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04/12/2016 10:50 CET | Aktualisiert 05/12/2017 06:12 CET

"KÜSS MICH, MÖNCH" Sündiger Klosterduft

Dougal Waters via Getty Images

„Anna, wo steckst du? Hey, wie lange soll ich dich denn noch suchen? Versteckst du dich wieder irgendwo mit diesem sexgeilen Irren? Ich habe dich gewarnt, Gott bewahre, wenn ich dich wieder mit ihm erwische - dann bist du in großen Schwierigkeiten. Und du bist selbst schuld daran! Du kennst mich ja, ich stehe zu meinem Wort!", ertönte die strenge und furchterregende Stimme einer Frau, die genau wusste, welche unverhohlene Drohung von ihren Worten ausging.

„Schnell, zieh dich an und dann weg von hier! Meine Oma wird dich sonst umbringen! Und, Gott bewahre, mich wird sie zum Krüppel machen! Das hat mir jetzt gerade noch gefehlt!" Anna sprang sofort auf und warf einen erschrockenen Blick auf den jungen Mann, der eindrucksvoll im trockenen Stroh auf dem Dachboden der Scheune lag.

„Ach, mach dir keine Sorgen!", versuchte er die zu Tode erschrockene Anna zu beruhigen.

„Was soll das heißen - mach dir keine Sorgen? Und wenn sie hier auftaucht? Was dann?" Anna konnte sich kaum beruhigen, während sie im Stroh nach ihrer Kleidung suchte.

„Hör mir zu, Anna, rede nicht so ein dummes Zeug! Sie ist doch eine intelligente Frau!" Der Bursche kicherte, während er mit der rechten Hand Strohreste von seinem nackten Körper entfernte.

„Und was bedeutet das? Was meinst du?"

„Nun, du bist wirklich schwer von Begriff! Denkst du, deine Großmutter weiß nicht, wo sie dich suchen muss? Natürlich weiß sie das."

„Woher denn?"

„Schau dich mal um - zur Treppe, über die wir auf den Dachboden geklettert sind. Siehst du, da an der Tür hängt noch ein Stofffetzen von deinem Rock, den wir in der Eile vergessen haben wegzuräumen." Er deutete auf die Holztür, die nur angelehnt war.

„Oh, zum Teufel nochmal! Wie konnte ich das vergessen?", rief Anna laut und strebte auf eine kleine Stalltür zu.

„Bist du verrückt geworden? Wo willst du denn hin in diesem Aufzug?" Der junge Mann konnte sie gerade noch am Arm packen. „Du willst doch nicht, dass deine Großmutter der Schlag trifft? Wegen deines extravaganten sexy Aussehens. Sie weiß doch längst, wo du bist. Daran gibt es keinen Zweifel. Trotzdem sollte sie dich so nicht zu Gesicht bekommen."

Zögerlich ging Anna ein paar Schritte zurück. Sie stand da, hielt den Atem an und wusste nicht, was sie als Nächstes tun sollte.

Und warf einen fragenden Blick auf Nikita, der noch immer nackt auf einer zerknitterten, grauen Decke lag.

„Anna, habe ich dir nicht gesagt, dass du sofort da rauskommen sollst? Muss ich erst selbst nach oben steigen und dich kopfüber die Leiter herunterlassen? Vielleicht kann ich ja so den ganzen Unsinn aus deinem Kopf herausprügeln!", drohte die Frau voller Ernst.

„Nun, das war's, wenn meine Oma uns hier sieht, dann bringt sie uns um. Sie ist bereits auf dem Weg! Lass uns abhauen!" Anna lief schnell zu Nikita, im Laufen zog sie aus dem Stroh seine Jeans und sein gestreiftes Hemd hervor.

„Aber wohin denn?" Selbst Nikita erkannte, dass das kein Spaß war.

Ja wirklich, das war eine etwas sonderbare und seltsame Frage. Der Rückweg vom Dachboden durch diese Tür war ihnen abgeschnitten. Denn dort stand ein furchterregender Wächter über die Jungfräulichkeit. Das verstand auch Anna.

„Was stehst du da rum, wie versteinert, los, versteck dich im Stroh! Und keinen Mucks!"

„Aber ..."

„Was murmelst du da vor dich hin? Keine gute Idee? Aber mit mir hier fast zwei Stunden zu vögeln - das war schön, das hat dir gefallen, nicht wahr? Natürlich war das schön und angenehm! So, und jetzt versteck dich im Stroh und sei mucksmäuschenstill, bis ich dich rufe!", sagte Anna energisch und knöpfte sich mit zitternden Händen den weißen BH zu.

