BLOG
21/09/2015 09:40 CEST | Aktualisiert 21/09/2016 07:12 CEST

Tipp: Schweigen wirkt auf Mitmenschen besser als Reden

Getty

Fangen wir mit denen an, die es tun: viel reden. Sie finden, meinen, denken, glauben, nehmen an, behaupten, schlagen vor, vermuten und sagen jetzt mal so. Allen voran stellen sie das Ich, wirbeln Wortkaskaden durch die Luft und verwandeln so jedes Gespräch in Geschnatter. Wer die Klappe hält, hat mehr Macht.

Künstler wissen das

Den Kniff entdeckte schon der Künstler Andy Warhol. Seine Interviews waren Exerzitien des Orakelns. Auf Fragen antwortete er vage und immer kurz. Und Journalisten, die ihn interviewten, erhöhten die oft bedeutungsleeren Phrasen - nur, weil sie glaubten, hinter der Plattitüde müsse etwas Profundes stecken. Dabei war es nur „Blabla". Allerdings wohldosiertes.

„Die menschliche Zunge ist eine Bestie, die nur wenigen gehorcht. Ständig versucht sie, aus ihrem Käfig auszubrechen", warnte Leonardo da Vinci. Und so ist es bis heute: Quasselstrippen genießen nicht nur wenig Ansehen, sie riskieren ständig, etwas Blödes oder gar Gefährliches zu sagen.

Es ist ein Fehler, Menschen mit Worten beeindrucken zu wollen. Das wusste schon jener Abbé Joseph Antoine Dinouard, der 1771 ein Traktat über die Kunst, den Mund zu halten verfasste.

Je mehr man sagt, desto durchschnittlicher wirkt man

Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass die Aufmerksamkeit Ihres Gegenübers bereits nach zehn Sekunden sinkt. Nach 60 Sekunden beginnen die meisten darüber nachzudenken, was sie darauf antworten wollen. Und nach zwei Minuten hört Ihnen eh keiner mehr zu. Reden ist eben nur Silber, Schweigen viel machtvoller.

Wer bewusst mit Worten geizt, macht jedes einzelne davon wertvoller, vermehrt die Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wird, und bringt die Leute dazu, lange darüber nachzudenken, was zwischen den Zeilen stecken könnte.

Bloß nicht vorhersehbar werden

Allerdings ist es beim Schweigen wie mit allen Taktiken: Man sollte sie gelegentlich variieren

Menschen sind Gewohnheitstiere. Sie haben das Bedürfnis, im Verhalten anderer Konstanten zu erkennen. Wer also vorhersehbar handelt, verschafft anderen damit ein gewisses Maß an Kontrolle über sich. Wer hingegen unberechenbar bleibt, steigert seine Macht.

Verhaltensweisen, hinter denen man weder Sinn noch Zweck erkennen kann, wecken Interesse, machen neugierig, irritieren aber auch. Ihre Zuhörer werden dann über die Motive spekulieren, darüber reden, meinen, denken, glauben und versuchen, Muster zu erkennen, die es nicht gibt. Im Extremfall führt diese Strategie zu blankem Terror.

So weit müssen Sie ja nicht gehen. Und bis dahin versorgt die auftretende Stille den Schweigsamen mit viel Charisma.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Video: Richtig bewerben: Mit diesen fünf Tipps beeindrucken Sie bei jedem Bewerbungsgespräch

Photo gallery Das tun erfolgreiche Menschen vor dem Schlafengehen See Gallery

Hier geht es zurück zur Startseite