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19/03/2016 06:57 CET | Aktualisiert 20/03/2017 06:12 CET

Fashionshows: Neue Ideen für Präsentation und Verkauf

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Das Rad der Modeindustrie dreht sich immer schneller. Alle sechs Monate werden den Kunden, Einkäufern und Journalisten die neuesten Kreationen aus alteingesessenen und neuen Designschmieden gezeigt. Hinzu kommt eine Vielzahl an Zwischenkollektionen. Nicht zu vergessen, zahlreiche Kollaborationen namenhafter Designer mit anderen Modegiganten. Die Trends, die dort entstehen, lösen sich scheinbar immer schneller voneinander ab. Kollektion folgt auf Kollektion. Oft liegen nur einige Wochen dazwischen.

Eine Entwicklung, die durchaus kritisch betrachtet werden kann. Auch, weil einfach immer mehr produziert wird. Möglich, dass sich die Modehäuser damit den Wünschen des Konsumenten beugen. Weil dieser immer mehr will und danach strebt, immer etwas noch neueres präsentiert zu bekommen.

Oder, weil sich dieser schnell langweilt und Mode häufig keine Investition mehr ist, sondern nur eine schnelle Bedürfnisbefriedigung. Einige Modehäuser scheinen diesen gesteigerten Wünschen zukünftig noch mehr nachgehen zu wollen.

So wie das englische Traditionshaus Burberry. Bekannt vor allem für seine Trenchcoats und den britischen Chic. Erfolgreich nicht nur im eigenen Land, sondern über die Grenzen hinaus. Verantwortlich dafür: Christopher Bailey, der Chefdesigner. Ein Mann mit Gespür für gutes Design und maßgeblich daran beteiligt, diese neuen Trends zu kreieren. Einer, der voraus denkt.

Fortschrittlich sind die kommenden Pläne. Die Marke wird es ihren Kunden zukünftig ermöglichen, die gezeigte Kleidung direkt nach der Präsentation zu erwerben. Die scheinbar perfekte Variante, Kunden ein noch schnelleres Kauferlebnis zu verschaffen.

Erstmalig soll das im Herbst 2016 passieren. Präsentiert wird dann lediglich zweimal im Jahr. Nicht wie sonst üblich vier Mal. Bereits in der Vergangenheit unternahm das Modehaus ähnliche Versuche. Einige wenige Stücke vergangener Kollektionen konnten sofort nach der Show gekauft werden. Der Erfolg war enorm. Wer bisher ungeduldig wartete, muss es zukünftig nicht mehr. Komplette Kollektionen will Burberry fortan so anbieten.

Sich in Geduld üben


Bisher war das anders. Modehäuser zeigten erst kürzlich ihre Entwürfe für den kommenden Herbst und Winter. Einige wenige Designer probierten sich an neuen Showkonzepten. Mode präsentiert als Installation oder direkt in Shops, in denen man diese dann auch kaufen kann.

In Paris, New York, London und Mailand diktierte man die Trends für die nächste kalte Jahreszeit. Das bedeutet: viele Monate vorab. Bedeutet ebenso, der Endverbraucher hat sich bis zum Herbst zu gedulden, bevor die Kleidung im Laden hängt. Oder die neuesten Taschenmodelle Platz in den Kleiderschränken finden.

Für viele ein vermeintlich zu langer Zeitraum. Für viele Konsumenten scheint zu gelten: jetzt sehen und sofort kaufen. Darauf begründet sich dieses neue Konzept. Sich in Geduld zu üben, aktuell nicht sehr en vogue. Eine Mitschuld daran trägt wie so häufig das Internet. Weil es möglich ist, Fashionshows im Livestream zu verfolgen. Oder Apps abzurufen, in denen man die kompletten Looks detailliert in Augenschein nehmen kann. Immer und immer wieder. Abrufbar zu jeder Zeit.

Eine Option, sich die kommenden Must-haves stetig wieder ins Gedächtnis zu rufen. Träumen, bis es endlich so weit ist. Oder Sparen, bis man es sich leisten kann. Die Ernüchterung folgt schnell, denn es heißt warten. Bis die Teile endlich zu erwerben sind. Oft solange bis sie scheinbar in Vergessenheit geraten.

