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08/12/2016 08:53 CET | Aktualisiert 09/12/2017 06:12 CET

Kaum jemand versteht, worum es bei den notwendigen Rentenreformen wirklich geht

alvarez via Getty Images

Kaum jemand versteht, worum es bei den notwendigen Rentenreformen wirklich geht. Das Ergebnis: Es wird stets von einem Konflikt zwischen Jung und Alt fabuliert. Der wahre Konflikt spielt sich aber ganz woanders ab - zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

Im Wesentlichen gibt es zwei Reformideen für unser Rentensystem. Da sind auf der einen Seite Leute wie wir Jusos und auch die Arbeitsministerin Andrea Nahles. Wir sagen: „Wir wollen, dass wir auch in vierzig Jahren im Alter von der Rente leben können."

Unsere Generation ist es, die unter einem weiteren Absinken des Rentenniveaus leiden würde. Deshalb hat Andrea Nahles ein Rentenkonzept vorgelegt. Das finden wir Jusos in großen Teilen gut, an manchen Stellen wollen wir aber noch mehr.

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Und dann sind auf der anderen Seite Leute wie Arbeitgeberlobbyverbände oder die Junge Union. Die wollen weiter Leistungen kürzen und dafür sorgen, dass die heute 20- und 30-Jährigen im Alter weniger von der Rente haben und dafür auch noch länger arbeiten müssen. Ich finde das klingt nach einem ziemlich schlechten Deal.

Wir Jusos wollen deshalb dringend die gesetzliche Rente stärken, eine Solidarrente einführen und die Rente zu einer Erwerbstätigenversicherung umbauen - also zu einer Rente, in die alle einzahlen: Politiker, Beamte, Selbstständige und Arbeitnehmer.

Wir müssen Altersarmut verhindern

Statt weiter Geld in die Riesterrente zu stecken, bei der es kaum Rendite gibt, wollen wir die gesetzliche Rente aufwerten. Und dazu gehört auch, dass die Arbeitgeber sich endlich wieder stärker an der Rente beteiligen müssen. Am besten paritätisch, das wäre gerecht.

Wir müssen Altersarmut verhindern und dafür sorgen, dass auch im Alter der Lebensstandard gehalten werden kann. Deshalb ist es wichtig, das Rentenniveau zu stabilisieren. Nicht bei bislang beschlossenen 43 Prozent, nicht bei 46 Prozent, sondern bei fairen 50 Prozent.

Es geht bei den geplanten Rentenreformen eben nicht um die Rentner von heute, sondern um Verbesserungen für die heute 20- bis 30-Jährigen. Wir sind es, denen die Leistungen gekürzt werden, wenn es keine Reformen gibt.

Ständig von einem Generationenkonflikt zwischen den heute Jungen und den heute Alten zu reden, ist einfach Quatsch. Die Trennlinie verläuft an einer anderen Stelle: Zwischen den Arbeitgebern und uns Arbeitnehmern.

Es gibt genau zwei Akteure, die uns eintrichtern wollen, dass wir unser gesetzliches Rentensystem zusammenkürzen und stärker privat für unser Alter vorsorgen müssen. Sie malen den Teufel an die Wand und erzählen uns, von der Rente würde uns später nichts mehr bleiben: Es sind die Arbeitgeber und ihre Lobbyverbände, allen voran die sogenannte „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft".

Private Vorsorge wird überwiegend von Arbeitnehmern allein getragen

Die wollen sich damit um ihren Beitrag zur Finanzierung der Rente drücken. Die gesetzliche Rente wird zwar je zur Hälfte von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gezahlt, die private Vorsorge aber wird überwiegend von Arbeitnehmern allein getragen.

Die Arbeitgeber haben außerdem die privaten Versicherungsunternehmen an ihrer Seite, die ein gutes Geschäft wittern. Denn an der gesetzlichen Rente können private Versicherer nichts verdienen und haben daher ein natürliches Interesse daran, dass Menschen private Rentenversicherungen bei ihnen abschließen.

Und dann sind da schließlich noch Parteien wie CDU/CSU und ihre Jugendorganisation Junge Union, die diese Märchen auch noch glauben und unsere Rente lieber heute als morgen zu Grabe tragen wollen.

Es ist höchste Zeit, dass wir endlich wieder für Verbesserungen in der Rentenpolitik sorgen statt auf Leistungskürzungen und Privatisierungen zu setzen. Lasst uns die gesetzliche Rente stärken und die Rente endlich zu einer Erwerbstätigenversicherung umbauen. Davon profitieren wir jungen Leute.

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