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12/12/2015 11:49 CET | Aktualisiert 12/12/2016 06:12 CET

„Radius-Server" legt Telekom-Netz lahm - Das Ende der Unschuld!

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Dem wütenden Mann auf dem Bild sehr verbunden müssen sich am 04.Dezember viele tausend Kunden der Telekom gefühlt haben. Die letzten großen Störungen sind kaum drei Monate her, da kommt es erneut zu dramatischen, deutschlandweiten Ausfällen von Internet, Fernsehen und Telefon, die Telekom Kunden geduldig über sich ergehen lassen mussten.

Betroffen auch vom Ausfall des Telefons waren schwerpunktmäßig die größeren Städte und Ballungszentren, da hier bereits ein großer Teil der Kunden auf die VoIP-Technologie umgestellt wurde.

Ein Telekom Sprecher begründete diese Großstörung, mit dem Ausfall eines sogenannten „Radius-Servers", der für die Anmeldung der Benutzer im System zuständig ist.

Zeit zum Umdenken

Die Deutsche Telekom bekommt die technischen Probleme im Zusammenhang mit dem Umbau auf ein neues, IP-basiertes Netz offenbar nicht gefixt.

Die Verbraucherzentralen berichten bereits das ganze Jahr hinweg von teils haarsträubenden Kundenerfahrungen mit der gelobten, neuen Zukunftstechnik und informieren Kunden über Fakten, Hintergründe, Rechte und Alternativen.

Eigentlich höchste Zeit für das Management des Konzerns, die sichtlich übereilte und unkoordinierte Netzumstellung kritisch zu hinterfragen und entsprechend zu korrigieren. Lange genug wurde nun immer wieder beteuert, man hätte die Probleme im Griff.

Der letzte Vorfall sollte allen jedoch genug Warnung sein, um inne zu halten. Das Ende der Unschuld für das Management ist gekommen, denn die Behauptungen, alle wesentlichen Probleme gelöst zu haben, klingen von nun an, bei jedem weiteren Vorfall, nicht nur ironisch, sondern zeugen von Ignoranz, Überheblichkeit und mangelnder Urteilsfähigkeit.

Geht die Umstellung der Kundenanschlüsse in diesem Tempo weiter, ohne das die Ursachen für die vielen Ausfälle restlos geklärt und behoben sind, wird das Ausmaß der Störungen unablässig zunehmen - für jedes Unternehmen ohne diese Monopolstellung der sichere Bankrott, die Kunden wären weg.

Umstellung ja, aber bitte weniger Eile und mehr Qualität

Es gibt keinen zwingenden, technischen Grund, dass zuverlässig arbeitende ISDN-Telefonnetz binnen der nächsten zwei Jahre komplett abzulösen und sämtliche Telefonie-Kunden überhastet in ein unausgereiftes IP-Netz zu transformieren.

Zum Thema unausgereift: Wie kann eigentlich der Ausfall eines einzelnen „Radius-Servers" eine deutschlandweite Störung verursachen? Derartig wichtige Netzkomponenten sollten immer mehrfach (orts-)redundant aufgebaut sein, so dass der Ausfall einer einzelnen Komponente maximal einen kurzen, lokalen Charakter hätte.

Falls die Unternehmensmeldung zur Ursache so tatsächlich stimmt, wäre dies ein technischer Offenbarungseid! Was auch immer nun zutreffen sollte, vertrauensbildend wirken beide Varianten nicht unbedingt ....

Vertrauen in neue Technologie wird leichtfertig verspielt

Dass das derzeitige Vorgehen zunehmend eigene Kunden verprellt, mag noch ein Telekom internes Thema sein.

Es verspielt jedoch ebenfalls das Vertrauen von Verbrauchern in neue, zukunftsweisende Technologien allgemein und in die notwendige Umstellung auf All-IP-Netze, die jeder Netzbetreiber früher oder später vornehmen muss, im Speziellen. Und dieses Vertrauen wird künftig für alle Anbieter dringender denn je notwendig sein - denn der Begriff All-IP bedeutet letztendlich für die Kunden, dass neben dem Internet, dem IP-TV, dem VoIP-Telefon, auch noch das Mobilfunknetz über das IP-Netz des jeweiligen Providers laufen wird.

Ist dieses gestört, wie letzten Freitag zum Beispiel, dann sind sämtliche Dienste des Anbieters betroffen und der Kunde wäre sämtlicher Kommunikationsmöglichkeiten beraubt - selbst der Störungsmeldung. Aber das wäre womöglich für die Statistik des Kundenservice positiv: Keine Störungsmeldung, keine Störung, alles gut.

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