BLOG
04/10/2015 14:28 CEST | Aktualisiert 04/10/2016 07:12 CEST

Das Solidarność-Paradoxon

dpa

„Als gläubige Katholiken wird es uns besser gelingen die Republik Polen zu reparieren." Solche und ähnliche Parolen hört man heutzutage vom polnischen Präsidenten Andrzej Duda.

Doch wo es einen Präsidenten gibt, dort gibt es auch ein Volk. Und dieses Volk besteht zu über 90 Prozent aus katholischen Bürgerinnen und Bürgern.

Doch wo sind die ursprünglichen Werte der Katholiken in Polen hin? Diese Frage stelle ich mir sofort, wenn ich an die derzeitige Flüchtlingspolitik der Polen, aber auch anderer osteuropäischer Länder, denke.

Wo ist die Solidarność geblieben?

Die weitverbreitete Fremdenfeindlichkeit der Polen gegenüber den Flüchtlingen lässt nicht gerade auf Nächstenliebe und Solidarität schließen.

Es waren aber ausgerechnet solche Werte, die das Land in den 1980er-Jahren im Zuge der Solidarność-Bewegung von den Fesseln des Kommunismus befreiten. Und aus ebengleichen Gründen wurde Tausenden an Flüchtlingen aus Osteuropa zu der Zeit Asyl im Westen gewährt.

Die Menschen flohen, als sie keine Hoffnung mehr auf ein besseres Leben in ihrem Land sahen. Das gleiche tun die heutigen Flüchtlinge auf der Welt auch. Doch aus Osteuropa wird ihnen kaum eine Hand gereicht. Was ist also mit den alten Werten aus Zeiten der Solidarność passiert?

Eine Demokratie basiert nicht auf dem Glauben an Gott. Instrumentalisiert die Regierung den Glauben, um eine Einheit in der Bevölkerung für ihren Eigennutz zu schaffen? Dass diese Methode äußerst fragwürdig, wenn nicht sogar rückständig ist, steht nicht zur Debatte.

Doch innerhalb dieser sich verschärfenden Bewegung Polens in Richtung eines fanatischen Klerikalismus bildet sich ein riesiger Widerspruch. Denn wo angeblich Religion ist, sollten auch menschenwürdige Werte vertreten werden.

Das dem nicht ganz so ist, spiegelt sich momentan am stärksten in der Flüchtlingsfrage wieder.

Religiöse Fremdenfeindlichkeit?

Fanatismus, der kein Platz für Ausländer bietet? Oder ist es nur die Angst vor dem Neuen? Polen hatte bisher nicht viel Erfahrung mit dem Zustrom an Menschen aus fremden Kulturen, jedoch sieht die derzeitige Politik und sogar Religion keine Toleranz für Ausländer und für Andersgläubige vor.

Die einzige syrische Familie, die Asyl in Polen gewährt bekommen hat, ist einige Tage später heimlich nach Deutschland geflohen. Hierzu ist noch zu sagen, dass das ausschlaggebende Kriterium des Asyls der christliche Glaube der Familie war.

Daraufhin brach eine Welle der Empörung in Polen aus. Wie könnten diese Flüchtlinge so undankbar sein, obwohl sie in Polen alles zum Leben gestellt bekommen haben? Doch dazu meine Gegenfrage: Wie soll sich ein fremder Mensch in einem Land mit derartigen heutigen Ansichten wohl fühlen und dort leben wollen? Die Empörung über die Flucht der Familie ist kaum nachzuvollziehen.

Die Parlamentswahlen in Polen stehen vor der Tür, und es liegt jetzt am Volk für die richtigen Werte abzustimmen und notfalls für diese einzutreten. Falls dem nicht so sein wird, so sollte sich Duda gut überlegen wohin sein intoleranter Klerikalismus das EU-Mitglied Polen führen wird.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite