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30/11/2015 12:19 CET | Aktualisiert 30/11/2016 06:12 CET

Das Kind einer Suchtkranken möchte, dass ihre diese 10 Dinge wisst

igorr1 via Getty Images

Es gibt viele Erwachsene unter uns, die wissen, wie es ist, mit einem süchtigen Elternteil aufzuwachsen. Bei einigen würde man es nicht erkennen. Traurigerweise gibt es auch sehr viele Leute, die diese Erwachsenen lieben und keine Ahnung haben, wie es für sie ist. Wie es für ein Kind ist, das einst im Chaos groß wurde. Und das nun ein Erwachsener sein muss.

Für viele von uns war unsere Kindheit von vorne bis hinten dysfunktional. Diese Dysfunktionalität unserer Kindheit führte zu einer verzögerten oder verkrüppelten emotionalen Reife.

Das Kind eines Suchtkranken zu sein, ist kompliziert und wir können nicht mal ausdrücken, inwiefern. Selbst wenn wir so viele Therapiesitzungen hatten, dass wir unserem Psychiater ein Boot hätten kaufen können, kann es sein, dass wir nicht wissen, wie dysfunktional wir sind. Bleibt bei uns, während wir weiterhin daran arbeiten, es herauszufinden.

Hier sind 10 Dinge, die ihr wissen solltet - selbst wenn wir es nicht klar aussprechen können:

1. Wir wissen nicht was "normal" ist. Normal ist ein relativer Begriff, ja. Aber unser "normal" existiert nicht auf der Relativitäts-Skala. Normal kann für uns Instabilität bedeuten, Angst, sogar Missbrauch.

Normal kann ein Elternteil sein, der bewusstlos in seiner eigenen Kotze liegt. Normal kann für uns sein, sich um den Haushalt, die Geschwister, die Eltern und sehr selten um uns selbst zu kümmern. Das grundlegend fehlende Verständnis dafür, führt zu unserem Schluss, dass normal = perfekt, bedeutet und weniger als perfekt inakzeptabel ist. Perfekt ist ein nicht zu diskutierender Begriff - es gibt keine Grauzone. Alles oder nichts.

Wir haben Angst. Sehr oft. Und diese Angst ist versteckt - manchmal sehr tief in unserem Inneren. Wir haben Angst vor der Zukunft, besonders vor dem Ungewissen. Das Ungewisse war jahrelang unsere Realität.

Wir wussten vielleicht manchmal nicht, wo unsere Eltern sind oder wann sie zurückkommen werden. Wir wussten vielleicht nicht, ob es ein Abendessen oder ein Besäufnis geben würde. Auch wenn wir jetzt wissen, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass diese Dinge passieren, macht es das Leben nicht weniger angsteinflößend. Diese Angst mag sich auf vielerlei Arten ausdrücken, alles von Wut bis zu Tränen. Wir erkennen vermutlich gar nicht, dass es eigentlich Angst ist.

3. Wir haben Angst (Teil 2: Kinder). Wir haben Angst, Kinder zu bekommen und wenn wir sie haben, haben wir Angst, sie kaputt zu machen, so wie wir kaputt sind. Falls wir unseren eigenen Schaden anerkennen können, dann möchte wir auf keinen Fall irgendjemand anderen welchen zufügen.

Wir wissen nicht wirklich, wie man als Elternteil ist. Es versetzt uns sogar in Panik. Wir werden alles hinterfragen, was wir machen und vielleicht zu viel "Eltern-sein", aus der Angst heraus, zu wenig zu sein.

4. Wir fühlen uns schuldig. Bei allem. Wir verstehen nichts davon, uns um uns selbst zu kümmern. Wir haben keine klar gezogenen Grenzen. Wenn wir für uns selbst einstehen, fühlen wir uns schuldig. Wenn wir uns um uns selbst kümmern, fühlen wir uns schuldig. Unser Leben ist auf der Grundlage Ich gebe dir alles und bekomme nichts zurück aufgebaut. Wir wissen nicht, wie man etwas annimmt.

5. Wir sind Kontrollfreaks. Weil wir nicht wissen, was normal ist und weil wir Angst haben, neigen wir dazu, alles und jeden in unserer Nähe kontrollieren zu wollen. Das kann sich in unserem Zuhause zeigen, bei unserer Arbeit oder in unseren Beziehungen. Wir mögen oft unflexibel sein. Wir sehen das nicht als dysfunktional. Wir fassen es sogar eher als Stärke auf.

