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16/12/2015 07:25 CET | Aktualisiert 16/12/2016 06:12 CET

Kinderwunsch bei Krebs: Kein einfaches Thema

Thinkstock

Eigentlich war ich nur zur Zahnreinigung beim Zahnarzt. Dass ich kurz darauf die Diagnose Krebs bekomme, damit habe ich nicht gerechnet. Es war ein Zufallsbefund und ich hatte sehr viel Glück. Gute Chirurgen, eine onkologische Station, auf der ich nicht nur medizinisch hervorragend betreut wurde, und die Weiterleitung an das Kinderwunschzentrum vor Beginn der Chemotherapie.

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Krebs - und nun?


Von Anfang an stand fest, dass mein Tumor, ein Osteosarkom, operativ entfernt werden muss. Zusätzlich war eine Chemotherapie vonnöten. Inklusive aller Nebenwirkungen: Haarausfall, Übelkeit, Mucositis (Schleimhautentzündung), Beeinträchtigung/Verlust der Fruchtbarkeit.

Sekunde: Ich bin in meinen Zwanzigern und habe noch keine Kinder. Möchte aber auf jeden Fall die Möglichkeit haben! Also hat der mich zu dieser Zeit betreuende Onkologe einen Beratungstermin im Kinderwunschzentrum vereinbart.

Im Kinderwunschzentrum


Nie hätte ich damit gerechnet, mit 25 in einem Kinderwunschzentrum zu stehen. Hier wurde ich darüber aufgeklärt, dass ich nach Beendigung meiner Behandlung sehr wahrscheinlich unfruchtbar bin. Und dass jetzt der Zeitpunkt ist, Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Denn die Medikamente, die ich bekommen sollte, sind in ihrer Wirkung sehr stark.

Nach der Chemotherapie sei es zu spät, dann ist der Schaden da. Mir wurde zu einer Eizellentnahme inklusive hormoneller Stimulation und Kryokonservierung geraten. Über zwei Wochen musste ich mir Spritzen in den Bauch setzen (lassen).

Ich hatte Stimmungsschwankungen, war gereizt und gegen Ende der Behandlung hatte ich Schmerzen im Bauchraum. Die Eizellentnahme erfolgte unter Narkose. Obwohl das sicherlich kein schönes Erlebnis ist, hat es mich psychisch enorm entlastet, alles getan zu haben, was im Rahmen meiner Möglichkeiten lag. Die Übernahme von insgesamt etwa 3000 Euro für Hormone, Untersuchungen und die Entnahme habe ich bei meiner Krankenkasse beantragt.

Leider hat die Krankenkasse die Kosten, wie schon von dem Kinderwunschzentrum prognostiziert, nicht übernommen. Die Begründung lautet, dass es nicht im Leistungskatalog steht. Für mich klingt das wie eine Ausrede.

Krebs, kein Geld, keine Kinder


Genau so fühlt es sich für mich an. Da erkrankt man als Kind/junger Erwachsener an Krebs. Das haben wir uns nicht ausgesucht. In den meisten Fällen benötigen wir eine Chemotherapie zur Behandlung. Die Nebenwirkungen sind bei uns allen gleich.

Aber: In diesem Alter fehlt uns meist das nötige Geld für vorsorgende fruchtbarkeitserhaltende Maßnahmen. Und deshalb kann man später, nachdem diese schwere Zeit überstanden ist, keine eigenen Kinder bekommen. Diese Wahlmöglichkeit wurde uns genommen.

Dabei ist es unser größter Wunsch, ein normales Leben führen zu können.

Ich hatte Glück: Meine Eltern haben mir das Geld gegeben.

Meine Forderung


Die psychische Belastung während der Behandlung ist extrem hoch. Dazu kommen Sorgen über und Wünsche für die Zukunft. Vorsorgende Maßnahmen haben mich psychisch entlastet.

Ich möchte erreichen, dass alle betroffenen Personen, unabhängig von Geschlecht, finanzieller Situation und familiärem Status (verheiratet/unverheiratet), die Möglichkeit zu fruchtbarkeitserhaltenden Maßnahmen haben und dass diese von der Krankenkasse übernommen werden.

Ich freue mich, dass in so kurzer Zeit über 2.500 Unterschriften zusammen kamen. Ich bin aber auch traurig, wie vielen es ähnlich geht, und enttäuscht, dass die Krankenkassen hier bisher nichts tun.

Bitte unterzeichnet meine Petition auf Change.org

Geteilt und weiterverbreitet werden darf sie natürlich auch sehr gerne!

Eure Joana

Video: So kann eine Immuntherapie Haut- und Lungenkrebs heilen - ganz ohne Bestrahlung

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