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19/04/2016 08:25 CEST | Aktualisiert 20/04/2017 07:12 CEST

Katastrophales Ergebnis: In diesem Ranking belegt Deutschland den vorletzten Platz

SbytovaMN via Getty Images

Nur Japan schneidet schlechter ab: Eine Studie zeigt, wie schwer es berufstätige Mütter in Deutschland haben. Was läuft schief bei uns? Arbeitgeber müssen umdenken.

„Kann ich eine Familie haben, ohne dass meine Karriere darunter leidet?" Diese Frage beantworteten Frauen in den zwanzig größten Industrie- und Schwellenländern (G20) für eine Studie der Thomson Reuters Foundation im Oktober 2015.

Nur knapp die Hälfte aller Teilnehmerinnen der Umfrage sagte ja. Kein berauschendes Ergebnis. Doch Deutschland liegt sogar noch weit unter diesem Durchschnitt, auf dem vorletzten Platz der Rangliste: Hier fühlen sich nur 21 Prozent der Frauen in der Lage, Kind und Karriere unter einen Hut zu bekommen. Ein Armutszeugnis.

Chancenlos: Mütter als Arbeitnehmerinnen zweiter Klasse

Was läuft also schief bei uns? Wenn man mit Müttern spricht, bekommt man ein Gefühl dafür. So erzählt Kommunikationsdesignerin Maria, 39, im Interview: „Nach der Geburt meines ersten Sohnes war ich elf Monate in Elternzeit, danach habe ich von Vollzeit auf Teilzeit gewechselt. Ich hatte zunächst einige Schwierigkeiten, denn ich habe keine großen Projekte mehr bekommen. Diese wurden an Mitarbeiter vergeben, die in Vollzeit arbeiteten."

Auch Dialogmarketing-Fachwirtin Nadine, 39, sei nach der Geburt ihrer Tochter auf Probleme gestoßen: „Bei der Jobsuche hatte ich das Gefühl, dass man als Mutter kleiner Kinder im Nachteil ist. Der Arbeitgeber hat oft Angst vor Fehlzeiten oder mangelnder Flexibilität."

Missverständnis: Anwesenheit gleich Leistung?

Eines der Probleme ist die immer noch vorherrschende Präsenzkultur in deutschen Betrieben. Dabei bedeutet eine besonders lange Anwesenheit im Büro noch lange nicht, dass jemand auch besonders viel leistet. Dennoch werden Mütter, die ihre Arbeitszeit an ihre Familiensituation anpassen, nicht selten schief angesehen oder regelrecht gemobbt.

Wenn Nadine die Wahl hätte, würde sie statt Vollzeit lieber nur 32 Stunden pro Woche im Büro anwesend sein. „Und das würde auch funktionieren. Denn: Das Mama-Sein erfordert es, strukturiert und effektiv zu arbeiten." Wenn Unternehmen diese und andere Stärken, die gerade Mütter mit in den Beruf einbringen, erkennen würden, wäre schon viel gewonnen.

Stärken nutzen: Ein britisches Projekt macht's vor

Hierzulande herrscht also großer Nachholbedarf. Ein britisches Unternehmen ist da schon ein paar Schritte weiter: Bei "Digital Mums" werden Mütter zu Social-Media-Managerinnen ausgebildet und vermittelt. Diese Arbeit lässt sich perfekt in den eigenen vier Wänden ausüben.

Außerdem bringen gerade Frauen und Mütter oft ein besonders hohes Einfühlungsvermögen mit, das in den sozialen Netzwerken enorm hilfreich ist. Das Konzept von "Digital Mums" hat also Vorteile für beide Seiten: Die Unternehmen finden qualifizierte Managerinnen für ihre Social-Media-Kanäle und die Mütter können flexibel von Zuhause aus arbeiten.

Hoffnungsschimmer: Familiengerechte Arbeitsmodelle

Doch auch in Deutschland tut sich langsam etwas: Firmen wie Bosch und Schmidt & Clemens machen es ihren Mitarbeiterinnen - und explizit auch den männlichen Mitarbeitern - leicht, in Teilzeit zu gehen, ohne dass ihnen dadurch Nachteile entstehen. Spezielle Förder- und Karriereprogramme für Teilzeitangestellte machen es möglich.

Unternehmen, die familiengerechte Teilzeitjobs ausschreiben, sind gut beraten, denn im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte spielen Aspekte wie die Work-Life-Balance eine immer wichtigere Rolle. Das Rennen um die Zukunft hat begonnen.

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