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07/04/2015 06:10 CEST | Aktualisiert 07/06/2015 07:12 CEST

Das sind die gefährlichsten Drogen der Welt

Der britische Drogenforscher David Nutt, bis 2009 wichtigster Berater der britischen Regierung in Drogenfragen, hat zusammen mit zahlreichen Experten aus verschiedenen Ländern ein System entwickelt, um die Gefahren von Drogen umfassend einzuschätzen und miteinander zu vergleichen.

Im Jahr 2013 versammelte er 40 Experten aus 20 europäischen Ländern, um 20 verschiedene psychoaktive Substanzen im Hinblick auf ihr Gefahrenpotenzial bewerten zu lassen. Die Wissenschaftler arbeiteten 16 unterschiedliche Gefahrenkriterien heraus.

Risiko für Süchtigen und Gesellschaft

Die wichtigste Unterscheidung in dieser Liste von Gefahren besteht darin, das Risiko für die User selbst und für andere, also die Gesellschaft oder das direkte soziale Umfeld, getrennt zu betrachten. Das erweitert den Blick vom Einzelnen auf die anderen Menschen, die direkt und indirekt betroffen sind.

Die gleiche Betrachtungsweise gilt natürlich auch, wenn man den Nutzen dieser Substanzen einschätzt - nur wurde das noch nie getan. Eine interessante Perspektive ergibt sich, wenn man die Gefahren für einen selbst und für andere zusammenfasst und die Ergebnisse für die einzelnen Drogen einander gegenüberstellt.

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Hier fällt auf, dass die Experten die Gefahren von Alkoholkonsum für andere als enorm hoch bewerten - verglichen etwa mit dem Konsum von Ecstasy. Nach Ansicht dieser Gruppe von Experten ist Alkohol mit Abstand die gefährlichste Droge. Eine Einschätzung, die angesichts von Schlägereien, Vergewaltigungen, Sachbeschädigungen und nicht zuletzt Autounfällen unter Alkoholeinfluss nachvollziehbar ist.

Eine weitere Gefahrendimension ist das »relative Risiko«. Hier haben die Wissenschaftler die Gefahren von Alkohol, Cannabis und Co. miteinander verglichen. Ein Element bei diesem Vergleich ist die Sterblichkeitsrate - wie viele User sterben an den Folgen des Konsums der jeweiligen Droge?

Sterblichkeit bei Heroinkonsum besonders hoch

In einem 2008 veröffentlichten Report zeigt das Advisory Council on the Misuse of Drugs (Kommission der britischen Regierung zu Drogenfragen) zum Beispiel, dass die Sterblichkeit bei Heroinkonsumenten im Vergleich mit der Allgemeinbevölkerung um das 20- bis 50-Fache höher ist. Warum ist das so?

Bei allen registrierten drogenbezogenen Todesfällen muss man von einer erheblichen Unsicherheit bezüglich der genauen Ursachen ausgehen. Zum Beispiel stellt sich die Frage, ob viele dieser Todesfälle vermeidbar gewesen wären, wenn die Substanzen nicht in verunreinigter Form und unklarer Dosierung auf dem Schwarzmarkt erworben worden wären. Beim Dealer im Park gibt es nun mal keine geprüfte Liste der Inhaltsstoffe. Aber natürlich kann man auch mit sauberen, wohldosierten Substanzen tödliche Unfälle produzieren.

Die Todesursachen sind vielfältig, die akuten unterscheiden sich von den indirekten und langfristigen. Bei einer Überdosis Heroin sterben Menschen meist an Atemdepression

und Kreislaufversagen; beispielsweise kann der Blutdruck so weit sinken, dass der Herzschlag aufhört. Häufig ist die Todesursache auch eine Kombination mit Kokain, Cannabis, Alkohol oder Benzodiazepinen; sie kann in einigen Fällen auch mit einem tödlichen allergischen Schock enden.

Indirekte Todesursachen sind Infektionen und Suizide. Bei letzteren muss man von einem Teufelskreis ausgehen: Psychisch instabile Menschen neigen eher dazu, Heroin zu konsumieren, und Heroinkonsum kann über den Umweg der gesellschaftlichen Isolation die Neigung erhöhen, das eigene Leben zu beenden. Oft geschieht dies dann bewusst oder halb bewusst auch mit Heroin.

