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05/12/2016 13:00 CET | Aktualisiert 06/12/2017 06:12 CET

Warm anziehen - der November in der Hochschulpolitik

101cats via Getty Images

Was für ein spannender Monat. Während die Gesellschaft sich noch in Schockstarre über den Trump-Sieg befindet und Schuldige sucht, erklärt Kanzlerin Merkel ihre erneute Kandidatur. Somit kommt es wohl auf den Koalitionspartner an, wenn sich etwas in der Hochschulpolitik ändern soll. Momentan kann man die Politik höchstens als „gut gemeint" bezeichnen, was bekanntlich das Gegenteil von „gut gemacht" ist. Doch viele Landesregierungen und die Bundesregierung scheinen nach diesem Prinzip arbeiten. Der November im Überblick:

Aktuell größtes Ärgernis ist wohl der Unirahmenvertrag - das aber mit Recht. Künftig sollen Dozenten genau angeben, welche Online-Texte sie verwenden und wie lang diese sind. Diese werden gesichtet und ein exakter Betrag für die Universitäten berechnet. Klingt kompliziert, ist es auch.

Viele Universitäten haben sich darauf geeinigt, den neuen Unirahmenvertrag nicht zu unterschreiben. Leidtragende sind die Studierenden, die nun so lernen müssen wie vor 50 Jahren, ohne Online-Tools und Plattformen. Manchmal hat man das Gefühl, dass gerade an den Hochschulen ein Schritt vor und zwei Schritte zurück in Richtung Zukunft gehen.

Ähnlich starke Emotionen lösen aber auch Debatten über nachgelagerte Studiengebühren aus. Während die Grünen in Baden-Württemberg sich nun endgültig auf eine Hochschulmaut für ausländische Studierende geeinigt haben, die im Übrigen keine sozialverträgliche Komponente beinhaltet, diskutiert man verstärkt über das nachgelagerte Modell.

Warum auch nicht, sind unsere Universitäten doch chronisch unterfinanziert und jeder Steuerzahler zahlt das Studium für einige wenige. Fairer wäre es, wenn diejenigen, die von Bildung profitieren, ab einem bestimmten Einkommen etwas zurückgeben, daher wäre es sehr begrüßenswert, wenn dies für die nächste Bundestagswahl bei den Parteien auf der Agenda steht.

Wer an Privathochschulen denkt, hat oftmals den versnobten BWL-Studenten im Kopf, der zu schlecht für die renommierten staatlichen Hochschulen ist, aber einen Vater hat, der ihm Studium, Geld und Genussmittel finanziert. Sicher gibt es diese Fälle auch, die Realität sieht aber anders aus.

Es sind ausgerechnet viele Studiumpioniere, also die ersten Studierenden einer Familie, und Kinder aus einkommensschwachen Familien, die zunehmend an die privaten Hochschulen strömen. Der Grund ist so simpel wie einfach. Keine überfüllten Hörsäle, eine bessere Betreuung und modernere Ausrüstung. Was uns Mehrwert bringt, darf uns mehr wert sein.

Es gibt so viele Studierende wie noch nie in Deutschland. Die Studierendenzahlen belegen es, 2,81 Millionen. Ist das der Akademikerwahn, vor dem uns so viele gewarnt haben? Tatsächlich ist die Anzahl derer, die sich zum ersten Mal an einer deutschen Hochschule eingeschrieben haben zurückgegangen.

Selbst Fächer mit hoher Jobsicherheit und guten Einstiegsgehalt, wie Maschinenbau und Bauingenieurswesen vermelden erstaunlicherweise einen Rückgang der Studierendenzahlen. Nichts desto trotz ist die Finanzierung der Hochschulen weiter prekär. Hier muss der Staat endlich handeln und seinen Verpflichtungen nachkommen

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