BLOG
02/09/2015 11:10 CEST | Aktualisiert 02/09/2016 07:12 CEST

Mehr TV-Everywhere

Ein Thema, was uns TV-Macher gerade alle angeht und beschäftigt ist: TV Everywhere.

Diese TV-Neuheit kann quasi als Fernbedienung des 21. Jahrhunderts gesehen werden. Um den Kanal zu wechseln, müssen wir den gewohnheitsbedingten Komfort unserer Couch nicht mehr aufgeben.

Durch TV Everywhere können wir jetzt außerdem sehen, was wir wollen, wann wir wollen und wo wir wollen. Auch wenn diese Art des Fernsehens noch relativ neu ist, nutzen Millionen von Zuschauern bereits täglich die Vorteile, die die Verbindung mit dem Internet hergibt.

Laut Wikipedia bezieht sich: „TV Everywhere auf ein Geschäftsmodell, bei dem die Fernsehveranstalter - insbesondere bei Kabelnetzen - ihren Kunden ermöglichen, auf Inhalte von ihrem Netzwerk über internetbasierte Dienste zuzugreifen - entweder „live" oder „on-demand" - und das wird als ein zusätzlicher Servicepunkt verkauft."

Habe ich also Comcast Kabel und klicke mich in den Xfinity Service ein, so kann ich mir „Chicago Fire" auf meinem iPhone ansehen, während ich mit dem Bus zur Arbeit fahren.

Da die Nutzung von TV Everywhere weiter wachsen wird, liegt die Herausforderung darin, sicherzustellen, dass eine ausreichende Auswahl an Fernsehsendungen vorhanden ist, um den Nutzer zu befriedigen.

ABER dies ist zum Teil nicht so einfach. Ein Problem besteht darin, dass für TV Everywhere mehr Aufführungsrechte und Lizenzen benötigt werden als bisher. Die Fernsehstudios, die im Besitz der Verwertungsrechte für ihre Sendungen sind, wollen letztlich nicht alle Lizenzen an einen Anbieter für TV Everywhere verkaufen.

Die Studios sind eher der Meinung, dass es um einiges rentabler sei, die verschiedenen Rechte ihrer Sendungen an mehrere Käufer zu veräußern. So können Studios auch verhindern, dass Käufer verschiedener Rechte Mengenrabatt wollen.

Die größte Hürde, vor denen Fernsehstudios in diesem Zusammenhang stehen, ist die Anpassung der rechtlichen Anforderungen des TV Everywhere-Service an die Lizenzierung der Video-on-Demand (VOD)-Rechte.

Das Leben vor TV Everywhere: Die „Rolling Five"

Vor TV Everywhere war es für die Studios einfacher die Nachfrage nach VOD zu erfüllen. Die Zuschauer waren zufrieden, wenn sie nur einen begrenzten Zugriff auf diesen Service hatten.

So reichte es, wenn wenige Lizenzen an einen Anbieter für eine gewisse Anzahl an Episoden vergeben wurden.

Diese konnten dann zu einem beliebigen Zeitpunkt - mit Werbeeinblendung, aber frei von Gebühren (AVOD) - geschaut werden. Genau genommen waren es fünf AVOD Episoden, auf die der Zuschauer zeitgleich Zugriff hatte (die so genannten „Rolling Five").

Die Folgen standen für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung, um danach von den fünf folgenden ersetzt zu werden. Die Idee hinter „Rolling Five" war es, alles wieder aufzuholen, sollten sie einmal einige Folgen hintereinander verpasst haben. Oder aber Serien-Neueinsteigern beim Einstieg, in eine für sie noch nie zuvor gesehene Serie, zu helfen.

Wie heute mit TV Everywhere umgehen?

Das Interesse der Zuschauer am TV Everywhere ist in den letzten drei Jahren exponentiell gestiegen. Daher sollten Studios, die bereits mit TV Everywhere-Netzwerken verbunden sind, möglichst schnell eine kreative Lösung finden, um ihre Dienstleistung mit weiteren Programmangeboten zu ergänzen.

Als möglicher Ansatzpunkt können Partnerschaften mit bereits verbundenen Netzwerken für die Produktion und Übertragung einer neuen Sendung geschlossen werden. Somit können Risiko und Ertrag zu gleichen Teilen getragen werden.

Pay-TV-Netzwerke waren die ersten Betreiber, die Studios Partnerschaftsvereinbarungen angeboten haben, teilweise bereits im Hinblick auf die Ausstrahlung als TV Everywhere-Programm.

Diese Verträge regelten, dass sich Studios und Netzwerke die Kosten für die Produktion wie auch den Gewinn teilten. Aber: Lizenzvereinbarungen für solche Sendungen sind relativ komplex, da unterschiedliche Preisstaffelungen für verschiedene Ebenen der Rechte existieren.

Die Laufzeit der jeweiligen Vereinbarung ist abhängig davon, wie viele Staffeln produziert werden. Zudem ist ein angemessener Schutz für den Wert von VOD Rechten enthalten, wenn diese auch an eine dritten SVOD Plattform verkauft werden.

Eins ist sicher:

Da neue Übertragungsmodelle unsere Zukunft bestimmen, kann man nur erahnen, wie wir in Zukunft Fernsehen. In Spanien kann man grad die Zukunft erahnen: hier ermöglicht eine (RTVE)App, Live-TV auf der Google Brille zu streamen. Ich bin gespannt, was die TV-Zukunft uns noch so bringt.

Jeremy Adell wird am 7. Oktober auf der B3 eine Keynote halten. Leit-Thema des riesigen Medienfestivals ist Expanded Senses. Mit allen Sinnen erleben und Grenzen verschieben. 2013 kamen zur B3 rund 25.000 Besucher aus zwölf Ländern.

Veranstalter der B3 ist die Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG). Die Träger der B3 sind das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK), die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen) und die Stadt Frankfurt am Main. www.b3biennale.com

Facebook

YouTube

Vimeo