Mit schnellen Handbewegungen hatte Nikita eine kleine Vertiefung ins Stroh gegraben und tauchte kopfüber hinein.

Anna griff sich eine alte Decke, genau die, auf der sie sich vor Kurzem noch leidenschaftlich vergnügt hatten.

Ohne nachzudenken, warf das Mädchen sie genau über die Stelle, an der nun Nikita zusammengekauert hockte.

Sie schaffte es gerade noch, sich jenes rote T-Shirt wieder anzuziehen, auf dem mit kleinen Perlen eine fremdsprachige, unleserliche Inschrift gestickt war. Irgendwie zufällig hatte sie dieses Kleidungsstück im Second-Hand-Shop gekauft, die Inschrift hatte es ihr angetan.

Was da geschrieben stand, davon hatte sie absolut keine Ahnung.

Warum auch?

Vielleicht standen dort auch einige schmutzige und anzügliche Worte geschrieben.

Aber in ihrem Dorf war ohnehin niemand in der Lage, es zu lesen. Hier gab es keine „Schlauberger" mit erweiterten Fremdsprachenkenntnissen.

Das leise Knarren der alten Holztreppe, die zum Boden der Scheune führte, versetzte Anna in helle Aufregung.

„Hier bin ich, Oma, hier! Warum hast du denn so geschrien? Mit mir ist alles in Ordnung! Nichts ist passiert!", gab Anna mit einiger Verzögerung von sich, während sie rückwärts bis zur Wand ging.

Das Knarren der sich öffnenden Bodentür klang für Anna wie das Pfeifen eines auf sie zufliegenden Geschosses, das jeden Moment zu explodieren droht. Und sie natürlich vernichten würde, zerreißen in viele kleine Stücke.

In Bezug auf ihre Großmutter hatte Anna schon immer eine unüberwindliche Furcht empfunden. Man hätte dieses Gefühl sicher auch irgendwie anders nennen können, zum Beispiel Respekt, Verehrung, Ehrfurcht vor ihrem Alter.

Was immer es war - Anna wusste, wenn die Großmutter sie hier mit Nikita erwischen sollte, dann würde sich ein Familienskandal nicht vermeiden lassen.

Sie überlegte blitzschnell, was sie tun könnte, um diese heikle Situation zu entschärfen. Mit Schwung ließ sie sich auf die Decke plumpsen, unter der, versteckt im Stroh, Nikita lag oder saß.

„Ach Oma, ich war fest eingeschlafen, du hast mich aufgeweckt! Was gibt es denn so Dringendes?", murmelte Anna, während sie sich lässig auf der Decke räkelte und sich gleichzeitig die Augen rieb.

„Aber meine Liebe, wer glaubt denn diesen Unsinn, wer wird denn diesen Quatsch glauben? Sieh nach draußen. Die Sonne brennt gnadenlos, sodass man hier auf dem Dachboden kaum atmen kann. Und du behauptest, dass du geschlafen hättest! Oh Anna, mir scheint, du hast ein wenig geschwindelt." Die Großmutter trat energisch auf ein Holzbrett in der Mitte des Dachbodens und ging beherzt weiter hinein.

In ihren Händen hielt sie ein Makogon, eine Art Stößel, ein Gegenstand, der in keinem Haushalt fehlen durfte.

Dabei handelte es sich um einen massiven, dicken Holzstab, der am unteren Ende abgerundet war. Mit ihm wurden in der Makitra, einer speziellen Tonschüssel, Mohn und Getreide zerstoßen oder Butter sowie Quark und Hüttenkäse verrieben.

Die ältere Frau warf einen prüfenden und listigen Blick auf Anna, die auf der Decke lag. Aufmerksam und gründlich sah sie sich nach allen Seiten um, auf der Suche nach überzeugenden Beweisen für verbotene Handlungen ihrer etwas einfältigen und naiven, aber geliebten Enkelin.

„Du sagst, du bist allein, Anna. Richtig?"

„Siehst du hier noch jemanden?", fragte die Enkelin mit leiser Stimme und senkte unschuldig den Blick.

„Wenn ich ihn nicht kennen würde, deinen Nichtsnutz Nikita, ja, wahrscheinlich würde ich gar nicht auf so eine Idee kommen!", versicherte die Großmutter und näherte sich Anna. „Warte, warte, was liegt denn da für ein Stück Stoff neben dir?"

Vorsichtig folgte Annas Blick den Augen der Großmutter.

Oh nein!

Nur das nicht!

Das waren doch ... das waren Nikitas bunte Boxer-Shorts.

