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13/12/2016 08:29 CET | Aktualisiert 14/12/2017 06:12 CET

Ohne Kinder werden wir keine Renten erwirtschaften können

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In der CDU/CSU-Bundestagsfraktion wissen wir, dass unsere Gesellschaft einen gravierenden Wandel bewältigen wird. Der technische und der medizinische Fortschritt beschleunigt beständig.

Durch eine gesündere Lebensweise, sauberes Wasser, eine sichere Energieversorgung, neue Medikamente und neue Behandlungsmethoden werden die Menschen immer älter. In Deutschland liegt die durchschnittliche Lebenserwartung eines Mannes bei 78 Jahren. Bei einer Frau sind es 83 Jahre. Sie steigt - rechnet man den Anstieg auf Tage um - täglich um 3 Stunden.

Bis 2050 könnte die durchschnittliche Lebenserwartung für beide Geschlechter noch einmal 5 Jahre mehr betragen.

Andere Entwicklungen sind weniger erfreulich. Die Deutschen bekommen immer weniger Kinder. Brachte eine Frau im Jahr 1964 noch durchschnittlich 2,5 Kinder zu Welt, sind es heute nur noch 1,4 Kinder. Deutschlands Geburtenrate ist besonders niedrig. Fast ein Viertel der Frauen im Alter zwischen 40 und 44 Jahren sind kinderlos.

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Insbesondere Akademikerinnen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Es gibt Verhütungsmethoden, gute Jobs erfordern Flexibilität und Partnerschaften sind instabiler. Frauen haben es schwerer, wenn sie schwanger werden oder der Nachwuchs die üblichen Kinderkrankheiten bekommt. Die Politik hat diesen Trend längst erkannt.

Es werden Anreize geschaffen für mehr Kinder, für eine bessere Aufteilung der Pflichten von Mann und Frau und für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Zur Ehrlichkeit gehört aber auch: Wir haben die Trendwende noch nicht geschafft. Kinder müssen vor allem in Partnerschaften gewollt werden. Das kann die Politik nicht anordnen.

Das heutige Rentensystem führt auf Otto von Bismarck zurück. Arbeitsplätze wurden gesetzlich rentenversichert, um später Renten auszuzahlen. Aber die meisten Menschen lebten nicht so lange.

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Es wurden außerdem viel mehr Kinder geboren. Sie versorgten die Eltern im Alter. Das vierte der zehn Gebote lautet: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf das Du lange lebst. Eine persönliche Verantwortung gegenüber den Eltern wird jeweils von den Nachkommen erneut eingefordert.

Die Bismarck´sche Rentenversicherung war ein großer Fortschritt in ihrer Zeit. Sie passt zu den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft, in der sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam an den Rentenzahlungen beteiligen. Indem wir Rentenzahlungen in jeder sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zur Pflicht erhoben haben, ist uns die familiäre Verantwortung für die Rente aber verloren gegangen.

Wir stellen Forderungen, denn wir haben ja jahrzehntelang eingezahlt. Wir vergessen aber die Voraussetzung dafür: Kinder.

Wenn heute jemand mit 28 Jahren nach einem Studium berufstätig wurde und mit 65 Jahren in Rente ging, hat er mit 80 Jahren über die Hälfte seines Lebens nicht eingezahlt.

Im Bundesarbeitsministerium wurde aktuell eine Prognose errechnet. Um das gegenwärtige Rentenniveau in Anbetracht der Altersstruktur unserer Bevölkerung zu halten, müssten nachfolgende Generationen im Jahr 2045 einen Rentenbeitrag von über 26 Prozent zahlen. Derzeit sind es 18,7 Prozent.

Das ist untragbar.

Wir werden uns nicht allein auf die von uns gezahlten Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung verlassen können. Es ist realistisch, dass das Rentenniveau bis 2045 weiter absinken wird. Vermutlich auf etwa 41 Prozent des Durchschnittlohnes. Gegenwärtig sind es noch 47 Prozent. Um dann gut im Alter leben zu können, ist Eigenverantwortung gefragt. Die Altersversorgung der Zukunft wird auf drei Säulen beruhen.

Zum einen auf der gesetzlichen Rentenversicherung, zum zweiten auf der privaten Vorsorge und zum dritten auf der betrieblichen Altersvorsorge. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen und für Freiberufler werden wir die betriebliche und private Altersvorsorge noch stärken. Von der Kombination dieser drei Quellen werden wir im Alter leben. Im Übrigen war die gesetzliche Rentenversicherung nie dazu gedacht, für die gesamte Altersversorgung aufzukommen. Und schon jetzt reicht das Aufkommen der Beitragszahler nicht aus.

Mit 90 Milliarden Euro jährlich - das sind 25 Prozent des 360 Milliarden Euro umfassenden Bundeshaushaltes - werden die Rentenauszahlungen durch Steuern bezuschusst. Deshalb ist es generationengerecht, wenn einer längeren Lebenszeit nicht nur eine längere Rentenbezugsdauer, sondern auch eine längere Zeit im Berufsleben folgt.

Diesem Grundprinzip folgt unsere Rentenpolitik. Wir heben deshalb zum einen das gesetzliche Rentenalter schrittweise auf 67 Jahre an. Zum anderen haben wir die sogenannte Flexirente eingeführt. Warum können Menschen nicht länger arbeiten, wenn sie sich fit fühlen und es wollen. Politik lebt immer von Kompromissen.

CDU und CSU sind in der Regierung den Sozialdemokraten entgegengekommen, für Menschen, die bereits 45 Jahre Rentenbeiträge geleistet haben, einen Renteneintritt mit 63 Jahren zu ermöglichen. Es war aber unser Wille, die Rente für Mütter, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, zu verbessern. Es war eine Frage der Gerechtigkeit, Erziehungsleistung anzuerkennen und zugleich gerecht gegenüber allen zu bleiben.

Richtet sich diese Politik gegen die junge Generation? Ich meine nein.

Erziehung ist auch Arbeit und ohne Kinder werden wir keine Renten erwirtschaften können. Außerdem bilden wir bereits heute milliardenschwere Rücklagen, die künftige Generationen bei der Rente entlasten werden. Alle Menschen haben Erwartungen.

Die Älteren wollen mit der Rente den Lohn ihres Arbeitslebens erhalten. Die jüngere Generation will, dass mehr für sie bleibt. Die Arbeitnehmer wollen weniger Rentenbeiträge zahlen, um Netto mehr zu verdienen. Die Arbeitgeber wollen weniger Beiträge zahlen, um mehr Arbeitsplätze zu sichern.

Wer die politischen Entscheidungen kritisiert, der möge sich hineinversetzen in die Lage, wem er es dann zu wessen Lasten wegnimmt. Ich halte deshalb die Flexirente, eine gute Rücklagenbildung und das Drei-Säulen-Modell für den richtigen Weg in die Zukunft.

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