Kokain kann zum Herzstillstand führen

Auch bei Kokain ist die Mischung mit anderen Substanzen, oft mit Heroin und den Lokalanästhetika Lidocain und Tetracain, häufig Todesursache. Die Lähmung des zentralen Nervensystems oder Herzstillstand führen zum Tod, der wahrscheinlicher ist, wenn Kokain oder Kokainmischungen gespritzt werden.

Kokainüberdosierungen können außerdem Gehirnblutungen auslösen und Krämpfe erzeugen, die sich in so schneller Abfolge vollziehen, dass Personen nicht wieder zu Bewusstsein kommen. Und wie bei Heroin gibt es auch bei Kokain tödlich verlaufende allergische Reaktionen. Herzprobleme und Blutgefäßkrankheiten können Komplikationen begünstigen.

Bei Amphetaminen können vor allem Hirnblutungen und Herzstillstand auftreten, außerdem Hyperexie, eine Erhöhung der Körpertemperatur auf über 41 Grad, also extremes Fieber.

Zu den indirekten Todesursachen gehört auch Leberversagen infolge einer Hepatitis-C-Infektion durch den Gebrauch unsauberer Spritzen beim Konsum von Heroin, Kokain oder Amphetaminen.

Ecstacy führt nur selten zum Tod

Im Vergleich zu den Opiaten sind Todesfälle in Zusammenhang mit Ecstasy-Konsum selten, aber es gibt sie. Man muss davon ausgehen, dass häufig unklar ist, ob es sich bei der im Todesschein erwähnten Substanz »Ecstasy« auch tatsächlich um MDMA handelt oder um ein anderes Amphetamin oder eine Mischung verschiedener Substanzen.

Wie bei anderen Amphetaminen sind Herzrhythmusstörungen bis zum Herzstillstand möglich. Als häufige Todesursache gilt außerdem Überhitzung, da MDMA entwässernd und temperatursteigernd wirkt, was durch extremes Tanzen unterstützt wird. Die erhöhte Temperatur kann dann zu tödlichem Organversagen führen.

Eine seltenere Ursache ist ein durch MDMA bedingtes Abfallen des Natriumspiegels im Blut (Hyponatriämie) mit Todesfolge. Das geschieht häufiger bei Frauen, da diese Nebenwirkung durch Östrogen verstärkt wird.

Cannabis gilt als vergleichsweise ungefährlich

Umstritten ist, ob Cannabisgebrauch akute Todesfälle auslösen kann. In jedem Fall sind sie äußerst selten und indirekt. Im Jahr 2014 behaupteten deutsche Forscher wohl zu Unrecht, den ersten direkten Todesfall durch Cannabis belegen zu können. Die Todesursache war Herzversagen. Cannabis ist eine der Drogen, bei denen die Wahrscheinlichkeit, durch den Konsum zu sterben, extrem gering bis kaum vorhanden ist.

Bei Heroin dagegen sieht die Sache anders aus: Jeder fünfzigste Heroinkonsument stirbt an den Folgen des Gebrauchs. Stellt man sich eine gewöhnliche Schulklasse mit 25 Schülern vor, dann bedeutet das einen Herointoten auf zwei Schulklassen - natürlich nur dann, wenn alle Schüler Heroin nehmen würden. Das relative Risiko ist also bei Heroinkonsum besonders hoch, bei Cannabiskonsum verhältnismäßig niedrig.

Die Möglichkeit, direkt oder indirekt an Drogenkonsum zu sterben, ist wohl die extremste der möglichen negativen Folgen, aber nicht die einzige - Suchtentwicklung mit all ihren negativen Begleiterscheinungen auf Psyche, Körper und Sozialleben gehört ebenso dazu.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch:

"High sein - Ein Aufklärungsbuch" von Jörg Böckem, Rogner&Bernhard Verlag, ca. 300 Seiten, Euro 22,95, ISBN 978-3-95403-086-6.

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