Verdammt, wie hatten sie nur vergessen können, dieses reale, stoffliche Beweisstück zu verbergen, dieses schreckliche Indiz?

„Wo? Ich kann nichts sehen!" Anna versuchte mit aller Macht, ihre Aufregung zu überspielen.

„Ja, da liegt es doch, direkt vor deinen Füßen!"

„Ach, das! Nein, nein, das ist nicht das, was du denkst! Weißt du, ich habe mich ein wenig erkältet, ich habe einen leichten Schnupfen. Und da habe ich zufällig unten dieses Stück Stoff gefunden."

Blitzschnell ergriff Anna die zerknüllte Unterhose und schnäuzte sich aus voller Kraft hinein.

Voller Inbrunst schnaubte sie in die Unterhose, dabei atmete sie tief ein. Doch plötzlich fühlte Anna einen starken Schlag, nur vergleichbar mit einem Knockout beim Boxen, das mit starkem Schwindelgefühl und Orientierungslosigkeit einhergeht.

Genau deshalb waren die nächsten Sekunden für Anna sehr schwer: Sie fühlte sich weder in der Lage einzuatmen, noch auszuatmen.

Mein Gott, was für ein unangenehmer Geruch kam da aus Nikitas Unterhose?

Sie wäre fast erstickt an diesem besonderen und einzigartigen Geruch!

Was war das, trug er sie etwa schon seit dem letzten Jahr?

Sie hätte es nie für möglich gehalten, dass Männershorts so einen mörderischen Geruch von sich geben konnten!

Genauer gesagt einen tödlichen, das traf es auf den Punkt.

„Das ist dein Taschentuch, sagst du? Nicht wahr? Ach komm, Enkelin, lass es mich mal näher ansehen!" Großmutter Maria trat vom Holzbrett weg auf das weiche Stroh und rückte etwas näher an Anna heran.

Instinktiv verbarg Anna die Hand mit den Taschentuch-Shorts hinter ihrem Rücken, ratlos und verunsichert ging sie rückwärts in eine Ecke der Scheune.

Sekundenschnell ging Maria weiter auf ihre Enkelin zu. Sie streckte ihr die Hand entgegen, um ihr dieses Taschentuch, dieses verdächtig große Taschentuch abzunehmen.

Doch sie kam nicht dazu. Unter ihren Füßen bewegte sich etwas, und langsam zeigte es sich, kam aus dem Stroh herausgekrochen.

„Es bringt mich um! Hilfe! Ich kriege keine Luft mehr! Ich kann nicht mehr atmen!", ertönt die panische Stimme eines Mannes.

Aus dem Stroh erschien als Erstes der zerzauste, struppige Kopf Nikitas. Unschön lugten aus seinem Haarschopf einige Strohhalme heraus.

Keuchend aus Mangel an Luft, versuchte er verzweifelt, die Strohreste aus seinem geröteten Gesicht zu streifen.

Sobald er wieder etwas sehen konnte und vor sich Maria mit dem Makogon, dem hölzernen Stößel, in den Händen erblickte, verließen ihn augenblicklich sein ursprünglicher Mut und seine Tapferkeit.

Er sprang hurtig aus dem Stroh, und im Galopp, ohne sich umzusehen, lief er zur geöffneten Dachbodentür.

„Ach, dir geht es hier an den Kragen? Ich wusste es! Ich wusste es! Du verdammter, verfluchter Kerl, ich habe deinen schmutzigen Atem gewittert! Was hast du hier verloren? Und jetzt läufst du feige weg wie ein Kaninchen! Ich werde dir alle Knochen brechen!" Maria schwang das Makogon in Richtung des fliehenden Nikita.

Dieser spürte den Schlag des schweren Stockes glücklicherweise nur auf seinem weichen Hinterteil. Er verstand selbst nicht, wie er so schnell über die wackelige Holztreppe nach unten gelangen konnte.

Natürlich behielt er einige blaue Flecken von diesen unverschuldet erhaltenen Prügeln zurück.

Aber das war schließlich nicht tödlich, sie würden nach einem Monat verschwunden sein.

„Und mit dir, meine Liebe, habe ich noch ein Hühnchen zu rupfen!", drohte Maria und verließ die Scheune.

Dabei vergaß sie nicht, ihre treue Selbstverteidigungswaffe, die bei allen unerwünschten Angriffen auf Familienmitglieder zum Einsatz kam - ihr geliebtes Makogon - mit sich zu nehmen ...

