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02/01/2016 12:09 CET | Aktualisiert 02/01/2017 06:12 CET

Ein iPhone-Vertrag für meinen Sohn, mit herzlichen Grüßen...

Janell Burley Hofmann

Lieber Brendan,

fröhliche Weihnachten! Du bist jetzt stolzer Besitzer eines iPhones. Ho, ho, ho! Und jetzt liegt es in Deiner Verantwortung: Es ist dein Handy, dein Vertrag. Verlier in der Welt nicht das Gleichgewicht, lass es in unserer schnellen Zeit auch mal langsam angehen.

Wir sind hier so schnell zusammen angekommen. Wenn ich nicht aufpasse, dann merke ich gar nicht, dass Du inzwischen so groß bist, dass Du mir auf Augenhöhe begegnen kannst, wie sich dein Gesicht verändert hat und wie dein Geist gewachsen ist.

Ich sehe in Dir immer noch den kleinen Bruder, der Schutz statt Flügel braucht, so süß und noch nicht bereit. Aber jetzt ist es soweit, hier ist mein Vertrauensbeweis. Ich habe erkannt, was für ein guter, herzlicher, kluger junger Mann Du geworden bist.

Hier ist eine der besten Errungenschaften unserer heutigen Zeit für Dich. Was wirst Du daraus machen? Wie wirst Du das Werkzeug zur Erweiterung deines Lebens nutzen? Wirst Du es nutzen, um dein Leben einfacher zu gestalten, es für andere besser zu machen, zu lernen, zu erschaffen, zu entdecken und zu entfalten? Ich bin gespannt.

Ich liebe Dich von ganzem Herzen. Es gibt nichts in der Welt, was das ändern könnte.

Lass es uns angehen.

1. Dieses iPhone ist ein Privileg. Es ist kein Recht. Brauchen und wollen sind zwei verschiedene Dinge. Ich habe es Dir gegeben und kann es Dir wieder wegnehmen. So einfach ist das.

2. Stell Dich darauf ein, dass ich etwas sehen will, dass ich Fragen stelle. Das Handy soll ein Teil unserer Welt sein, dein digitales Leben soll sich nicht im Verborgenen abspielen.

3. Du musst auch deinen Teil dazu beitragen. Pass auf das iPhone auf. Kratzer, Sprünge, Wasser und Sand fallen Dir zu Lasten. Auch, wenn das Handy verloren geht, ist es deine Sache. Durch das Erfüllen von Haushaltspflichten und -aufgaben und durch ein gewisses Maß an Kooperation verdienst Du Dir die Übernahme der laufenden Kosten. Das sollte Dich nicht überraschen.

4. Du willst etwas downloaden? Dann frag erst. Du willst etwa kaufen? Dann musst Du es voll bezahlen.

5. An Wochentagen wird das Handy um 20 Uhr ausgeschaltet, am Wochenende um 22 Uhr. Du musst Dich selbst auch wieder aufladen. Willst Du bei einem Freund übernachten, bleibt das iPhone zu Hause. Es sei denn, es wurde etwas anderes ausgemacht.

6. Du nimmst das Handy nicht mit zur Schule, außer es wurde etwas anderes vereinbart. Unterhalte Dich mit deinen Freunden während der Pause auf dem Schulhof richtig. Lass das Display nicht zwischen Dich und die verrückten Zeiten der Mittelstufe kommen.

7. Was Du schreibst, postest und teilst bist DU. Deine Online- und Offline-Persönlichkeiten sollten zueinander passen. Das Internet vergisst nicht, Du bist dafür verantwortlich.

8. Keine heimlichen Bilder oder Videos von anderen Menschen. Keine Bilder oder Videos aus Spaß auf Kosten anderer. Dazu zählen auch Geschwister. Und Eltern. Frag immer um Erlaubnis, wenn Du etwas posten willst.

9. Ich schraube meine monatlichen Kosten nicht in die Höhe, damit Du unbegrenzten Zugang zu Sex und Gewalt hast und stundenlang sinnlos surfst. Geh raus, verschwende deine Zeit nicht. Das ist eine Kernkompetenz im Leben.

10. Verleih deiner Persönlichkeit Ausdruck und sei Dankbar für den Zugang zu so vielen Informationen und Möglichkeiten. Schließe Dich Gruppen an und registriere Dich auf Plattformen und in Foren, die deinen Interessen entsprechen und treffe Gleichgesinnte. Lass Dich von der Neugier leiten und entdecke Neues.

11. Scheue Dich nicht vor dem Schweigen. Du musst nicht zwangsläufig kommentieren und antworten. Verlasse Unterhaltungen. Blockiere. Lösche. Entfolge. Manchmal erfordert es Mut, sich nicht an etwas zu beteiligen. Überlege Dir genau, welche Feuer Du anheizen willst.

12. Du hast immer die Wahl, wie Du dieses iPhone nutzen willst. Das ist Teil des Geschenks. Die Freiheit zu entscheiden, wie diese Technologie Dir den größten Nutzen bringt. Heimlichkeiten, Lügen und Unehrlichkeit bringen Dir nichts. Ich würde Dir diese Erfahrung gerne ersparen. Aber das kann ich nicht, daher merke Dir: Wie Du online auftrittst, nimmt Einfluss und hinterlässt immer Eindrücke. Nutze diese Macht weise.

13. Besuche auch weiterhin deine Großeltern und spiele auch weiter mit den Nachbarskindern draußen auf der Straße. Nimm weiter an den gemeinsamen Mahlzeiten teil und gehe spontan mit deinen Freunden Pizza essen. Diese Dinge machen deine Kindheit aus, dein Leben, und sie sollten nie in Konkurrenz zu deinem Handy stehen.

14. Sieh so oft wie möglich von deinem Handy auf und schaue anderen in die Augen, um „bitte" und „danke" zu sagen.

15. Die Welt hat ihre eigenen Konsequenzen. Sie gehen über die Regeln unserer Familie hinaus. So ist das mit vielen Dingen. Übernimm Verantwortung. Sei verlässlich. Sei unverwüstlich. Vergib Dir selbst und auch anderen. Sei immer mit ganzem Herzen und mit ehrlichen Absichten bei der Sache, dann wird die Welt Dir in die Hände spielen.

16. Du wirst auch mal Fehler machen. Du wirst stolpern und vom Weg abkommen. Das verstehe ich. Papa versteht es. Aber das schaffen wir schon. Du hast wunderbare fehlerhafte Menschen um Dich herum, die Dich lieben und Dir wieder auf die Beine helfen. Im Internet und im wahren Leben: Du bist nicht alleine. Wir fangen Dich auf.

Oh Brendan. Lass dieses Handy ein Teil deines Lebens werden, so, dass es Dir Nutzen bringt und Spaß macht. Lass Dir Zeit. Atme tief durch. Versetze Dich so oft wie möglich in die Lage anderer.

Sei Dir dessen bewusst, dass Du ein ganzer, vollständiger, kompletter Mensch bist - ganz egal wie viele Likes und Follower Du hast. Du bist bereits die Definition von Qualität. Achte auf Dich und sei aktiv, koste das Leben voll aus - online und offline.

Sei Dir immer bewusst, was richtig und was falsch ist. Halte Dich von dem Falschen fern, bitte um Hilfe, wenn Du Dir nicht sicher bist. Und wenn Du einfach nur Du selbst bist, dann ist das Leben online grade um Welten besser geworden.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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