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04/05/2015 05:33 CEST | Aktualisiert 04/05/2016 07:12 CEST

„Die Ehegatten regeln die Haushaltsführung in gegenseitigem Einvernehmen"

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So lautet der §1356 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Frauen früher waren mit dem Tag der Eheschließung verpflichtet, die Hausarbeit zu leisten. Sie kochten, putzten, wuschen und bügelten aus Liebe. Sie sahen sich nicht als Dienerinnen, sondern als liebende Ehefrau und Mutter, die ihre Pflichten erfüllte.

Auch heute noch rechtfertigt bei vielen Frauen die Liebe die dienende Rolle, weil sie die Herrschaft über die häusliche Macht nicht verlieren wollen, andere wiederrum wollen das Thema "Hausarbeit" nicht überstrapazieren und sich als Putze outen.

Uschi Glas verrät in Katja Kullmanns Buch "Generation Ally": „Und wenn ich mal sage, helft mir doch, rührt sich keiner ... Aber bevor ich lang herumrede räume ich das Geschirr lieber selber weg." Wir machen es genau wie Frau Glas, wir machen keinen Ärger ... oder sagen auch, die Küche sieht dann aus wie ein Schlachtfeld, das ist mehr Arbeit als wenn ich gleich koche. Aus der Not eine Tugend machen war schon immer eine Kunst der Frauen.

Solange Frauen den Männern die Haus- und Familienarbeit abnehmen, werden sie immer die dienstbaren Geister bleiben, die nicht die Zeit haben, einen interessanten Beruf zu wählen, der ihnen ein Vollzeitgehalt einbringt.

Aber selbst die Frauen, die einen Vollzeitberuf ausüben, sind nach einem harten Arbeitstag bereit, den Mann zu bekochen und zu bedienen, ganz besonders dann, wenn sie weniger verdienen als der Mann.

Frauen sind generell stärker darauf bedacht, dass der Haussegen nicht schief hängt.

"Viele Frauen habe eine Meisterschaft darin entwickelt, sich mit nahezu unzumutbaren Situationen zu arrangieren, allein damit der Partner möglichst nicht in seiner gewohnten Komfortzone gestört wird", schreibt Julia Onken in ihrem Buch "Wenn du mich wirklich liebst".

Der höchste weibliche Wert für traditionelle Frauen ist nach wie vor die Beziehung zu einem Mann. Nur das erklärt die Geduld und Nachgiebigkeit der Frauen. Der Mann hingegen glaubt, er habe ein Recht darauf, in einer Beziehung umsorgt und verwöhnt zu werden. Dies ganz besonders, wenn seine Mutter es als selbstverständlich ansah, den Vater zu bedienen.

Wie die Arbeit im Haus und in der Familie aufgeteilt werden soll ist besonders bei jüngeren Paaren eine Quelle ständigen Streits. Je mehr Hausarbeit er ihr überlässt, desto unzufriedener wird die Frau, je fairer er sich an der Arbeit beteiligt, desto harmonischer ist die Ehe.

Die Aufteilung der Hausarbeit darf nicht länger Privatsache jedes einzelnen Paares bleiben, da Männer diesbezüglich äußerst reformresistent sind. Es ist Zeit, dass der § 1356 des Bürgerlichen Gesetzbuches neu geschrieben wird.

Die Politik zieht sich in Partnerschaftsfragen gerne hinter das Prinzip der freien Wählbarkeit zurück. In diesem Sinne ist der § 1356, der die Stellungnahme zur Reglung der Haushaltsführung übernimmt, verfasst:

„Die Ehegatten regeln die Haushaltsführung in gegenseitigem Einvernehmen".

Gegenseitiges Einvernehmen überlässt den Partnern die Entscheidung, ob sie eine traditionelle oder eine partnerschaftliche Ehe führen wollen.

Es könnte aber richtiger heißen, schlug Katharina Rutschky vor: „Die Führung des Haushaltes, die Erziehung der Kinder und die Pflege ist gemeinsame Aufgabe der Ehegatten." Und ergänzend: „Für gleichgestellte, nichteheliche Lebensgemeinschaften gilt dasselbe.

Aus Liebe zu heiraten ist eine wunderbare Sache, aus Liebe jedoch die Hauptverantwortung für die Familien- und Erziehungsarbeit zu übernehmen, zahlt sich nicht aus, schon gar nicht nach dem neuen Unterhaltsrecht.

Wer vor der Ehe nicht den Mut hat, über die gerechte Aufteilung der Familienarbeit zu reden, erlebt in der Ehe meist sein blaues Wunder wie reformresistent Männer in puncto Familien- und Hausarbeitsübernahme sind. Laut dem 7. Familienbericht der Bundesregierung haben etwa 43% der erfassten Väter aus ihrer eigenen Sicht keine regelmäßigen Aufgaben übernommen, 19% nur am Wochenende, nur 38% der Väter übernehmen regelmäßig Kinderbetreuungsaufgaben.

Für berufstätige Frauen ist es ratsam, vor dem Gang zum Standesamt auszufechten, in welchem Umfang sich der Mann bzw. die Frau an der später fälligen Familienarbeit beteiligen muss. Ein Mann, der sich hier nicht festlegen will, ist ein Mann der sich auf Kosten der Frau ein komfortableres Leben wünscht, zumindest am Feierabend.

Den Stand der Gleichberechtigung kann man nicht nur beruflich an der Zahl der weiblichen Führungsposten ablesen, sondern auch ganz privat an der Arbeitsteilung in der Familie.


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