6. Wir sind Perfektionisten. Wir sind furchtbar kritisch uns selbst gegenüber - bei jedem Detail. Wegen dieses inneren Konflikts des Selbst-Hasses, sind wir oft sehr empfindlich, wenn wir von anderen kritisiert werden. Das liegt an der tief verwurzelten Angst vor Zurückweisung. Bitte halte inne, wenn es möglich ist und wähle deine Worte mit Bedacht. Uns mangelt es an Liebe. Wir brauchen sie.

7. Wir hatten keinen Frieden in unserer Kindheit. Wir wissen nicht, was Frieden ist. Das ist ironisch, weil wir nur an Perfektion glauben und dennoch Chaos schaffen. Chaos, Stress, Rastlosigkeit: so fühlen wir uns wohl. Unter diesen Umständen fühlen wir uns zuhause, nicht weil sie gesund sind, sondern weil sie sich normal anfühlen.

8. Wir sind für alles zuständig - selbst wenn wir es nicht wollen (aber wir wollen es immer.) Das zeigt sich vor allem bei Töchtern und besonders bei den ältesten Töchtern einer süchtigen Mutter (Wir haben sogar unsere eigenen Bücher).

Weil diese Frauen - wie ich - gezwungen wurden, die Verantwortung ihrer unfähigen Eltern(teile) zu übernehmen, werden sie die ersten sein, die alles an sich reißen - zu ihrem eigenen Nachteil. Verantwortung um der Verantwortung willen. Und wir werden für jeden Verantwortung übernehmen, für seine Gefühle, seine Bedürfnisse, sein Leben. Tatsächlich ist es einfacher, für jeden anderen Verantwortung zu übernehmen als für uns selbst.

9. Wir streben nach Bestätigung. Ständig. Unser Selbstbewusstsein ist außergewöhnlich gering. Unsere süchtigen Eltern waren nicht in der Lage, uns die Liebe und Hingabe zu geben, die wir brauchten, um sichere Bindungsgefühle zu entwickeln. Daher suchen wir danach in unseren zukünftigen Beziehungen. In allen davon.

Dieser Drang nach Bestätigung zeigt sich generell in Selbst-Aufopferung. Wir werden immer geben - selbst wenn es zu unserem eigenen Nachteil ist. Bitte erinnere uns daran, uns auch mal um uns selbst zu kümmern.

10. Wir leben im Konflikt. Wir wollen perfekt sein, aber können es nicht, weil wir vor Angst gelähmt sind. Wir wollen unsere Umgebung kontrollieren, aber wir wollen verzweifelt, dass sich jemand um uns kümmert. Wir wollen unbedingt selbstbewusst sein, weil wir wissen, dass das der Schlüssel zur Kontrolle ist, die wir uns so ersehnen, aber wir können nicht selbstbewusst sein, weil wir damit aufgewachsen sind, zu glauben, wir seien wertlos.

Wenn wir uns dich als Partner ausgesucht haben oder sogar als lieben Freund, kann es sein, dass wir in dir entweder eine Situation erkennen, die unserer Fähigkeit bedarf, die ganze Unordnung wieder in Ordnung zu bringen, oder einen Menschen, der uns so zurück lieben kann, dass wir gesund werden. Keins von beidem ist jedoch eine direkte Wahl. Wir wissen es nicht. Es ist uns egal.

Während wir auf intellektueller Hinsicht wissen, dass es in unserer Verantwortung liegt, unsere Gefühle zu ordnen, stimmt unser Intellekt nicht immer mit dem überein, was wir fühlen. Wir fühlen uns vielleicht zerbrechlich, verängstigt, panisch, einsam, wütend oder anhänglich. Wir sind vielleicht all diese Dinge gleichzeitig.

Wir sind es jedoch nicht absichtlich, wahrscheinlich wissen wir nicht einmal, dass wir so sind.

***

Dieser story by Post von Joni Edelmanerschien zuerst bei ravishly.com, eine alternative News und Kulturseite für Frauen.

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Dieser Blog erschien zuerst bei der Huffington Post USA und wurde von Nina Damsch übersetzt.

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