Weil man sie schon zu oft gesehen hat, oder Hochglanzmagazine die Kleidung ständig in ihren Fotostrecken ablichtet. Das, was der Käufer dann schon mehrere Monate begutachten konnte und als neu verkauft wird, ist dann irgendwie schon wieder alt. Schließlich wurden in der Zeit schon wieder neue Kollektionen auf den Markt gebracht. Oder die Stücke wurden kopiert und hängen günstiger irgendwo anders.

Verkauf sofort nach Präsentation


Da scheint es sich anzubieten, die Entwürfe vom Fleck weg zum Verkauf anzubieten. Die Wartezeit wird verkürzt. Oder fällt gänzlich weg. Schon das italienische Label Moschino macht es vor. Einige Stücke, die es während der aktuellen Show zeigte, konnten sofort bestellt werden. Capsule Kollektion wird das dann genannt.

Dieses Modell scheint zu funktionieren. Schließlich bietet es das Label seit einigen Saisons an. Die Kunden danken es ihnen. Die aktuellsten Stücke direkt aus Mailand ins heimische Wohnzimmer geliefert zu bekommen.

Auch der amerikanische Designer Tom Ford wird seine Mode zukünftig so anbieten. Eine zeitnahe Präsentation, die kurz danach in den Verkauf geht. Der Welt, die direkter und unvermittelbarer ist, wird sich angepasst. Es gilt, keine Zeit zu verlieren, denn Zeit ist eben oft auch Geld.

Doch nicht nur das.

Hinzu kommt, dass Damenbekleidung gleichzeitig mit Herrenkleidung präsentiert wird. Nicht um Geld zu sparen, sondern um sich den neuen Bedürfnissen anzupassen. Eben auch, weil es einen Trend für Unisex Mode gibt. Frauen tragen dann gerne Teile, die eigentlich für die Herrenlinie eines jeweiligen Hauses konzipiert wurden. Die Geschlechtergrenzen scheinen zu verschwimmen oder sich zu vereinen.

So auch gesehen in weltweiten Modekampagnen. Bei Vivienne Westwood präsentierten Männer in den Werbeanzeigen mitunter Teile aus der Damenkollektion. Damit gehen die Modemacher auf die gestiegenen Wünsche des modernen Mannes ein. Weil er mehr auf sich achtet und selbst modisch an vorderster Front mitspielen will. Modebegeisterte Männer wird diese Neuerung freuen. Der Markt rund um die Männermode wächst seit einigen Jahren. Wenn man Trendforschern glauben will.

Dieses Wachstum zieht sich nahezu durch sämtliche Sparten. Egal ob Kosmetik, Kleidung oder Technik. Die Verschmelzung von Damen - und Herrenmode, eine logische Konsequenz begründet auf der hohen Nachfrage und dem Kaufverhalten.

Mögliche Probleme für andere Designer


Zwar bilden diese Marken aktuell nicht das Gros der Masse, dennoch sind sie Vorreiter. Wenngleich diese neuen Konzepte Konflikte mit sich bringen. Nicht für den Kunden, sondern für die Designer. Gerade kleine Labels oder junge Designer haben es dadurch schwerer, sich zu behaupten.

Weil sie nicht über die finanziellen Mittel einer großen Marke verfügen. An Möglichkeiten, dem gesteigerten Wunsch des Kunden nachzukommen, mangelt es. Die Kleidung muss gefertigt werden, die Stoffe müssen vorrätig sein. Eine unmögliche Aufgabe für kleine Marken. Eine zusätzliche Last für Labels, die darum kämpfen, inmitten dieser Schnelllebigkeit nicht an Kreativität zu verlieren.

Der Druck, der entsteht, wird zusätzlich erhöht. Hinzu kommt die rasante Verbreitung durch soziale Medien. Vielleicht sind dieses Pläne auch keine schlechte Idee. Marken denken globaler. Versuchen ihr Kundennetz zu vergrößern und dem Verlangen der Konsumenten nachzukommen. Bisher nur zu kleinen Teilen praxiserprobt.

In ein paar Monaten wird sich zeigen, ob dieses Konzept in seiner Ausführung bestehen kann. Für endgültige Prognosen ist es zu früh, auch wenn sich sicher etwas verändern wird. Möglich, dass andere Modehäuser in naher Zukunft ebenso ihre Konzepte überarbeiten oder eine völlig andere Methode entwickeln.

Es stellt sich die Frage, welche Auswirkungen all das auf die gesamte Industrie hat und wie viel das Modekarussell noch an Fahrt aufnehmen kann.

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