***

Anna betrat das Kloster genau zur Mittagsstunde. Als sie ihren Wunsch kundtat, dort bleiben zu wollen, wurde sie gleich darauf hingewiesen, dass alle Novizinnen hart arbeiten müssten.

Nachdem sie Annas Zustimmung hatte, befahl die Mutter Oberin, der neuen Dienerin Gottes ein Kopftuch auszuhändigen sowie einen Eimer mit Lappen zum Fensterputzen. Und zuvor musste sie noch helfen, die Bodenläufer aus der Kirche herauszutragen und sie gut auszuklopfen.

„Aber ich will Nonne werden und nicht Teppiche ausklopfen! Ich möchte eine Braut Christi werden und auf alle irdischen Dinge verzichten!", versuchte Anna, den Klosterinsassen ihre Absichten zu erklären.

„Aber zuerst musst du dich als Novizin bewähren. Denn eine Braut Christi kann nicht jede werden. Es ist ein langer Weg der Prüfung und der Buße", erklärte man der frischgebackenen Einsiedlerin die Kloster-Regeln.

Und sie vergaßen nicht, Anna daran zu erinnern, dass sie ihre üppigen, prächtigen, langen Haare immer unter einem Tuch verbergen müsse.

Schon am ersten Tag im Kloster gab es viel zu tun. Sie pflanzte Blumen, schleppte enorme Körbe mit Abfall, jätete Unkraut in den Blumenbeeten und zwischen den Tomaten.

Ehrlich gesagt war Anna eine fleißige Novizin. Sie arbeitete den ganzen Tag wie verrückt und versuchte dabei, alles andere zu vergessen.

Als die Glocke ertönte, die den Beginn des Abendgottesdienstes verkündete, hatte sich an einer ihrer Hände bereits eine große Blase gebildet. Die andere hatte sie sich bis zu den Handknöchelchen wund und blutig gerieben, als sie die Teppiche ausgeklopft hatte. Und ihr Rücken schmerzte, so sehr, dass es ihr schwerfiel, sich gerade aufzurichten.

Bald darauf erhielt Anna zusammen mit den anderen Arbeitern den Segen für eine Mahlzeit. Im Kloster gab es zwei Speisesäle. Einen für die Novizinnen und die Arbeiter, den anderen - für die Nonnen.

Übrigens war der Unterschied zwischen diesen beiden Räumen, die der Essensaufnahme dienten, ziemlich groß. Als sie zufällig einen Blick in den Speisesaal für die Nonnen warf, war Anne überrascht von dem, was sie da sah.

Der Raum für die Einnahme der Mahlzeiten war mit frischen Blumen geschmückt, das Essen wurde in ansehnlichem Porzellangeschirr gereicht. Dort schwebte ein ganz anderer Essensgeruch, so lecker, köstlich und erlesen wie in einem guten Restaurant.

Der Beginn und das Ende der Mahlzeiten wurden schließlich durch Gebete begleitet. Im Speisesaal für Neulinge gab es nur einen großen Holztisch, an der Wand hing eine Ikone. Genau hier erinnerte sich Anna an das bekannte Sprichwort: „Im Kloster tu, was man im Kloster tut!!"

Als Anna einen großen Teller mit den Resten einer geschmacklosen Graupen-Suppe, die sie nicht besonders mochte und nicht aufgegessen hatte, beiseiteschob, wurde sie flüsternd von ihrer Tischnachbarin getadelt:

„Hier ist das Essen gesegnet, deshalb muss man alles aufessen, was serviert wird. Sonst sind die Geistlichen beleidigt, wenn sie sehen, dass die Teller nicht leergegessen wurden."

Und so kam es, dass Anna, um nicht gegen die Klosterregeln zu verstoßen und niemanden zu beleidigen, sich die Reste der Suppe hineinquälte und sie mit ungesüßtem Tee hinunterspülte.

Auf Gerstenbrei mit Soße und Salat hatte sie weder Lust noch Appetit. Zum Glück konnte dieses Mal jeder aus einer großen Schüssel etwas auf den eigenen Teller nehmen und musste nicht aufessen, was ihm fertig serviert wurde.

Nach dem Essen folgte ein fast dreistündiger Abendgottesdienst, begleitet von Gebeten und der Salbung der Stirn. Manche Klosterschülerinnen gingen zum Schlafen in ihre Stadtwohnungen. Nachdem sie den Segen der Mutter Oberin für eine Übernachtung erhalten hatte, durfte Anna die Nacht im Kloster verbringen ...

Ein Buchauszug aus dem Roman „Küss mich, Mönch" von J. M. Sommerfeldt:

https://www.facebook.com/jaroslawa.sommerfeldt

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