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19/03/2015 06:53 CET | Aktualisiert 19/05/2015 07:12 CEST

Am 20. März ist Equal Pay Day: Zeigen Sie die rote Tasche

Der 20. März steht für die 79 Tage, die Frauen im Jahr mehr als Männer arbeiten müssen, um rein rechnerisch auf das durchschnittliche Gehalt ihrer männlichen Kollegen zu kommen. 79 Tage repräsentieren eine Lohnlücke von 22 Prozent.

BPW Germany e.V. Businessfotografie Inga Haar

Der 20. März steht für die 79 Tage, die Frauen im Jahr mehr als Männer arbeiten müssen, um rein rechnerisch auf das durchschnittliche Gehalt ihrer männlichen Kollegen zu kommen. 79 Tage repräsentieren eine Lohnlücke von 22 Prozent.

Symbol für den Equal Pay Day ist die rote Tasche, sie soll auf die roten Zahlen, die Ungleichheit der Gehälter aufmerksam machen.

Bei gleicher Berufswahl verdienen Frauen wesentlich weniger.

Was sind die Gründe: die familienbedingten Berufsunterbrechungen der Frauen, die schlechten Wiedereinstiegsbedingungen nach der Babypause, die geringere Zahl der Frauen in Führungspositionen, aber auch der gewählte Beruf. Oder, und nicht zu selten, schlicht und einfach Diskriminierung des weiblichen Geschlechts. Immer wieder bekommen Frauen für die gleiche Arbeit weniger Geld als Männer, einfach nur, weil sie Frauen sind.

Hier einige Beispiele aus dem WSI Tarifarchiv in der Hans-Böckler Stiftung:

° Ein Koch verdient durchschnittlich 2.179 Euro im Monat, er verdient 374 Euro mehr als eine Köchin (1.805 Euro), das sind 4.488 Euro im Jahr

° Ein Chemiker verdient durchschnittlich 5.237 Euro im Monat, er verdient 946 Euro mehr als eine Chemikerin (4.291 Euro), das sind 11.352 Euro im Jahr

° Ein Bankkaufmann verdient durchschnittlich 4.055 Euro im Monat, er verdient 765 Euro mehr als eine Bankkauffrau (3.290 Euro), das sind 9.180 Euro im Jahr

° Ein Erzieher verdient durchschnittlich 2.667 Euro im Monat, er verdient 158 Euro mehr als eine Erzieherin (2.509 Euro), das sind 1.896 Euro im Jahr

° Ein Fachinformatiker verdient durchschnittlich 2.908 Euro im Monat, er verdient 189 Euro mehr als eine Fachinformatikerin (2.719 Euro), das sind 2.268 Euro im Jahr.

Das WSI-Tarifarchiv hat mit dem Frauenlohnspiegel einen Informationsservice gestartet, der speziell die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen beleuchtet. Jede/jeder kann mitmachen beim kostenlosen Gehaltscheck. Er trägt dazu bei, die ungleiche Behandlung der Geschlechter aufzudecken und das individuelle Gehalt mit dem Gehalt der männlichen Kollegen zu vergleichen.

Trotz vergleichbarer Qualifikation steigt beispielsweise eine BWL-Absolventin im Durchschnitt mit acht Prozent weniger Gehalt in den ersten Job ein als ihr männlicher Kollege (Spiegel: Bonus für Kerle). Die Gehaltsunterschiede werden von Jahr zu Jahr größer. Egal ob Verkäuferin oder Mathematikerin, nach den ersten drei Berufsjahren verdienen Frauen durchschnittlich 18,7 Prozent weniger als Männer. Übers Berufsleben gerechnet bekommen Frauen laut Statistischem Bundesamt 22 Prozent weniger.

Im Bürgerlichen Gesetzbuch § 612 Absatz 3 ist das Verbot der Geschlechterdiskriminierung mit folgenden Worten festgeschrieben: "Bei einem Arbeitsverhältnis darf für gleiche und gleichwertige Arbeit nicht wegen des Geschlechtes des Arbeitnehmers eine geringere Vergütung vereinbart werden als bei einem Arbeitnehmer des anderen Geschlechts." Diskriminierungen jedoch sind schwer zu belegen, davon profitieren die Arbeitgeber.

Auch in Führungspositionen verdienen Frauen weit weniger als Männer. Sie bekommen an die 30 Prozent weniger Gehalt, darüber hinaus weniger Prämien und eine niedrigere Gewinnbeteiligung. Von schlechter Selbstvermarktung kann hier keineswegs die Rede sein. Diskriminierung von der ersten Gehaltsverhandlung ist gang und gäbe.

Im EU-Durchschnitt beträgt die Lohnlücke 16,2 Prozent. Mit 22 Prozent gehört Deutschland zu den traurigen Spitzenreitern. Die Kluft ist seit Beginn der Statistik im Jahr 2006 nahezu unverändert groß geblieben.

Die Züricher Frauenzentrale hatte sich zum Equal Pay Day vor ein paar Jahren einen schönen Gag einfallen lassen: An einem ausgewählten, getürkten Bankautomaten, bekamen Männer 20 Prozent weniger als die geforderte Geldmenge. Sie sollten die Erfahrung machen, was es heißt, 20 Prozent weniger Geld im Portemonnaie zu haben. (Selbstverständlich wurden sie sofort nach dem Feststellen des fehlenden Geldes über die Aktion aufgeklärt.)

Die Auswirkungen der Gehaltsunterschiede von Männern und Frauen sind mannigfach. Unverheiratete Frauen haben das kleinere Apartment, das kleinere Auto, den preiswerteren oder gar keinen Urlaub, aber vor allem haben sie ein höheres Armutsrisiko im Alter.

Lohnunterschiede spielen auch in der Beziehung zum Partner eine wesentliche Rolle. Je ungleicher das Gehalt, desto größer die Gefahr, dass die Bedürfnisse der Männer in jeder Hinsicht Vorrang haben. Er sagt, wo es lang geht. Je gleicher das Gehalt, desto gleichberechtigter die Beziehung, desto mehr muss verhandelt werden, wo es lang geht.

Frauen generell erfahren weniger Ansehen und weniger Respekt, weil die ganze Welt weiß, dass sie weniger Macht und Geld haben als Männer.

Mehr unter: www.equalpayday.de


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