassen müssen, für sich selbst herauszufinden, was „Glück" für ihn bedeutet. Es bleibt aber noch eine Frage übrig, die unabhängig davon, wie man „Glück" definiert, gestellt werden muss:

Sollen wir überhaupt versuchen, Glück zu erlangen? Ist es überhaupt erstrebenswert, glücklich zu sein? Und wie könnte es zusammenpassen, dass ich oder du glücklich sind, nicht aber Millionen andere, die durch ihre Lebensumstände dazu verdammt sind, unglücklich zu sein? Kann man überhaupt glücklich sein, wenn man weiß, dass andere es nicht sind?

Hier kommt, wie man sieht, eine ethische Dimension hinein.

Das Unglück, genauer betrachtet, hat nämlich auch etwas für sich. Man lernt durch es. Und man ist genötigt zu handeln.

Was würde hingegen ein glücklicher Mensch lernen? Nicht viel, denn in seinem glücklichen Zustand würde er alsbald erlahmen und nach nichts mehr streben.

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Der Schmerz ist die Quelle der Erkenntnis, das ist auf jeden Fall meine Überzeugung. Und ich habe schon lange aufgehört, nach dem Glück zu jagen. Erstens weiß ich nicht, worin es besteht, zweitens könnte ich nicht glücklich sein, wenn andere es nicht auch sind, und drittens ist es mir wichtiger, in meinem Leben etwas Sinnvolles getan zu haben, als glücklich gewesen zu sein.

Dann gibt es aber auch noch die humoristische Perspektive. Die kann aber nur derjenige genießen, der sich von allem Jagen nach Glück frei gemacht hat. Der Abstand zur Glücksfrage schafft Raum für das Lachen. Brauchen wir dann noch „Fortuna", die himmlische Glücksgöttin?

In der folgenden Geschichte sehen wir, wie Fortuna mit dem modernen Leben kollidiert:

«O fortuna, velut luna statu variabilis» singt man zu Beginn eines alten, lateinischen Liedes. Es heißt so viel wie: „Oh glückliches Schicksal, wie der Mond, so veränderlich bist du!"

Ja, das ist wahr. Noch im Jahre 1754 wurde sie auf einem Gemälde halbnackt dargestellt, ihre Blößen von einem wehenden Schleier nur notdürftig verdeckt, wie sie aus ihrem Füllhorn die glückbringenden Zufälle und Chancen austeilt, allerdings ohne zu schauen, wohin sie all ihre Gaben wirft.

Obwohl sie eine Göttin ist und wie Götter im allgemeinen voller tief- und weitblickender Schauungen, vermag sie als einzige nicht zu sehen, was sie tut, denn ihr sind die Augen verbunden.

Aber die Zeiten haben sich geändert. Das Zeitalter der Aufklärung und Rationalität hat auch die himmlischen Gefilde erreicht, und man hat nun auch dort der Schicksalsgöttin vernünftigerweise erlaubt, zu sehen, was sie tut, wenngleich auch nur durch eine dunkle Brille von Hugo Boss.

Fortuna ließ es sich nicht nehmen, in der „eyewear collection" dieser Firma das passende Stück selbst auszusuchen, und fand darin eine Sonnenbrille mit dem Namen „Master the Light". Bei der Stärke des himmlischen Lichts, welchem Fortuna tagtäglich ausgesetzt ist, ist dies ja wirklich passend und nützlich.

Man muss wissen, dass Fortuna eine eitle Dame ist.

Das Gefühl der Macht, über welche sie, das Glück austeilend, verfügt, hat im Laufe der Jahrhunderte ihre Seele korrumpiert. Sie kommt sich sehr bedeutend vor und hat seit den Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts begonnen, ihrer Bedeutung auch äußerlich Ausdruck verleihen zu wollen.

Gerade jetzt trägt sie ein silbernes Kleidchen der berühmten Firma „Marc Jacobs" mit dem wohlklingenden Namen „silk satin twill strapless dress". Was immer das heißen mag, es lässt auf jeden Fall ihre Schultern frei und ebenso ihre Beine, was den erwünschten Nebeneffekt hat, dass die Nuntien, die ihr täglich Informationen von der Erde hinaufbringen, von heißer Begierde erfasst werden.

Die Nuntien sind gewissermaßen die Laufburschen des Himmels, die immer auf dem Weg sind von der Erde zum Himmel oder vom Himmel zur Erde. Es handelt sich um durchtrainierte junge Burschen, schöne Kerle, geradezu himmlische Leckerbissen für die Damen der Oberwelt.

Auch Fortuna, die tagtäglich mit ihnen umzugehen hat, hat die Reize dieser jungen Männer, wenngleich gedämpft durch ihre dunkle Brille, erkannt und lässt es sich zuweilen nicht nehmen, einen dieser Nuntien in ihren Palast zu locken.

Zu diesem Zweck pflegt sie karamellfarbene Seidenstrümpfe anzuziehen, welche die kleinen Flecken auf ihren Beinen vorteilhaft verdecken.

Diese Strümpfe werden durch zarte Seidenbändchen mit einem auf der Hüfte sitzenden Strapsgürtel mit Spitze von der Firma Calvin Klein verbunden und so an Ort und Stelle gehalten. Dieselbe Firma liefert dazu auch den passenden, trägerlosen Büstenhalter mit Push-up-Effekt..."

Zum Lesen der ganzen Geschichte, klicken Sie HIER.


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