BLOG
11/08/2015 13:37 CEST | Aktualisiert 11/08/2016 07:12 CEST

Self-Publishing oder die Kultur des kleinen Mannes

2015-08-10-1439201597-5569785-homeoffice336378_320.jpg

Self-Publishing ist der große Trend. Von den Etablierten, sowohl von den Verlagen, als auch von den Buchautoren. Für die Verlage ist es eine bisher nicht ganz ernst zu nehmende Konkurrenz. Die etablierten Autoren schauen die Selbstveröffentlicher mit einer Mischung aus Verachtung, Missgunst und verstecktem Neid an.

Zeiten wandeln sich. Autoren kehren den Verlagen den Rücken, weil sie sich vom Verlag gegängelt fühlen. Der Verlag erbringt zwar auch Leistungen für den Autor, aber die Ausschüttung pro Buch ist immer unter 10%. Der Verlag macht zwar auch Werbung für den Autor. Aber richtig ins Zeug legen sich die Verlage nur für die ohnehin bekannten Autoren. Newcomer haben es bei den Verlagen richtig schwer. Die eingesandten Manuskripte wandern normalerweise ungelesen in den Papierkorb. Das erzeugt Frust.

Da liegt nichts näher, als den Verlagen Lebewohl zu sagen und das Buch selbst zu vertreiben. Man muss sich zwar um alles selber kümmern, was sonst der Verlag getan hat, aber man hat alles in der Hand. Man muss sich intensiv mit Marketing auseinander setzen und verbraucht dafür richtig viel Zeit. Nicht jeder kann das, aber es gibt viele, die das hin bekommen. Es lohnt sich. Für E-Books werden in der Regel 70% des Verkaufspreises an den Autor ausgeschüttet.

Nun manche von den Selbstverlegern schaffen eindeutig nicht die Qualität, wie man sie normalerweise gewohnt ist. Entweder es hapert an der Rechtschreibung oder die Geschichte ist nicht so ganz stimmig. Aber ist das so schlimm? Es ist wie bei der Hausmusik. Auch die ist nicht perfekt. Niemand erwartet Perfektion. Trotzdem ist die Hausmusik ein Stück wichtige Kultur, die uns durch die Dauerberieselung aus Radio und TV größtenteils verloren gegangen ist.

Ein Staat ist kein Kulturvolk, nur weil es große Dichter, Denker und andere Kulturschaffende gibt. Ausschlaggebend sind nicht nur die Eliten, sondern auch die Normalbürger, die ein Staatswesen ausmachen, die die kulturelle Gesamtleistung erbringt.

In der DDR gab es das Ideal vom Bücher schreibenden Kumpel. Dass er nichts staatskritisches schreiben durfte, versteht sich von selbst. Das der denkende und schreibende Kumpel über das System nachdenkt und sich seine eigenen Gedanken macht, war nicht eingeplant.

Trotzdem fasziniert mich die Idee, Schreiben und die Literatur in die breite Masse zu tragen. Wäre das nicht erstrebenswert, wenn wir wieder, im wahrsten Sinne des Wortes, ein Volk der Dichter und Denker werden, wenn Lesen und Schreiben nicht nach dem Schulabschluss abgelegt wird, wie ein alter Mantel. Gewiss, eine unrealistische Vision. Aber eine Zielvorstellung, die ich als wünschenswert erachte.

Zur Zeit sind die sozialen Medien voll gestopft mit grausigen Texten. Übervoll mit Verschwörungstheorien, handfesten Verunglimpfungen und unbelastet von Fachkenntnis und allen Rechtschreibregeln. Ich habe die Hoffnung, dass sich eine Opposition entwickelt, die diesem schlimmen Trend widersteht.

Es gibt das Schlagwort: Breitensport. Was ich fördern möchte ist die Breitenschriftstellerei 1.).

Eine Literatur, die nicht höchsten Ansprüchen genügt, aber von der breiten Masse getragen wird, wie die Hausmusik, ist mir wichtiger, als gar keine Kultur der Massen.

Ich möchte keineswegs die Leistung der Spitzenautoren herab würdigen. Sie sind wichtig für unser Land. Aber die Breitenschriftstellerei ist auch wichtig!

Sehen Sie bitte auch:

Möglichkeiten und Grenzen von eBooks

Huffpost ePublishing

Wie wird mein Buch im Internet gefunden?

1.)Ein von mir erfundenes Wort, weil das übliche Wort "Hobby-Autoren" in meinen Augen herabwürdigend ist,

Lesen Sie auch:

Sie haben auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn Sie die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollen, schicken Sie Ihre Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite